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TV-Kritik zur Ulmen-Show: Nicht mal sexistisch

"Wer hat die Geilste?", fragt Christian Ulmen alias Uwe Wöllner in seiner neuen Show, über die im Vorfeld so heftig debattiert wurde. Doch der Skandal fällt aus. Es ist alles nur ein harmloser Spaß.

Von Mark Stöhr

So sieht also "Volksverdummung", "sexistischer Müll", "Beihilfe zur Zwangsprostitution" oder schlicht "hirnlose Scheiße" aus. Die sozialen Netzwerke hyperventilierten in den vergangenen Tagen. Da waren erst mal nur das Konzept und einige Teaserfilmchen der neuen Tele5-Show "Who wants to fuck my girlfriend?" bekannt. Der Shitstorm schenkte dem Format noch vor dem Auftakt maximale Aufmerksamkeit. Was für ein Glück für den Mini-Sender aus München, der mit dem Slogan "Leider geil" wirbt. Und jetzt, nach der ersten Folge? Legen wir uns wieder hin. Leider langweilig. Oder fehlten bei der Premiere einfach nur die männlichen Exemplare, bei denen das Hirn lose zwischen den Beinen hängt?

Bei "Who wants to fuck my girlfriend?" schicken normalerweise zwei Männer ihre Freundinnen in eindeutige Situationen, um deren Marktwert zu testen. Für jedes Kompliment, jeden Aufriss, den die Freundinnen sammeln, gibt es Punkte. Wer am Ende die meisten Punkte auf dem Konto hat, hat "die Geilste".

"Die Periode ist bei euch richtig überflüssig"

Das ist natürlich nicht ernst gemeint. Das Ganze ist eine Persiflage auf richtig fiese TV-Formate à la "Der Bachelor" oder "Girlscamp", bei dem der Sexismus-Vorwurf völlig plausibel ist. Durch die Show führt Christian Ulmens bekannte Kunstfigur Uwe Wöllner, der ungelenke Loser mit dem Kassengestell, der die Welt nur aus dem Privatfernsehen kennt. Und der begrüßte in der ersten Folge zwei lesbische Teams zum rein weiblichen Wettbewerb: "Who wants to fuck my lesbian girlfriend?" Das konnte man als cleveren Konter gegenüber dem feministischen Sturmlauf sehen. Oder als Geschlechter-Gag, der überhaupt nicht funktionierte.

Wöllner nervt, als Figur und als Darstellung. Ulmen ist ein schlauer Kopf, aber kein besonders guter Schauspieler. Er überzieht den arglosen Trottel Wöllner dermaßen ins Chargenhafte, dass kein auch nur halbwegs glaubhafter Charakter dabei herauskommt. So flach wie der Kerl sind auch seine Sprüche. Wöllner hechelte sämtliche Lesben-Klischees im Eiltempo durch. "Dir sieht man es gar nicht an. Bist du auch Veganerin?", fragte er eine der Frauen. Riesenlacher im Publikum. Oder: "Die Periode, die ist bei euch richtig überflüssig, richtig ärgerlich sogar." Brüller. Wahrscheinlich ist selbst die Unwitzigkeit von Ulmen so gewollt, doch irgendwann ab der zweiten oder dritten Metaebene schießt sich ein Showkonzept selbst ins Knie.

Spiel mit dem Ernst

Die Kandidatinnen lächelten den gesteckten Parcours der Peinlichkeiten so gut wie möglich weg. Die Sendung soll ja nur ein Spiel mit dem Ernst sein, stand mit großen Buchstaben über jeder Einstellung. Sie quatschten Frauen im Café an ("Findest du mich attraktiv?") und simulierten Umfragen zum Thema Sex ("Ist Ihre Vagina jetzt feucht?"). Ein bisschen heikler wurde es in der Rubrik "Resteficken", dem massiveren Abschleppversuch nachts um drei in einer Bar. Da kippte das Ganze nicht ins Sexistische, aber Voyeuristische: Wie wird die Umworbene auf die offensichtliche Einladung zum One-Night-Stand reagieren? Geht sie mit oder lehnt sie ab (was bis auf eine einzige Ausnahme der Fall war)?

Das kam jedoch alles so unsicher und nett daher, dass es schon fast rührend war. Männer, davon ist auszugehen, werden in solchen Szenen schnell zu extrem fiesen und unangenehmen Rüden. Ulmen kündigte im stern.de-Interview für die nächsten Folgen Typen an, "gegen die ist Brüderle ein radikaler Feminist." Das guckt man sich vielleicht einmal an. Ein zweites Mal aber nicht mehr. Warum auch.

Eine kleine Reminiszenz an die Zeit, als das Fernsehen noch wichtig und irgendwie auch unschuldig war, schenkt uns Ulmen mit der Titelmelodie. Sie stammt von "Na sowas!", der Show rund um den "ganz normalen Wahnsinn", die Thomas Gottschalk zwischen 1982 und 1987 moderierte. Darin traten Menschen auf, die durch ihre Fußzehen pfeifen konnten, oder Hunde, die den Hörer abhoben, wenn das Telefon klingelte. Frauen lieferten sich hauptsächlich Wettbewerbe im Abspecken. Heutzutage, so die moralische Botschaft von "Who wants to fuck my girlfriend?", sind sämtliche Schamgrenzen gefallen. Da buhlen Frauen wie beim "Bachelor" um die Gunst eines gelackten Schönlings – oder werden eben von ihren Männern als erweiterter Schwanzvergleich auf die Piste geschickt. Doch die Medienkritik bleibt im Geblödel von Ulmen alias Wöllner stecken. Es ist letztlich alles nur ein harmloser Spaß.

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