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Fall Udo Foth: MDR hat sein Haus weiterhin nicht im Griff

Wieder erschüttert ein Skandal den MDR. Und wieder tauchen Fragen auf, wie im Mitteldeutschen Rundfunk die internen Kontrollen funktionieren.

Gerade erst wurde beim MDR der größte Betrugsfall in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens rund um den Kinderkanal Ki.Ka vor Gericht ausgewalzt, schon kommt eine neue Hiobsbotschaft aus Leipzig. Mit der Suspendierung von Unterhaltungschef Udo Foht dürften dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) weiter turbulente Zeiten ins Haus stehen. In seinem 20. Gründungsjahr kommt die Dreiländer-Anstalt nicht aus den Schlagzeilen.

Wie der Sender versichert, ist Fohts mutmaßlicher Amtsmissbrauch durch hausinterne Untersuchungen aufgeflogen. Diese waren eine Folge der Aufarbeitung des Skandals beim Ki.Ka, der unter MDR-Federführung steht. Den entscheidenden Hinweis habe der Chef einer Produktionsfirma gegeben, bei der sich Foht Geld ausgeliehen hatte. Das bestätigte MDR-Sprecher Dirk Thärichen am Freitag auf Anfrage.

TV-Manager Foth hat sich trotz Anfragen zum Fall bisher nicht geäußert. Der 60-Jährige soll dem MDR zufolge Geschäftspapier mit MDR-Briefkopf für private Zwecke missbraucht haben. Foht wurde am vergangenen Mittwoch seiner Position enthoben, der MDR erstattete Strafanzeige. Für kommenden Donnerstag (4. August) ist eine Anhörung geplant. Der MDR prüft weitere Schritte gegen Foht, der seit 1996 Unterhaltungschef ist.

Erst Anfang Juli war der Herstellungsleiter des Kinderkanals vom Erfurter Landgericht zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte demnach 8,2 Millionen Euro abgezweigt und unter anderem im Kasino verspielt. Sein Anwalt hat gegen das Urteil Revision beantragt.

Sollte sich auch der neue Fall bestätigen, wäre Fohts endgültige Absetzung ein herber Verlust für den Sender. Der Mann mit dem Kinnbart, der als Entdecker von Volksmusikstar Florian Silbereisen gilt, hat jahrelang am MDR-Profil als zünftigem Unterhaltungskanal gefeilt. Die Ost-Anstalt für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt hat das nach Marktanteilen erfolgreichste Dritte Programm der ARD.

Silbereisens "Feste der Volksmusik", der "Tatort" mit Simone Thomalla und Martin Wuttke, die Soap "In aller Freundschaft" oder der "Polizeiruf 110" sind eine feste Bank im Ersten Programm. Und nicht zuletzt trägt auch DDR-Programm aus der Konserve zum Sendererfolg bei.

Doch immer wieder gab es auch Kritik am Finanzgebaren des Senders. Dubiose Geschäfte und Missmanagement lauteten etwa 2009 die Vorwürfe, nachdem Wertpapiergeschäfte des MDR bekanntwurden. Zwar wies der Sender damals die Kritik an den Investitionen zurück. Zweifel blieben, ob es richtig ist, Gebührengelder auf dem Finanzmarkt aufs Spiel zu setzen.

Im selben Jahr wurde der frühere MDR-Sportchef Wilfried Mohren wegen Vorteilsnahme, Steuerhinterziehung und Betrug zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte gegen Geld Veranstaltungen und Interviews im MDR-Programm platziert.

Auch bei der Verurteilung des "Königs vom Ki.Ka." musste sich die MDR-Spitze Zweifel des Gerichts an der internen Aufsicht gefallen lassen. "Wer in welchem Ausmaß weggeschaut hat, können wir nicht feststellen", sagte der Vorsitzende Richter in Erfurt. Die Taten seien auch dadurch begünstigt gewesen, dass es keine effektiven Kontrollen gegeben habe. Der Sender kündigte an, den federführend für die ARD gemeinsam mit dem ZDF betriebenen Kinderkanal enger an die Kandare nehmen zu wollen. Wer im Fall Foht womöglich nicht genau hingeguckt hat, ist offen.

Mit dem Ausgang der Briefkopf-Affäre muss sich Intendant Udo Reiter wohl nicht mehr plagen. Der 67-Jährige will bis Jahresende sein Amt aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig abgeben. Im September soll ein Nachfolger gewählt werden.

Entdecker von Florian Silbereisen

Erst Anfang Juli war der Herstellungsleiter des Kinderkanals vom Erfurter Landgericht zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Er hatte demnach 8,2 Millionen Euro abgezweigt und unter anderem im Kasino verspielt. Sein Anwalt hat gegen das Urteil Revision beantragt.

Sollte sich auch der neue Fall bestätigen, wäre Fohts endgültige Absetzung ein herber Verlust für den Sender. Der Mann mit dem Kinnbart, der als Entdecker von Volksmusikstar Florian Silbereisen gilt, hat jahrelang am MDR-Profil als zünftigem Unterhaltungskanal gefeilt. Die Ost-Anstalt für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt hat das nach Marktanteilen erfolgreichste Dritte Programm der ARD.

Silbereisens "Feste der Volksmusik", der "Tatort" mit Simone Thomalla und Martin Wuttke, die Soap "In aller Freundschaft" oder der "Polizeiruf 110" sind eine feste Bank im Ersten Programm. Und nicht zuletzt trägt auch DDR-Programm aus der Konserve zum Sendererfolg bei.

Tradition bei undurchsichtigen Finanzen

Doch immer wieder gab es auch Kritik am Finanzgebaren des Senders. Dubiose Geschäfte und Missmanagement lauteten etwa 2009 die Vorwürfe, nachdem Wertpapiergeschäfte des MDR bekanntwurden. Zwar wies der Sender damals die Kritik an den Investitionen zurück. Zweifel blieben, ob es richtig ist, Gebührengelder auf dem Finanzmarkt aufs Spiel zu setzen. Im selben Jahr wurde der frühere MDR-Sportchef Wilfried Mohren wegen Vorteilsnahme, Steuerhinterziehung und Betrug zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte gegen Geld Veranstaltungen und Interviews im MDR-Programm platziert.

Auch bei der Verurteilung des "Königs vom Ki.Ka." musste sich die MDR-Spitze Zweifel des Gerichts an der internen Aufsicht gefallen lassen. "Wer in welchem Ausmaß weggeschaut hat, können wir nicht feststellen", sagte der Vorsitzende Richter in Erfurt. Die Taten seien auch dadurch begünstigt gewesen, dass es keine effektiven Kontrollen gegeben habe. Der Sender kündigte an, den federführend für die ARD gemeinsam mit dem ZDF betriebenen Kinderkanal enger an die Kandare nehmen zu wollen. Wer im Fall Foht womöglich nicht genau hingeguckt hat, ist offen.

Mit dem Ausgang der Briefkopf-Affäre muss sich Intendant Udo Reiter wohl nicht mehr plagen. Der 67-Jährige will bis Jahresende sein Amt aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig abgeben. Im September soll ein Nachfolger gewählt werden.

Esteban Engel, DPA / DPA