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TV-Kritik zu "Günther Jauch": Wallraffs Werk und Bosbachs Beitrag

Spannendes Thema, anstrengende Gäste: Günther Jauch wollte "Das Aldi-Prinzip" diskutieren, fand sich aber plötzlich im Wettstreit von Gut und Böse wieder.

Von Sophie Lübbert

Es ist nur ein altes graues Foto, auf dem zwei Männer mürrisch in die Kamera schauen, aber Dieter Brandes freut sich darüber wie ein kleines Kind. Er versucht, sich ein stolzes Lächeln zu verkneifen, aber so ganz funktioniert es nicht. Immerhin ist er da auf dem Bild zu sehen, vor Jahrzehnten, in einem amerikanischen Supermarkt - mit Theo Albrecht, dem mittlerweile verstorbenen Mit-Begründer von Aldi.

Die Discounter-Kette birgt eine seltsame Faszination - sowohl für ihre Anhänger wie Ex-Vorstandsmitglied Brandes, als auch die strikten Gegner. Die Brüder, die Aldi gründeten, gehörten und gehören seit Jahren zu den reichsten Menschen der Welt, zeigen sich aber nie öffentlich. Das Unternehmen gibt keine Pressemitteilung oder Zahlen heraus. So etwas bietet Platz für Spekulation. Deshalb hat sich Günther Jauch an diesem Abend das Thema "Das Aldi-Prinzip – billig um jeden Preis?" ausgesucht. Und es funktioniert hervorragend, weil jeder was dazu zu sagen will. Auch, wenn er keine Ahnung hat.

Aldi-Mitarbeiter - glücklich oder unterdrückt?

Dieter Brandes kannte Theo Albrecht persönlich, wie das Foto beweist, und er verehrt diesen Mann, wie seine Worte beweisen. Bescheiden seien die Albrecht-Brüder gewesen, ihr Discounter-Prinzip schon seit 50 Jahren extrem erfolgreich, die Mitarbeiter gut bezahlt und glücklich. All das nickt Stefan Genth vom Handelsverband Deutschland ab; er bescheinigt Aldi "ein starkes Konzept", dort besinne man sich noch auf das was zähle, nämlich den Verkaufserfolg.

Begrenzte Produktpalette zu sehr günstigen Preisen, das ist das Patentrezept des Discounters, wenn man Brandes und Genth glaubt. Unterdrückte Mitarbeiter, die im von Angst erfüllten Betriebsklima diverse Überstunden abschuften müssen, das ist die Darstellung der Gegenseite.

Die besteht zuerst einmal aus Susanne Amann vom "Spiegel". Sie hat eine Titelgeschichte über die Aldi-Methoden geschrieben. Es gebe keine unabhängigen Betriebsräte, dafür ständige Kameraüberwachung der Mitarbeiter und Listen über kleinste Vergehen, damit schneller gekündigt werden könne. Leider verkauft Frau Amann ihre Position nicht gut; sie nennt kaum konkrete Fälle, sondern erzählt lieber einen kleinen Schwank darüber, wie sie an Albrechts Haustür geklingelt und er "Guten Abend" durch die Gegensprechanlage geantwortet habe.

Jauch will doch nur drüber reden

Auch von Andreas Straub, Ex-Aldi-Süd-Manager, kommt wenig. Er hat ein Enthüllungsbuch über seine Discounter-Zeit geschrieben und ist großspurig angekündigt, als jemand der zum ersten Mal mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit trete. Straub tritt dann zwar auch, aber nur zurück von den Erwartungen. Er erzählt, dass die Bezahlung bei Aldi gut sei und auch deshalb viele schwiegen, selbst wenn sie unbezahlte Überstunden leisten müssten.

Moderator Jauch wirkt zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig geknickt. Er wollte doch gern reden: Darüber, dass Aldi gar nicht so günstig ist, wie alle immer denken. Dass die Angestellten schlecht behandelt würden. Dass es eine "Mauer des Schweigens" gebe, dass das alles "doch nicht normal" sei.

Doch auf einen kann er sich verlassen: Günter Wallraff, Journalist, bekannt für Undercover-Reportagen und Vorwort-Geber von Straubs Buch. "Systematischer Psycho-Terror" herrsche bei Aldi, Menschen würden zum Kostenfaktor degradiert, "raffen, raffen, raffen" sei das Prinzip, so wettert Wallraff; er gestikuliert wild mit den Händen, starrt wütend durch seine randlose Brille und fühlt sich offenbar sehr wohl in seiner Rolle als Rächer der Unterdrückten.

Bosbach kennt den Zwiespalt

Doch dann greift Wolfgang Bosbach, ein. Er hat früher mal einen Supermarkt geleitet, kennt sich mit Milch aus und ist bereit, dieses Wissen zu teilen. Es gebe bei Aldi unterschiedliche Arten, Buttermilch, homogenisiert, fettarm, gibt der CDU-Politiker zu Protokoll. Dann fragt er mahnend, wie viel der Bauer dafür kriege. Und so wie er es sagt, ist klar: zu wenig. Weil es Discounter wie Aldi gibt, die günstig sind, aber die Produzenten ruinieren.

"Dieser Zwiespalt tobt in jedem von uns", ruft Bosbach kämpferisch und macht damit klar: hier geht es nicht mehr nur um einen Supermarkt, hier geht es ums Ganze. Um die große Philosophie, den Wettstreit zwischen Gewissen und Versuchung. Vor allem aber um sein Image als Verteidiger der armen Arbeitnehmer, das vorhin noch Wallraff beanspruchte.

Der jedoch hat mittlerweile mit anderen Problemen zu kämpfen. Moderator Jauch liest eine Zuschauer-Mail vor: wie Wallraff sich zu den angeblichen "Stasi-Methoden" bei Aldi äußern könne, wo er doch selber Kontakte zur Stasi gehabt habe. Wallraff gerät völlig aus der Fassung. Seine Mundwinkel zucken wild hin und her, dann brüllt er los.

Gutes Thema, das an der Oberfläche blieb

Er habe die Stasi benutzt und nicht sie ihn. Das sei ein Hinrichtungsversuch des Springer-Verlags gewesen; "feiern Sie mit der Springer-Presse", schreit er Günther Jauch an. Der bleibt erstaunlich ruhig. Nach einer ersten Schrecksekunde reagiert er gelassen und mit Humor. "Das hätte eine ganz andere Sendung werden können", bemerkt er trocken.

Und die wäre besser gewesen als das, was er abgeliefert hat: Ein gutes Thema, das aber an der Oberfläche blieb, geprägt vom Profilierungsdrang einiger Gäste. Es hätte geholfen, Aldi nicht zur Verkörperung von Gut oder Böse hoch zu stilisieren, sondern als das zu sehen, was es ist: eine Supermarktkette.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(