TV-Saison 2007/2008 Tops und Flops im deutschen Fernsehen


Die Fußball-EM, "Deutschland sucht den Superstar", "Wer wird Millionär?" und "Germany's Next Topmodel" - die abgelaufene TV-Saison hatte nur wenige Höhepunkte. Es überwiegen die Flops.

Die Sehbeteiligung ist unverändert hoch. 211 Minuten schaute jeder deutsche TV-Zuschauer ab drei Jahren im ersten Halbjahr 2008 täglich fern. Das entspricht exakt dem Vorjahrespensum. Doch Branchenkenner gehen davon aus, dass die Nutzung trotz gleichbleibender Sehdauer in ihrer Intensität abnimmt, weil viele Konsumenten, vornehmlich jüngere, sich ihren Beschäftigungen am Handy oder PC widmen. Neue Fernsehformate haben deswegen vielfach schlechte Aussichten. Dies gilt auch nach Abschluss des ersten Halbjahres wieder einmal für Comedyformate und neue Serien, die offenbar nicht den Nerv des Publikums trafen. Betroffen sind alle Sender.

Öffentlich-rechtliche Blamage

Die ARD hatte Pech mit ihren Versuchen, auf dem Sendeplatz um 18.55 Uhr etwas Sinnvolles zustande zu bekommen. Die Zuschauer, die einmal weggelaufen sind, scheinen auch nicht mehr zurückzukommen. So fruchtete im Frühjahr das Stylingformat "Bruce" mit dem Ex-"Topmodel"-Juror Bruce Darnell ebenso wenig wie die Datingshow "Ich weiß, wer gut für Dich ist" im Anschluss daran. Zwei neue Krimiserien, "Ein Fall für Nadja" und "Elvis und der Kommissar", konnten am Montagabend nicht Fuß fassen. Lediglich der Sauerland- Krimi "Mord mit Aussicht" und zuletzt "Der Winzerkönig" nach bewährtem Serienmuster hielten einigermaßen Schritt.

Recht wenige Rückschläge musste das ZDF hinnehmen. Zu den Enttäuschungen der TV-Saison gehören unter anderem die Linda-de-Mol- Serie "Feine Freundinnen" am Dienstagabend und auch das Musical- Castingformat "Musical Showstar 2008" mit Thomas Gottschalk, das unter den Erwartungen blieb. Recht gut etablierten sich dagegen der neue Mittwochabend, der dem Melodram und dem Klassiker "Aktenzeichen XY... ungelöst" vorbehalten ist, sowie der Donnerstagabend mit einem recht erfolgreichen "Bergdoktor" in der Neuauflage, aber einer von den Quoten her weniger zufriedenstellenden Uschi Glas als Hauptdarstellerin der Serie "Zur Sache, Lena".

Sat.1 auf Talfahrt

Die Privatsender wurden vielfach für ihre Experimente bestraft. Niels Ruf hatte sowohl mit seiner Anwalt-Comedy "Herzog" auf RTL (nach drei Folgen abgesetzt) Pech als auch mit seiner Sat.1-Late- Night-Show, die schon zwei Mal wegen schwacher Quoten verschoben wurde. Auch Kai Pflaume hatte mit zwei neuen Sat.1-Shows ("Rich List", "Träume werden wahr") wenig Glück. Sein Sender musste vor allem im Bereich Comedy ("3 ein Viertel", "Alles typisch", "Die Marco Rima Show"), bei den Serien ("GSG 9", "Deadline") und Hugo Egon Balders Musicalshow "Ich Tarzan, Du Jane" Federn lassen. Und die 20- Uhr-Nachrichten haben es gegen die ARD-"Tagesschau" sehr schwer.

RTL hat weiterhin Probleme mit dem Nachmittag, weil "Familienhilfe mit Herz" mit Susan Akel und der Talk "Natascha Zuraw" als Lösung nicht taugten. Auch die Dokusoap "Mitten im Leben" und die Spielshow "1 gegen 100" sind noch lange nicht am Ziel. ProSieben beendete die Serie "Unschuldig" mit der Ankündigung, sie künftig zur Filmreihe zu machen. Und ein Wiedersehen mit "Stars auf Eis" und Katarina Witt scheint unwahrscheinlich - ihre zweite angekündigte Show, ein Diät- Format, lässt noch auf sich warten. RTL II scheiterte mit der Dokusoap "Der Requardt" am Vorabend und auch mit dem "Club der Ex- Frauen".

Kabel 1 musste bei "Las Vegas", "Blind Justice" und der von Kritikern gelobten Serie "Damages" erkennen, dass auch US- Produktionen ihre natürlichen Grenzen haben. Und wer wie viel auf einer Insel abnimmt ("Jedes Kilo zählt"), wollte auch kaum jemand wirklich wissen. Noch viel weniger Menschen, nämlich annähernd 0,0 Prozent, interessierten sich für die Neun-live-Serie "Juanita ist single" - wenig besser geht bisher Margarethe Schreinemakers Call-in- Sendung "Schreinemakers 08105 - 100 232" - die erwarteten Anrufe bleiben weitgehend aus.

Carsten Rave/DPA DPA

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