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TV-Tipp 10.8.: "Naokos Lächeln": Murakami zum Anschauen

Haruki Murakami ist einer der klügsten Erzähler unserer Zeit. Aber lassen sich seine Worte auch in Filmbilder kleiden? "Naokos Lächeln" gelingt die Aufgabe ganz gut - unser TV-Tipp des Tages.

"Es waren zwei Königskinder,die hatten einander so lieb. Sie konnten zusammen nicht kommen; das Wasser war viel zu tief."

"Naokos Lächeln"
23.55 Uhr, ARD

LIEBESFILM Ich kann mir nicht genau erklären, warum ich die Romane und Erzählungen von Haruki Murakami so gerne mag. Liebesgeschichten sind meine Sache eigentlich nicht - und meistens geht es bei Murakami um eben jene romantischen Gefühle, die Menschen füreinander hegen. Mag sein, dass dieser surreale, bisweilen gar mystische Unterton, der seine Erzählungen durchzieht, eine Rolle spielt. Dieser Moment, wenn das Fantastische wie aus dem Nichts Einzug hält in Murakamis Romanwelt, wenn die "Little People" aus den Mündern der Menschen kriechen und eine Leiter mitten auf der Tokyoter Stadtautobahn in eine seltsame Parallelwelt führt ("1Q84").

Murakamis Schreibstil ist einzigartig - und man kann nur neidisch auf all jene blicken, die den Autor im japanischen Original lesen können. "So schön wie ein Lied" hat "Zeit"-Rezensent Ulrich Greiner dann auch "Naokos Lächeln" genannt, jenen Roman, der als Vorlage für den heutigen TV-Tipp diente. Über allem steht natürlich die eine große Frage: Ist es Regisseur Trần Anh Hùng gelungen, den Murakami-Stil in adäquate Filmsprache zu übersetzen?

Meine ganz persönliche Antwort: nein. Murakami zu lesen kann einfach nichts ersetzen. Trotzdem ist der Film kein Ausfall, ganz im Gegenteil. Die Geschichte von Toru (Ken'ichi Matsuyama) und Naoko (Rinko Kikuchi), die unter dem Selbstmord ihres besten Freundes leiden und sich ineinander verlieben, erzählt Anh Hùng unglaublich sanft und in Bildern, die wirklich zu berühren vermögen - auch wenn sie gelegentlich einen Tick zu sehr ins Kitschige abgleiten.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Into the Wild – Die Geschichte eines Aussteigers"
21.45 Uhr, 3Sat


ROADMOVIE von Sean Penn. Chris (Emile Hirsch) spendet sein Geld, packt den Rucksack und geht: von Washington bis ins unerbittliche Alaska. – Tragisches Protokoll einer Rebellion. (bis 0.00)

"The Buena Vista Social Club"
21.50 Uhr, Arte


DOKUMENTARFILM In den 50ern sind sie Stars der Clubs auf Kuba, unter Castro vergessen: US-Musiker Ry Cooder entdeckt und vereint die alten Herren 1996 für ein Album. – Wim Wenders schuf ein hinreißendes Porträt über den furiosen zweiten Frühling der Rentnercombo. (bis 23.35)

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