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TV-Tipp 28.8: "Unsere Mütter, unsere Väter": Erziehung zum Bösen

Fünf junge Deutsche durchleiden den Weltkrieg, wie man es erwartet. Nur einer fasziniert: Tom Schilling verwandelt sich vom Null-Bock-Typen zu einem Kämpfer mit gleichgültiger Grausamkeit.

"Unsere Mütter, unsere Väter"
20.15 Uhr, Arte
Der Dreiteiler "Unsere Mütter und unsere Väter" sieht tatsächlich dabei zu, wie unsere Großmütter und Großväter in den Krieg ziehen. Für fünf Freunde wird aus mäßiger Kriegsbegeisterung ein ewiger Schrecken. Gut erzählt und von überzeugenden Schauspielern getragen, versammelt der Dreiteiler alle "Genreszenen der Ostfront", die man auch schon in den heute vergessenen Produktionen der 50er und 60er Jahr zeigte. Es werden Zivilsten erhängt, Juden erschossen, es gibt romantische Szenen in Krankenschwesterntracht und der Gestapo-Schurke ist ein - Überraschung - geiler Bock, der nach dem Krieg bei den siegreichen Alliierten unterkommt. Das ganze jetzt in Farbe und HD.

Fasziniert hat mich Tom Schilling als Friedhelm Winter. Zunächst der unwilligste Soldat, den man sich denken kann, erlebt er seine eigene Erziehung des Herzens. Am Anfang in spätpubertärer Ablehnung gegen seinen Helden-Bruder Wilhelm befangen, verliert er jeden Halt in der Welt und in sich. Schilling wird zu einem Kämpfer ohne Moral und ohne Hemmungen. Gleichgültig gegen die Propaganda der Nazis, gegen die Ziele des Krieges aber auch gegen das Leid der Opfer. Eine Reise ins Nichts, die so endet, wie sie enden muss. Die herausragende Leistung von Schilling erinnert an seine Rolle als Kindersoldat in dem Film "Joy Division".

Sonst ist die Serie gut ansehbar, aber wenig überraschend. Die Dialoge sind nicht steif, die Uniformen nicht allzu gebügelt, die Orte wirken realistisch und die Action ist nicht - wie sonst im deutschen TV-Schaffen - zum Fremdschämen. Die Figuren sind unserem 21. Jahrhundert recht nah. Bewegungen, Gesten und Sprache sind von heute und haben mit dem Duktus der NS-Zeit wenig zu tun.

Abschließend die Polit-Frage: Ist der Film politisch unkorrekt, weil er die Deutschen zum Opfervolk macht? Im Dreiteiler überfallen die Deutschen die Russen, jagen die Juden, misshandeln Zivilisten und tun sich auch untereinander schlimme Dinge an. Das Deutsche Reich ist das Reich des Bösen, daran lässt die TV-Produktion kein Zweifel. Aber sie folgt fünf jungen Deutschen durch den Krieg, mit ihnen - "den" Deutschen - identifiziert sich der Zuschauer. Aber kann man diese Identifikation bei einer Serie fürs große Publikum vermeiden? Eher nicht. Grund zum Ärger haben die Polen. Die Deutschen verfolgen die Juden zwar, aber so richtige Judenfeinde gibt es bei gar nicht. Nur polnische Partisanen hassen die Juden aus vollem Herzen. Da fragt man sich schon, warum das sein musste.

PS: Die ersten beiden Teile strahlt Arte heute hintereinander aus, Teil drei folgt morgen um 20.15 Uhr.

Ein TV-Tipp von Gernot Kramper, Redakteur bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Face/Off – Im Körper des Feindes"
22.10 Uhr, Vox
ACTIONTHRILLER Während Terrorist Castor Troy (Nicolas Cage) im Koma liegt, lässt sich FBI-Mann Archer (John Travolta) dessen Gesicht "aufnähen". In der Maske des Feindes versucht er, eine Bombe zu finden. - Hollywood-Ballerei mit Asia-Flair. Schön gemacht von John Woo. (bis 0.55)

"Men in Black 3"
20.15 Uhr, Pro Sieben

SCI-FI Seit 1990 sorgen die Hightech-Bürokraten der geheimen Regierungsbehörde MiB für Recht und Ordnung auf der Erde. Zumindest in der Comicreihe "Men in Black". 1997 kam die erste Verfilmung ins Kino, 2002 Teil 2. Auf Teil 3 mussten die Fans satte 10 Jahre warten. Für Alienvernichter Agent J (Will Smith) beginnt die dritte Mission mit einem waghalsigen Zeitsprung. Während dem Zuschauer noch der Schweiß auf der Stirn steht, ist er in den Sechzigern unterwegs, um seinen Partner K (jung: Josh Brolin, alt: Tommy Lee Jones) und die Welt zu retten... Die Gags sind so lala, die Tricks frisch, der Sound eins a. Und nebenbei erfahren wir endlich die ganze Wahrheit über Andy Warhol… (bis 22.15)

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