HOME

Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 24.7.: "Star Trek: Voyager": Geschichte schreiben nur die Sieger

Eine Perle unter den sonst so lahmen Geschichten vom Raumschiff Voyager. Der Holo-Doktor wacht 700 Jahre in der Zukunft auf - und zerschmettert das Geschichtsbild eines ganzen Planeten.

Ein Zeitzeuge mit brisantem Wissen: Was der holographische Doktor (Robert Picardo) über die Vergangenheit berichtet, birgt genug Sprengstoff in sich, um das Weltbild eines ganzen Planeten zu zerstören.

Ein Zeitzeuge mit brisantem Wissen: Was der holographische Doktor (Robert Picardo) über die Vergangenheit berichtet, birgt genug Sprengstoff in sich, um das Weltbild eines ganzen Planeten zu zerstören.

"Star Trek Voyager: Der Zeitzeuge"
18.10 Uhr, Tele 5
SCI-FI-SERIE Normalerweise würde ich Ihnen "Star Trek: Voyager" nicht einmal empfehlen, wenn mir ein Klingone sein rasiermesserscharfes Bat'leth in die Kehle drücken würde. Die vierte "Star Trek" Serie ist eine Enttäuschung durch und durch. Eine spannende Prämisse - regelbuchfanatische Sternenflottenoffiziere und Rebellen aus den eigenen Reihen verschlägt es in einen unbekannten Teil der Galaxis - wurde nach wenigen Folgen bis zur Unendlichkeit weich gespült. Aber blinde Hühner gibt es auch im Delta-Quadranten - und bei 172 Folgen musste, schon rein statistisch gesehen, wohl doch noch die eine oder andere Perle zu finden sein. "Der Zeitzeuge" ist meine persönlich liebste - und auch deswegen einen Tipp wert, weil Sie die Episode ganz ohne Vorwissen genießen können.

"Der Zeitzeuge" spielt nämlich 700 Jahre in der Zukunft - in einem Museum. Es geht um Geschichtsfälschung, die Suche nach der Wahrheit und um die alte Weisheit, nach der es stets die Sieger sind, die die Vergangenheit zu ihren Gunsten (um)deuten und schreiben. Eine neue Erkenntnis ist das freilich nicht - wird aber in diesen 45 Minuten so prägnant (und dank eines formidablen Robert Picardo auch äußerst kurzweilig) aufbereitet, dass ich die Episode zum Pflichtstoff in jedem Schulgeschichtskurs machen würde.

Denn auch wenn Guido Knopp gerne versucht, es so darzustellen: Die "fertige" Geschichte gibt es nicht. Troja war eine Legende - bis Heinrich Schliemann Ruinen der sagenumwobenen Stadt aus Homers Epen ausgrub. Und als herauskam, dass jener Polizist, der am 1. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, ein Stasi-Agent gewesen war, mussten die Historiker ein Kapitel der deutschen Geschichte ergänzen, das längst als erforscht galt.

"Der Zeitzeuge" erinnert uns daran, dass wir unsere Vergangenheit immer neu hinterfragen müssen - und möglichst kritisch darauf schauen, wer an ihrer Konstruktion beteiligt war. Falls Sie danach allerdings mehr Appetit auf "Voyager" bekommen sollten - schauen Sie lieber die viel bessere "Next Generation"-Serie mit Jean-Luc Picard, dem einzig wahren Captain der Enterprise.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Basic Instinct"
23.55 Uhr, Arte
EROTIKTHRILLER in der Arte-Reihe "Faces of the 90s". Nun gut, in der Rolle der mysteriösen Catherine Tramell zeigt Sharon Stone hier weit mehr als ihr Gesicht - und wenn das, dann nicht das wahre. Außerdem im Thriller ohne Slip: Michael Douglas auf der Suche nach Triebabfuhr. (bis 2.00)

"Gefährliche Geheimnisse"
20.15 Uhr, 3Sat

DOKU Hinter verschlossenen Türen planen USA und EU ein transatlantisches Freihandelsabkommen. Der große Wurf für Lobbyisten ist ein Angriff auf Bürgerund Verbraucherrechte. Die Doku erkundet, was sich hinter dem TTIP verbirgt, danach diskutiert Gert Scobel mit Gästen über das Thema. (bis 21.00)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo