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TV-Tipp 18.8.: "Bernd, das Brot"-Nachtschleife: MIST!

Früher gab es das Testbild, heute schwirrt ein misanthropisches Brot durch die sendefreie Zeit des Kinderkanals. "Bernd, das Brot" - ein TV-Tipp nicht nur für die Kleinen.

Brot mit Bärtchen: In der jüngsten Nachtschleife muss sich Bernd durch die deutsche Geschichte quälen.

Brot mit Bärtchen: In der jüngsten Nachtschleife muss sich Bernd durch die deutsche Geschichte quälen.

"Bernd, das Brot"-Nachtschleife
täglich von 21.00 Uhr bis 06.00 Uhr, Kika
ANIMATIONSSATIRE Lange bevor Grumpy Cat die schlechte Laune im WWW salonfähig machte, war da ein Brot. Ein Kastenweißbrot, um genau zu sein, das auf dem Kinderkanal sein Unwesen trieb, Menschen hasste und eigentlich nur eins vom Leben wollte: seine Ruhe. Zum ersten Mal begegnete ich dieser Backware, die aussah wie Spongebobs mürrischer Schwippschwager, im Studium. Heimgekehrt von einer durchzechten Nacht zappte ich mich durch die TV-Kanäle und blieb ausgerechnet beim Kika hängen. Lief da tatsächlich ein Brot durch ein ansonsten völlig weißes Bild, schimpfte wie ein Rohrspatz auf Gott, die Welt, seine Zuschauer und das deutsche Fernsehen im Allgemeinen und flehte die Zuschauer wie weiland Peter Lustig an, endlich abzuschalten?

Den Gefallen tat ich ihm nicht. Ich blieb hängen. Eine Stunde, zwei Stunden. Das Brot wollte einfach nicht gehen, stänkerte und motzte und miesepeterte vor sich hin. Irgendwann muss ich dann doch weggedämmert sein. Am nächsten Morgen hielt ich die Sache zunächst für einen wunderlichen Traum. Doch auch andere Freunde berichteten mir, dass sie das Brot gesehen hätten. Und einer kannte sogar seinen Namen: Bernd.

Später fand ich heraus, dass es sich bei dieser angeblichen Megasendung eigentlich nur um kurze, meist viertelstündige Clips handelte, die der Kika in seiner sendefreien Zeit als Testbildersatz raushaute. Egal. Bernd zu gucken wurde zu meinem After-Party-Einschlafritual. Ich ließ mich gerne in den Schlaf stänkern. Endlich war da mal jemand, dem nicht der Regenbogen aus dem Hintern schien - selbst, wenn es nur ein Brot war. Ein Brot, das gekommen war, um all diesen Florian-Silbereisen-Eckart-von-Hirschhausens den Kampf anzusagen. Dafür wurde es dann auch belohnt - mit dem wohl verdientesten Grimmepreis, der jemals vergeben wurde - dafür, das "Recht auf schlechte Laune" zu vertreten. Nur eins ist Bernd bis heute nicht gelungen: aus dem Fernseher zu fliehen. Und das ist auch gut so.

PS: Die meisten Nachtschleifen mit Bernd sind auch auf Youtube zu finden - die beiden neusten Produktionen zeigen, wie Bernd gegen seinen Willen in ein Soziales Netzwerk gerät und sich durch eine Event-Doku zur deutsche Geschichte schlagen muss.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Das Ende einer Nacht"
20.15 Uhr, ZDF


JUSTIZKRIMI Hat Unternehmer Lamberg (Jörg Hartmann) seine Frau vergewaltigt? Für Richterin Weiss (Barbara Auer) spricht alles dafür. Sie kennt solche Fälle. Sie kennt aber auch Frauen wie Eva Hartmann (Ina Weisse). Die Strafverteidi gerin zerlegt die Beweiskette nach allen Regeln der Kunst, haut Lamberg raus und macht ihrem Kanzleichef damit alle Ehre... Auer und Weisse wurden für ihr Spiel mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Zwischen Diplomatie, Kampfgeist und dem Wissen um Gemeinsamkeit variierend, verleihen sie dem Duell um Gerechtigkeit Größe. Ein komplexer, wendungsreicher Krimi von Matti Geschonneck, der zum Mitdenken auffordert. (bis 21.45)

"Das Wunder von Paderborn"
22.45 Uhr, WDR


REPORTAGE Die Sensation war groß, als der SC Paderborn 07 im Mai den Aufstieg in die Erste Bundesliga schaffte. Bald kommen die Bayern, Borussen und Schalker nach Ostwestfalen. Was erwarten Fans, Stadt und Club von ihrem Verein, der gerade mal einen Etat von 6 Mio. Euro hat?

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo