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TV-Kritik

Neue RTL-Show: "Mensch Gottschalk" - viel zu aufgebläht und ohne Spannung

Thomas Gottschalk ist mit einer neuen RTL-Show zurück auf dem Bildschirm:  Das ist über weite Strecken unterhaltend, wird aber nach zwei Stunden zäh. Und zu diesem Zeitpunkt ist erst die Hälfte geschafft.

Von Lars Peters

Thomas Gottschalk in seiner neuen Sendung "Mensch Gottschalk - das bewegt Deutschland"

"Highway to Hell": Thomas Gottschalk ist zurück auf dem Bildschirm

Pünktlich um Mitternacht war es überstanden: drei Stunden und 45 Minuten TV-Show mit 15 verschiedenen Themenblöcken gingen zu Ende. Und im Gegensatz zum Publikum im Studio machte Moderator Thomas Gottschalk den Eindruck, als könne er noch Stunden lang weiterreden. War er noch im Jetlag von seiner Anreise aus den USA oder stimmt es, dass man mit 66 Jahren erst in Schuss kommt? Schließlich ist Gottschalk Mitte Mai gerade so alt geworden.

Das Alter sah man dem Moderator vor allem dann an, wenn Einspieler mit ihm aus den 80er und 90er Jahren gezeigt wurden. Ansonsten war alles wie immer - zum Beispiel seine Vorliebe für wilde Muster und ausgefallene Klamotten. Unter einem dunkelbraunen Lederanzug mit Leoparden-Futter (Gottschalk: "Früher habe ich das außen getragen") hatte er ein T-Shirt mit Indianer-Wolf-Print gezogen. Die Füße steckten in Stiefeletten mit Leoparden-Muster. Meist saß er in einer Sitzgruppe oder an der Bar. Und dann war da noch eine kleine Aktionsfläche. Ein paar Hundert Gäste im Studio. Alles überschaubar und gemütlich.

Thomas Gottschalk liefert souverän flotte Sprüche

So dauerte es keine fünf Minuten und man hatte sich als Zuschauer wieder mit Gottschalk arrangiert. Der Spoiler, bei dem Gottschalk verriet, wer beim parallel laufenden Tatort im Ersten der Täter ist, tat dazu sein übriges. Dann folgten fast vier Stunden lang flotte Sprüche und nette Gespräche. Mal eine Spur "Gottschalk Late Night", dann wieder etwas "Wetten, dass ... ?" Alle denkbaren Themen wurden behandelt, die Deutschland bewegen sollen.

Um diese zu ermitteln, hatte man extra beim Meinungsforschungsinstitut Forsa eine Befragung in Auftrag gegeben. Wie schön, dass dabei genau die Fragen gestellt werden können, die zu den geplanten Themen der Sendung passen. Denn dann sind auch genau die Künstler zu Gast, die gerade eine Tournee planen (Pet Shop Boys, Nena, Mark Forster), oder die TV-Sendungen, die aktuell bei RTL bzw. der Konzernschwester VOX laufen bzw. gelaufen sind ("Let’s Dance", "Wer wird Millionär", "Prominenten-Special", "Sing meinen Song"). Das ist ok, bewegt Deutschland womöglich, berührt aber nicht.

Das taten hingegen die Geschichten der normalen Menschen wie der aus Syrien nach Berlin geflohenen Schwimmerin Yusra Mardini, die bei den Olympischen Spielen in Rio an den Start gehen wird. Oder die an Leukämie erkrankte Marisol Bohlig, die von Michael Mronz eine persönliche Videobotschaft erhielt und die bei ihrer Suche nach einem Stammzellenspender ausgerechnet von Jimi Blue Ochsenknecht unterstützt wird.

Donald Trump und die "Hackepetra"

Herrliche Funfacts brachten die Beiträge über den Großgroßcousin von Donald Trump, der im Rieslingstädtchen Kallstadt lebt, sowie über den veganen Metzger Michael Spahn aus Frankfurt. Natürlich testete Gottschalk live dessen "Hackepetra", eine vegane Alternative zum klassischen Mett. Zu Höchstform lief der Moderator allerdings im Einspieler mit Mercedes-Chef Dieter Zetsche auf, als sie zusammen in einem selbstfahrenden Auto fuhren und "Highway to hell" sangen. Ohne Hände am Lenkrad, dafür Luftgitarre spielend.

Einziger wirklicher Tiefpunkt der Show war der Auftritt des Satirikers Florian Schroeder, dessen Pointen einfach nicht zünden wollten. Vielleicht war das Publikum da aber auch schon zu müde. Außerdem fehlte der Sendung einfach der Spannungsbogen, der die Zuschauer bis zum Ende interessiert hält und den andere XXL-Formate im TV wie Fußballspiele oder der Eurovision Song Contest nun einmal haben.

Die Ankündigung, dass der derzeit omnipräsente Mark Forster am Ende der Show singen würde, konnte das genauso wenig auffangen, wie die "Stadtwette", die am Schluss der Sendung aufgelöst wurde. Unter dem Motto "Unterhalter trifft Hundehalter" hatte Gottschalk die Zuschauer aufgefordert, mit ihrem vierbeinigen Begleiter ins Berliner Studio zu kommen - wenn der Hund dort einen Trick vorführen könne. Drei Herrchen bzw. Frauchen kamen, konnten aber weder Gottschalk noch die Zuschauer wirklich überzeugen. Das war bei "Wetten, dass... ?" um Längen besser.

Was "Mensch Gottschalk" ist oder sein will, war auch nach knapp vier Stunden Sendung nicht klar. Für einen Halbjahresrückblick war es nicht emotional genug, für eine Unterhaltungsshow fehlte die Spannung. Letztlich war es viel zu aufgebläht, wenn auch inhaltlich ansprechend.