Neue Bücher Max Goldt und Christoph Hein sind wieder da


Mit den Neuerscheinungen im Frühjahr wollen die Buchverlage eine vielschichtige Leserschaft ansprechen. Dabei setzen sie vor allem auf spannende Bücher und bekannte Autoren. Aber auch der literarische Nachwuchs bekommt seine Chance.

Mit großen Namen, Neuentdeckungen und vor allem mit Krimis wollen die deutschen Verlage in diesem Frühjahr zum Lesen verführen. Internationale Autorenstars, wie Paul Auster, Haruki Murakami, Joyce Carol Oates und Louis Begley warten ebenso mit neuen Werken auf wie namhafte deutsche Schriftsteller. Vor allem aber werden die Fans der Spannungsliteratur auf ihre Kosten kommen, denn vom blutrünstigen Thriller über die Beziehungstragödie bis hin zum feinsinnigen Detektivspiel ist dieses Genre in allen möglichen Variationen vertreten.

Oates, die schon lange als Favoritin für den Literatur-Nobelpreis gehandelt wird, inszeniert in ihrem Roman "Niagara" eine Tragödie vor der Kulisse der gewaltigen Natur. Am Beispiel einer Familie veranschaulicht die Autorin die Krise der amerikanischen Gesellschaft. Ebenso erzählt Jonathan Franzen in "Die Unruhezone" nicht nur "eine Geschichte von mir", sondern er porträtiert zugleich die amerikanische Mittelschicht. Menschliche Abgründe haben es Paul Auster immer wieder angetan: Das neue Werk des New Yorkers "Reisen im Skriptorium" erweist sich als raffiniertes Spiel mit der menschlichen Fantasie. Auster nimmt seine Leser mit auf die bedrückende Reise in die Welt eines alten, vergesslichen Mannes, dessen Gedanken trotz aller Bemühungen doch immer wieder zum Ausgangspunkt zurück schweifen.

In seinem stark autobiografisch gefärbten Roman "Ehrensachen" beschreibt Louis Begley die Probleme eines Juden polnischer Herkunft, in der amerikanischen Gesellschaft der 50er Jahre anerkannt zu werden. Zugleich ist das elegant geschriebene Buch eine Hommage an die Freundschaft. Nach seinem sensationellen Erfolg "Die See" überzeugt der Ire John Banville mit einem weiteren Roman: "Nicht frei von Schuld" ist ein raffiniert verwickeltes irisch-amerikanisches Familiendrama, das der Booker-Preis-Gewinner unter dem Pseudonym Benjamin Black veröffentlicht hat. Auch wenn der Schluss nicht das hält, was der Beginn der Geschichte verspricht - Banville versteht seine Leser zu faszinieren.

Murakamis Fangemeinde darf sich freuen

Die eingeschworene Fangemeinde des Japaners Haruki Murakami darf sich über einen neuen Erzählband "Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah" freuen. Zehn Jahre nach seinem Welterfolg "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" legt der Däne Peter Hoeg nun einen neuen Thriller der Extraklasse vor: Mit dem Roman "Das stille Mädchen" verbindet er Elemente von Krimi und Ökothriller mit Exkursen über Musik, Mystik, Liebe, Verlust und den Sinn des Lebens.

Auch die erste Riege der deutschen Schriftsteller meldet sich wieder zu Wort: Christoph Hein geht in seinem Roman "Frau Paula Trousseau" der elementaren Frage nach, wie ein Mensch wird, was er ist. In wechselndem Stil erzählt der Berliner Autor vom Leben einer Malerin, die ihre Selbstbehauptung mit Gleichgültigkeit gegenüber anderen bezahlen muss. Ingo Schulze, der erst vor gut einem Jahr den fulminanten Wenderoman "Neue Leben" vorgelegt hat, ist bereits wieder mit dem Erzählband "Handy" präsent und überrascht seine Leser erneut mit stilistischer Originalität - dieses Mal in klassischem Erzählton. Doch auch in seinen "Dreizehn Geschichten in alter Manier" bleibt er seinem Thema Abschied und Aufbruch treu.

Eine diffuse Sehnsucht

Mit der ihm eigenen Ironie schildert Wilhelm Genazino in seinem Roman "Mittelmäßiges Heimweh" den Wendepunkt im Leben eines Mannes, der mit Erschrecken feststellen muss, dass seine Gefühle lau geworden sind. In seinem etwas anderen Liebesroman "Komm, gehen wir" verfolgt Arnold Stadler die Lebenslinien dreier Menschen, die aus ihrer Liebesbeziehung über die Jahrzehnte eines retten: eine diffuse Sehnsucht.

Unter den jüngeren deutschen Autoren meldet sich Ingeborg-Bachmann-Preisträger Thomas Land mit dem Beziehungsroman "Unter Paaren" zurück - einer subtilen Geschichte über Affären und Beziehungen in der heutigen Zeit. Mit seinem distanzierten Blick nimmt Max Goldt in "QQ" wieder eine Wirklichkeit ins Visier, deren groteske Entwicklungen er mit seiner heiter-humorvollen Sprache benennt. Nach ihrem viel beachteten ersten Buch, dem Erzählband "Reiche Mädchen" hat sich Silke Scheuermann nun an ihren ersten Roman "Die Stunde zwischen Hund und Wolf" gewagt: Die ambivalente Beziehung zweier Schwestern weiß die junge Autorin präzise und in ganz eigenem Stil zum Ausdruck zu bringen.

Bücher für nervenstarke Leser

Neben diesen anspruchsvolleren Texten nimmt nach wie vor die Spannungsliteratur einen der ersten Plätze im Verlagsangebot ein: Kaum erschienen, steht das neue Buch von Frederick Forsyth, dem Altmeister des Spionagethrillers, schon auf den Bestsellerlisten. "Der Afghane" handelt von einem al-Kaida-Anschlag, den ein Undercover-Agent zu verhindern versucht. Haarsträubende Spannung verspricht auch Thomas Harris Roman "Hannibal Rising", in dem der Amerikaner seinen Antihelden Hannibal Lecter wieder von der Leine lässt. Auch die Britin Mo Hayder ist nicht gerade als zimperlich bekannt, wenn es um die Darstellung von Gräueltaten geht. "Die Sekte", ihren neuen Thriller über eine mysteriöse Gruppe Menschen, die auf einer einsamen Insel leben, sollten deshalb nur nervenstarke Leser anfassen.

Susanna Gilbert-Sättele/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker