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TV-Tipp 3.9.: "Good Night, and Good Luck": Mit George Clooney gegen den fiesen Kommunistenfresser

Wie sich der Fernsehjournalist Edward R. Murrow in den 50ern mit dem Kommunistenfresser Joe McCarthy anlegt und diesen schließlich stürzt - davon erzählt George Clooney in seiner zweiten Regiearbeit.

In seiner zweiten Regiearbeit "Good Night, and Good Luck" spielt George Clooney den Fernseh-Produzenten Fred W. Friendly

In seiner zweiten Regiearbeit "Good Night, and Good Luck" spielt George Clooney den Fernseh-Produzenten Fred W. Friendly

"Good Night, and Good Luck"
0.00 Uhr, HR

POLITDRAMA Wie gerne würde ich diesen TV-Tipp mit dem Bekenntnis einleiten, dass es genau dieser Film gewesen sei, durch den ich zum Journalisten geworden bin. Nur: Das wäre schamlos gelogen, denn zu diesem Zeitpunkt übte ich meinen Beruf schon seit vielen Jahren aus. Und doch hat mich George Clooneys zweite Regiearbeit "Good Night, and Good Luck" stark beeindruckt. Denn der Film hat mich an die edelste Aufgabe des Journalismus erinnert: Den Mächtigen auf die Finger zu schauen und stets der Wahrheit zu dienen.

Im Mittelpunkt steht Edward R. Murrow (David Strathairn), der als Anchorman des CBS-Magazins "See it now" zu Beginn der 50er Jahre neue Maßstäbe im Fernsehjournalismus setzt. Unterstützt von seinem engagierten Redaktionsteam (u.a. Robert Downey jr. und Patricia Clarkson) und dem Produzenten Fred Friendly (George Clooney) legt sich Murrow 1954 mit dem mächtigen Senator Joseph McCarthy an, der das Land mit seiner Kommunistenhatz in Angst und Schrecken versetzt. Mit seiner journalistischen Arbeit entlarvt er McCarthy schließlich als paranoiden Lügner und gefährlichen Anti-Demokraten - und trägt damit zu dessen Sturz bei.

McCarthy kommt in geschickt montierten dokumentarischen Ausschnitten selbst zu Wort. Um einen ästhetischen Bruch zu vermeiden, hat Clooney den kompletten Film in Schwarzweiß gedreht. Die Handlung gewinnt dadurch an Authentizität - und verleiht dem Werk eine kühle Eleganz, die der Cool-Jazz-Soundtrack noch unterstreicht.

George Clooney, der auch das Drehbuch mitverfasste, wurde zu dem Film durch eigene Erlebnisse animiert: Er nahm 2003 an Friedensdemonstrationen in Berlin und London teil - und brachte damit das konservative Establishment gegen sich auf. In den USA wurde er öffentlich als "Verräter" beschimpft. Parallelen zwischen dem Amerika zu Zeiten McCarthys und der Gegenwart unter George W. Bush waren also durchaus beabsichtigt.

"Good Night, and Good Luck" hat mir noch einmal gezeigt, wie wichtig kritischer Journalismus und engagierte Aufklärung für eine lebendige Demokratie sind. Als Kulturjournalist sind da meine Möglichkeiten zwar begrenzt - immerhin nutze ich sie an dieser Stelle und lege Ihnen diesen Film wärmstens ans Herz.

Ein TV-Tipp von Carsten Heidböhmer, Kulturredakteur beim stern