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TV-Tipp 21.8.: Doku "Die Macht der Zuschauer": Wie 10.500 Zuschauer das TV-Programm für alle bestimmen

Die Einschaltquote entscheidet über Gedeih und Verderb einer TV-Sendung. Aber nur in 5640 Haushalten in Deutschland wird gemessen. Wie fehlerhaft ist das System? Die Doku dazu - unser Tipp des Tages.

Für Quoten in die Röhre schauen: So sieht es auf dem Fernseher aus, wenn man zum Testpublikum für die Einschaltquote gehört.

Für Quoten in die Röhre schauen: So sieht es auf dem Fernseher aus, wenn man zum Testpublikum für die Einschaltquote gehört.

"Die Macht der Zuschauer"
20.15 Uhr, 3Sat
DOKU Haben Sie schon einmal "Free Rainer" gesehen? Diesen herrlich anarchischen Film von Hans Weingartner, in dem Moritz Bleibtreu einen bekehrten Trash-Fernsehmacher spielt, der mit einer Gruppe Arbeitsloser die TV-Quoten manipuliert und Deutschland so zu einem neuen Kultursommer verhilft, in dem alle nur noch kleine, gelbe Reclam-Heftchen lesen? Feines Ding, wirklich.

Und gar nicht so weit weg von der Realität, wie eine 45-minütige Doku zeigt, die heute auf 3Sat wiederholt wird. Denn es stimmt ja: Die Quote ist alles. Die Quote ist Gott. Eine messbare Zahl, mit der man völlig unterschiedliche Sendungen miteinander vergleichen und Werbekunden locken kann. Da kann eine Sendung inhaltlich noch so gut oder gesellschaftlich relevant gewesen sein: Wenn am nächsten Morgen maue Einschaltzahlen ins Haus flattern, wissen die Macher, dass sie ein Problem haben. Ganz egal, ob wir uns im öffentlich-rechtlichen oder im privaten Fernsehen bewegen.

Aber ist die Quote auch fair? 72 Millionen Zuschauer ab drei Jahren leben in Deutschland, doch nur bei 10.500 Menschen steht ein kleines Gerät, das ihr Sehverhalten am heimischen Fernsehergerät permanent überwacht und aufzeichnet. Statistiker rechnen die Zahlen dann für ganz Deutschland hoch. Doch was sagen diese Zahlen überhabt noch aus, seitdem viele Menschen ihre Sendungen zeitversetzt im Netz oder auf mobilen Geräten schauen? Und bilden die von der Gesellschaft für Konsumforschung ausgewählten Haushalte, deren Identität streng geheim gehalten wird, wirklich einen Querschnitt durch die Bevölkerung Deutschlands, durch die Jungen und die Alten, die Armen und die Reichen, die Trash-TV-Fans und die Arte-Dauergucker?

Den großen Skandal deckt diese Doku nicht auf, bietet aber einen nachdenklichen Einblick in die Zukunft, die da kommen mag. Am Ende fragt man sich: Wollen wir wirklich die Totalüberwachung unseres Sehverhaltens, wie sie in den USA längst praktiziert wird? Auch in der Schweiz laufen Testpersonen bereits mit Armbändern herum, die permanent die Umgebungsgeräusche des Trägers aufzeichnen - um die Aufnahme später mit den Tonspuren von Fernsehsendungen abgleichen zu können. Ganz ehrlich - davor gruselt es mir. Vielleicht ist die Methode Rainer ja doch die allerbeste: Moritz Bleibtreu, übernehmen Sie!

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Bonjour Sagan"
20.15 Uhr, Arte


DRAMA Diane Kury inszeniert das Leben der französischen Autorin Françoise Sagan ("Bonjour Tristesse"), die 2004 verarmt starb, als sprunghaftes Protokoll eines Selbstverlusts. Immer ganz bei sich: die grandios spielende Sylvie Testud. Der Film läuft in der zweiteiligen TV-Fassung. (bis 23.25)

"Wir sind alle erwachsen"
23.15 Uhr, WDR


TRAGIKOMÖDIE Schrulliger Franzose (Jean-P. Darroussin) macht mit seiner 17-jährigen Tochter (Anaïs Demoustier) in Schweden Urlaub. Wegen eines Buchungsfehlers muss er das Ferienhaus mit zwei Frauen teilen... Charmante Coming-of-Age-Story mit Skandinavienflair. (bis 0.35)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo