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TV-Tipp 5.7.: "Eine Nacht in Rom": Von so einem One-Night-Stand träumt jede(r)

"Before Sunrise" in nackig. Klingt despektierlich, aber so lässt sich Julio Medems Kammerspiel "Eine Nacht in Rom" am besten auf den Punkt bringen. Unser TV-Tipp für die Samstagnacht.

"Eine Nacht in Rom"
23.15 Uhr, ZDFneo
EROTISCHES KAMMERSPIEL In "Before Sunrise" hatten Ethan Hawke und Julie Delpy nur eine gemeinsame Nacht in Wien - und was taten Sie? Sie spazierten und redeten und spazierten und küssten sich einmal und redeten und spazierten und redeten. Und gerade als es spannend wurde, schwenkte die Kamera dezent zur Seite, blendete am nächsten Morgen wieder auf. Der Film ist toll, ganz großartig sogar, aber irgendwie schien bei den Machern die Befürchtung im Raum zu stehen, dass Sex (oder die Darstellung davon) das Seelenverwandtschaftsmärchen abwerten würde.

Julio Medem hat keine Angst vor der Nacktheit seiner Darsteller - und mit "Eine Nacht in Rom" ein Kammerspiel der besonderen Art geschaffen. Die Handlung ist schnell erzählt: Alba (Elena Anaya) und Natasha (Natasha Yarovenko) haben sich in einem Nachtclub kennengelernt, ihre letzte Nacht in Rom ist angebrochen. Die werden sie auf Albas Hotelzimmer verbringen. Doch wo in Linklaters Film nur die Geister ineinander verschlungen waren, sind es bei Medem auch die Körper.

Praktisch die gesamte Filmzeit über verbringen die beiden Schauspielerinnen nackt. Tasten sich in ihrer Intimität langsam voran. Haben Sex. Philosophieren über die Kunstwerke, die sie in ihrem Zimmer umgeben. Spinnen gemeinsame Fantasien. Diskutieren über Leben, Arbeit, Freundschaften, Familie. Und haben Sex. Doch nie kommt der Gedanke auf, dass Medem hier seinem eigenen Voyeurismus erlegen ist - das Kennenlernen zweier Menschen steht im Vordergrund. Und schon bald nimmt man als Zuschauer gar nicht mehr wahr, dass die beiden nackt sind. Bis die Lust wieder die Oberhand gewinnt. Wahre Intimität, weiß dieser Film, umfasst eben Geist UND Körper.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern




Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Satte Farben vor Schwarz"
23.10 Uhr, WDR


DRAMA Nein, Fred hat keine Geliebte. Er leidet an Prostatakrebs. Und weil er einen Ort zum Alleinsein braucht, hat er sich heimlich eine Wohnung in der Stadt angeschafft. Anita versteht die Welt nicht mehr. Seit 50 Jahren ist sie mit Fred verheiratet, und zum ersten Mal fühlt sie sich ausgeschlossen. Tief gekränkt beschließt sie, allein in eine Seniorenresidenz zu ziehen. – Ruhig und konzentriert erzählt Sophie Heldman in ihrem ersten Spielfilm von einer Liebe, die sich im Angesicht von Krankheit und Tod neu erfindet, von Menschen, die sich gegen das Verblassen der Farben entscheiden. Bruno Ganz und Senta Berger in ihrem ersten gemeinsamen Film. (bis 0.35)

"Nicht auflegen!"
22.10 Uhr, Sat.1


THRILLER Stu (Colin Farrell) steht in einer Telefonzelle und im Visier eines Scharfschützen. Legt er auf, ist er tot. Zur Bekräftigung seiner Drohung zielt der Schütze schon mal auf einen beliebigen Passanten. -81 Minuten Spannung in Echtzeit - und an nur einem Schauplatz. (bis 23.45)

"Café Müller"
21.45 Uhr, 3Sat

TANZTHEATER Im Rahmen seiner Hommage an die Ballettikone Pina Bausch (1940–2009) fing Wim Wenders einige ihrer Choreografien in 3D ein. Um 22.25 Uhr folgt "Vollmond". Das Wuppertaler Ensemble tanzt zwischen den Stühlen und im Regen einer Vollmondnacht. Beides hat seinen Reiz. (bis 0.25)