HOME

Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 21.6.: "Fantasia": Wenn Mäuse zaubern und Nilpferde Ballett tanzen

Wahnsinnig langweilig oder geniale Kunst? An Disneys "Fantasia" scheiden sich die Geister. Der Film, der Zeichentrick und klassische Musik zusammenbrachte, ist unser TV-Tipp des Tages.

"Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben...": Eine Maus macht auf Goethe und Dukas sorgt für die musikalische Untermalung.

"Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben...": Eine Maus macht auf Goethe und Dukas sorgt für die musikalische Untermalung.

"Fantasia"
22.45 Uhr, Disney Channel
KONZERTZEICHENTRICK Ich mag Disney-Filme, wirklich. Aber diese Singerei! Schon als Kind habe ich immer vorgespult, wenn Aladdin oder Arielle zum nächsten Song ansetzten. Für mich zählte nur die Handlung. Und die Lieder rissen mich jäh aus meiner Fantasiewelt heraus. Warum musste Aladdin auf seiner Flucht vor den Palastwachen in elegischen Gesang ausbrechen? Anstatt einfach auszubrechen. Das ergibt doch alles keinen Sinn!

Sie können sich also vorstellen, was für eine Enttäuschung mein erstes Mal "Fantasia" für mich war. Ich wollte Action, ein langes Abenteuer mit Micky Maus als Zauberschüler, und ich bekam: Klassische Musik! Die ganze Zeit nur Musik! Und zur Musik noch nicht einmal Text, sondern nur verschwurbelte Farben, Formen und Ballet tanzende Nilpferde. Ja, ich war ein Banause, wie wohl die meisten Achtjährigen welche sind. Von Mussorgski oder Beethoven hatte ich noch nie gehört, Ponchielli erinnerte mich an Tortenwerbung und ein Bach war halt zum Baden da.

Warum ich diesen Film trotzdem empfehle? Na, weil "Fantasie" natürlich ein Meisterwerk ist - ein Genuss für Ohr und Auge. Und ein Unterfangen, so abgedreht, dass das Scheitern an den Kinokassen vorprogrammiert war: Ein Zeichentrick, der sich von den Zwängen jeder Handlung freimacht, und seinen Zeichnern die Möglichkeit bot, ihrer abgedrehten Fantasie einmal völlig freien Lauf zu lassen? Mit seinem Wunsch, die Hör- und Sehgewohnheiten des Publikums zu revolutionieren, hatte Disney sein Unternehmen fast an die Wand gefahren - und etwas Einzigartiges geschaffen.

Also, lassen Sie das Popcorn heut Abend in der Tüte. "Fantasia" schaut man in Abendkleid und Anzug. Oder auf dem Sofa mit einer Selbstgedrehten in der Hand. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Hurricane Festival 2014"
20.15 Uhr, 3Sat

LIVEÜBERTRAGUNG aus Scheeßel. Die Karten waren zu teuer oder einfach keine Lust auf erhöhtes Regenrisiko? Das "Hurricane" lässt sich in diesem Jahr auch von der Couch genießen. Heute Abend mit dabei: Die Pixies, Lily Allen, Lykke Li und Belle & Sebastian.

"Peng, Peng"
5.35 Uhr, Arte

KURZFILM über Unausgesprochenes zwischen Vater und Tochter. Papa schenkt Eda zum 25. eine Wohnung. Eigentlich toll, wäre die nicht vorher zwangsenteignet worden. Eda flieht - mal wieder. Bis ein rosa Hund sie zum Showdown mit dem alten Herren treibt.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo