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Interview

ARD-Zweiteiler "Brecht": Tom Schilling über Bertolt Brecht, seine Message und die gegenwärtige Hysterie

Für Heinrich Breloers Doku-Drama schlüpfte Tom Schilling in die Rolle des Dichters und Frauenhelden Bertolt Brecht. Im Interview erklärt Tom Schilling, warum uns der Künstler heute so fremd geworden ist - und erzählt, wie ein Hund das Brecht'sche Theater entlarvte.

Tom Schilling

Tom Schilling, 1982 in Ost-Berlin geboren, gehört zu den besten deutschen Schauspielern. Er gewann den Deutschen Filmpreis und zweimal den Bayerischen Filmpreis. 2006 war er Stipendiat der Lee-Strasberg-Schauspielschule in New York. Tom Schilling ist Vater dreier Kinder und hat kürzlich seine Lebensgefährtin, die Regieassistentin Annie Mosebach geheiratet.

DPA

Herr Schilling, Sie spielen in Heinrich Breloers TV-Zweiteiler den jungen Bertolt Brecht. Welches Verhältnis haben Sie zu dieser Person?
Eigentlich ein Nicht-Verhältnis. Ich kannte viele seiner Stücke, weil ich sie am Berliner Ensemble gespielt habe. In der Schauspielschule in New York habe ich mich ebenfalls mit Brecht befasst.

Sie haben dort am berühmten Lee-Strasberg-Institut studiert, das auch Julia Roberts oder Angelina Jolie besuchten. Da war Brecht ein Thema?
Auf jeden Fall. Lee Strasberg hat damals Brechts Berliner Ensemble besucht und hat dort an den Proben teilgenommen. Eine sehr interessante Geschichte. Lee Strasberg hat das Method Acting entwickelt, was ja das Gegenteil von dem ist, was Brecht gemacht hat.

Was hat Brecht damit zu tun?
Am Berliner Ensemble gab es einen Schauspieler, der seinen Hund mitgebracht hat. Der ging gegen Ende der Proben immer schon zur Tür. Lee Strasberg hat sich gefragt: Woher weiß der Hund, dass die Probe vorbei ist? Und da hat er gemerkt, dass die Schauspieler jenseits der Bühne einen ganz anderen Ton draufhatten. Die sprechen auf der Bühne nicht wie normale Menschen. Die haben einen Bühnensprech, dieses Proklamieren. Lee Strasberg wollte genau das Gegenteil machen.

Brecht ist uns heute sehr fern geworden. Woran liegt das?
Das hat vielleicht damit zu tun, dass Brecht immer ein Freund war von den einfachen Antworten. Die Welt wird aber immer komplexer und komplizierter. Du kannst nicht mehr so einfach sagen, was die Wahrheit ist. Da ist Brecht vielleicht nicht mehr ganz modern.

TV-Zweiteiler "Brecht": Dichter, Revolutionär, Frauenheld – das Leben des Bertolt Brecht
Brecht

Thomas Mann und Albrecht Speer hat er bereits den Deutschen näher gebracht. Nun hat sich Filmemacher Heinrich Breloer das Leben des Dichters Bertolt Brecht vorgeknöpft und zu einem zweiteiligen Doku-Drama verarbeitet. Der Regisseur interessiert sich nicht nur für die Ästhetik und die politischen Wirrrungen - große Aufmerksamkeit widmet Breloer dem Liebesleben des 1898 in Augsburg geborenen Künstlers, der von Tom Schilling (jung) und Burghart Klaußner (alt) verkörpert wird. Der junge Brecht ist ganz anders als der politisch strenge Staatsdichter, den spätere Generationen von Schülern kennenlernen werden. In seiner Augsburger Zeit ist er ein romantischer Schwärmer, schreibt Liebeslieder für die Gitarre und wirbt leidenschaftlich um die Schülerin Paula Banholzer (Mala Emde).

Brecht ging es in seinen Werken darum, das gesellschaftliche Bewusstsein bei den Zuschauern zu beeinflussen. Diese Haltung ist völlig aus der Mode gekommen. Ist die Kunst heute unpolitischer?
Man hat sich auf den Kapitalismus als einzig funktionierendes Gesellschaftssystem geeinigt. Vielleicht liegt es daran, dass heute vieles unpolitischer wirkt. Ich glaube schon, dass die Menschen nach wie vor sehr politisch sind. Ich empfinde die Debatten der Gegenwart sogar als regelrecht hysterisch.

Sie kamen vorhin zu spät zum Pressetermin, weil Sie zuvor einem Obdachlosen geholfen haben. Dass man theoretisch helfen müsste, sagen viele – die wenigsten gehen den Schritt weiter und schreiten wirklich zur Tat. Hat Ihre Beschäftigung mit Bertolt Brecht einen Anteil daran, dass Sie tatsächlich eingeschritten sind?
Das würde zu weit führen. Ich wurde heute schon gefragt: Was ist Brechts Message? Ich habe dann vereinfacht gesagt: Er wollte bekehren. Deswegen finden wir ihn heute verstaubt, weil er dieses Didaktische hat, dieses Erzieherische. Wer will schon gerne erzogen werden? Es ist nicht mehr so einfach, dass dir eine Person die Welt erklären kann. Die Dinge sind so kompliziert, dass es ganz schwer ist, eine Haltung zu finden. Wenn man tatsächlich runterbrechen müsste, was er sagt - was letztlich die Message von vielen Künstlern ist-, dann ist es das: be nice. Sei nett. Was konnte ich mehr tun, als diesem Mann, der auf dem Boden lag und gezittert hat, meinen Mantel unter den Kopf zu legen, damit er wenigstens weich liegt?

Brecht war ein sehr zupackender Mensch, der sein Umfeld schamlos ausgenutzt hat. Sie selbst haben sich einmal als Melancholiker bezeichnet. Wie haben Sie sich in diesen Menschen hineingearbeitet, der so ganz anders ist als Sie?
Das frage ich mich im Nachhinein auch. Wir sind schon sehr unterschiedlich. Ich habe etwas Spirituelles und Esoterisches, eine sehr weiche Seite. Ich versuche immer in allem eine Schicksalhaftigkeit zu sehen und alles verspielt und gefühlig zu betrachten. Brecht ist da genau das Gegenteil. Ich glaube aber, dass es diese andere Seite in ihm gab, er hat aber immer gegen sie gekämpft und wollte sie verschleiern.

Brechts Lyrik ist beispielsweise sehr gefühlvoll.
Genau, in seinen Gedichten und in seinen Songs merkt man, dass unter diesem Panzer, den er getragen hat, ein großer Romantiker steckte.

Sie spielen die Hauptrolle in dem Oscar-nominierten "Werk ohne Autor". Der Film wurde in Deutschland zum Teil heftig kritisiert. Und der Maler Gerhard Richter wirft dem Regisseur Donnersmarck vor, seine Biografie missbraucht und grob entstellt zu haben. Trifft Sie solche Kritik als Schauspieler persönlich?
Es trifft mich insofern, als dass ich einen tieferen Einblick in die Materie habe. Die Sache ist nicht so einfach. Der "Spiegel" schreibt: "Gerhard Richter rechnet mit Florian Henckel von Donnersmarck ab." Es gibt aber auch eine Vorgeschichte. Denn Gerhard Richter hat mit Donnersmarck gesprochen, hat ihm alles über sein Leben erzählt, dabei sind Tonbänder mitgelaufen. Wie kann Richter anschließend überrascht sein, dass Donnersmarck über ihn einen Film macht? Hängen bleibt: Donnersmarck ist dieser Adelige, der keinen Respekt hat vor großen Künstlern.

Sie selbst wollten früher Maler werden. Liegt Ihnen der Film deshalb besonders am Herzen?
Ich bin sehr dankbar, bei dem Film dabei gewesen zu sein. Das ist eine große Bereicherung für mein Leben gewesen.

Arte zeigt den TV-Zweiteiler "Brecht" am Freitag, 22. März, ab 20.15 Uhr in einem Rutsch. In der ARD wird das Dokudrama am Mittwoch, 27. März, ab 20.15 Uhr ausgestrahlt.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(