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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 16.10.: "Precious": Ein junges Mädchen ganz unten

Ihr Spitzname: eine Kampfansage an die Ungerechtigkeit der Welt. "Precious" ist 16, übergewichtig, hat ein Kind vom Vater und eine Mutter, die sie misshandelt. Erschütternd überzeugend gespielt.

Vom Vater vergewaltigt, von der Mutter misshandelt: In ihrer Fantasie flüchtet die 16-jährige Precious (Gabourey Sidibe) in ein besseres Leben.

Vom Vater vergewaltigt, von der Mutter misshandelt: In ihrer Fantasie flüchtet die 16-jährige Precious (Gabourey Sidibe) in ein besseres Leben.

"Precious"
2.05 Uhr, Arte
SOZIALDRAMA Eine quälende Stunde dauert es, bis Claireece Jones, von allen nur Precious (Gabourey Sidibe) genannt, endlich explodiert. Bis sich das 16-jährige Mädchen, das so viel Qual und Demütigung erfahren hat, gegen ihre Mutter (Mo'Nique) auflehnt und aus ihrem Elternhaus flüchtet. Die dankt es ihr mit einem Mordversuch. Ein Fernseher fliegt durch das Treppenhaus, verfehlt Precious und den neugeborenen Sohn nur um wenige Zentimeter.

Ganz ehrlich - als "Precious" 2009 im Kino uraufgeführt wurde, hatte ich nicht das geringste Interesse daran, mir den Film anzuschauen. Der Plot klang abgedroschen (Junges Mädchen von ganz unten trifft engagierte Lehrerin und versucht den Absprung), Precious' Lebensgeschichte las sich wie ein Armutsporno. So, als wollte Drehbuchschreiber Geoffrey S. Fletcher das Maximum an Mitleid aus den Zuschauern herausquetschen: Precious wird nicht nur wegen ihrer fast 200 Kilo gehänselt, sondern auch vom eigenen Vater vergewaltigt, bekommt danach ein Kind mit Down-Syndrom, ist zu Beginn des Films wieder schwanger und muss mit einer Mutter zusammenleben, die ihre Tochter abgrundtief hasst und misshandelt. Uff.

Aber dann bekam Mo'Nique den Oscar als beste Nebendarstellerin. Und in den USA wurde heftig darüber diskutiert, ob der Film mit seiner drastischen Darstellung einer völlig am Boden liegenden, Sozialhilfe schnorrenden, afro-amerikanischen Familie böse Klischees aus der Reagan-Ära wieder aus der Mottenkiste holt. Ich wurde neugierig, gab "Precious" eine zweite Chance - und war begeistert. Auch wenn ich den Film an mehreren Stellen fast wieder ausgestellt hätte. Gabourey Sidibe und Mo'Nique spielen ihre Charaktere einfach so erschreckend echt, dass es beinahe unerträglich ist, ihrem Leiden zuzusehen. Aber, bitte, beißen Sie sich durch.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Rectify"
20.15 Uhr, Arte
SERIE Über die Hälfte seines bisherigen Lebens hat Daniel Holden (Aden Young) den Himmel nicht gesehen. Wegen des angeblichen Mordes an seiner Teenagerfreundin saß er 19 Jahre in der Todeszelle. Bis ein DNA-Test ihn entlastet. Daniel kann zurück in die Freiheit. Zu Hause in Georgia bemühen sich alle um Normalität – die nicht eintreten kann, solange keiner die Wahrheit kennt. - Das sechsteilige, angenehm ruhig und bewegend erzählte Drama schildert Daniels erste Woche in einer Welt, die sich in Freund und Feind teilt. Den Menschen entfremdet, erkennt der Unschuldige nicht, wer zu welchem Lager zählt. Young spielt den stillen Außenseiter herzbewegend und unergründlich. Drei Doppelfolgen. (bis 23.35)

"Happy-go-lucky: Gute Laune ist ansteckend!"
23.45 Uhr, SWR/SR

KOMÖDIE Auch das Londoner Grau kann Lehrerin und Ulknudel Poppy (Silberner Bär: Sally Hawkins) die Laune nicht verderben. – Überraschend Heiteres von Sozialfilmer Mike Leigh. (bis 1.40)

"Das bessere Leben"
22.25 Uhr, 3Sat,

DRAMA Die Pariser Journalistin Anne (Juliette Binoche) interviewt Studentinnen, die als Callgirls arbeiten. Das Hinterfragen der eigenen Haltung erschüttert bald die Grundfesten ihrer bürgerlichen Identität. - Psychogramm mit offenen Fragen, von Binoche souverän getragen. (bis 23.55)

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.