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TV-Tipp 4.10.: "Star Trek": Neue Ohren für Mister Spock

An diesem Film sind schon Freundschaften zerbrochen - zumindest unter Trekkies. Ist der Reboot des "Star Trek"- Franchises nun ein Verrat an der Sache oder ein gelungener Neustart für Kirk und Crew?

Diese Freundschaft muss noch wachsen: Kirk (Chris Pine) geht Spock (Zachary Quinto) tierisch auf die Ohren.

Diese Freundschaft muss noch wachsen: Kirk (Chris Pine) geht Spock (Zachary Quinto) tierisch auf die Ohren.

"Star Trek"
20.15 Uhr, Sat.1
SCIFI-ACTION Ich bin mit Captain Picard aufgewachsen. Da saß dieser alte Mann mit Glatze auf dem Kommandosessel der Enterprise, ein Forscher durch und durch, der Shakespeare im Schlaf zitieren konnte und Probleme lieber diplomatisch statt mit Fäusten regelte. Fand ich super. Es bestand also noch Hoffnung, dass das Faustrecht auf dem Schulhof irgendwann einmal abgelöst werden würde. Dass auch sportmuffelige, comiclesende Nerds wie ich es bis ganz nach oben schaffen konnten ohne die Ellenbogen auszufahren. Ein Kumpel und ich schauten uns jede Folge gemeinsam an, diskutierten über klingonische Politik, Synchronsprecherwechsel und die Wissenschaft hinter den Dingen. Ja, wir waren Trekkies - wenn auch mein Vater mir einfach keine dieser sündhaft teuren Uniformen kaufen wollte. (Im Nachhinein - danke dafür, Paps!)

Die Ur-Enterprise, die 1701 von Kirk, Spock und McCoy, habe ich erst Jahre später besucht - aber so richtig anfreunden konnte ich mich mit dem flapsigen Tonfall der deutschen Synchro nicht. Wahrscheinlich war ich deshalb gar nicht so erbost, als ich hörte, dass "Mister Lost" JJ Abrams einen Reboot des "Star Trek"-Franchises im Kino versuchen würde. Natürlich hätte ich mich über einen weiteren Film mit Picard und Co. gefreut. Aber so richtig hatte der Sprung auf die große Leinwand für die Crew der Enterprise-D nie funktioniert. Wo früher diskutiert wurde, wurde plötzlich rumgeballert, rumgeprügelt und rumgebrüllt. Außerdem hatten die Macher mit einer hochkomplexen Mythologie zu kämpfen, die sich in 40 Jahren Trek angesammelt hatte. Um all die Seitenverknüpfungen und Anspielungen, persönlichen Beziehungen, politischen Bündnisse, Scharmützel und Allianzen zu verstehen, brauchte es schon ein Nachschlagewerk biblischen Ausmaßes.

Abrams schnitt diesen Rattenschwanz einfach durch und startete neu. Mit den drei Namen, die wirklich jeder Hans und Franz kannte, selbst wenn er oder sie noch nie eine Folge Trek gesehen hatte: Kirk, Spock und McCoy. Mit frischen, jungen Schauspielern in den alten Rollen. Die Fans tobten. Es kann nur einen Kirk geben, riefen sie (und sein Name sei Shatner) - und selbst ich konnte mir kaum vorstellen, wie jemand anders außer Leonard Nimoy diesen zwischen zwei Welten hin- und hergerissenen Halbvulkanier verkörpern konnte.

Es klappte. Ja, in Abrams Trek wird noch immer rumgeballert, rumgeprügelt und rumgebrüllt - aber diesmal sieht es wenigstens gut aus. Und es macht Spaß. Chris Pine spielt Kirk zwar am Rande der Karikatur, bringt aber diese unbändige Energie mit, die dem Trek-Universum schon so lange abhanden gekommen war. Als Leckerli für die alten Fans webte Abrams sogar eine Paralleluniversums-Geschichte ein, die den Film in die bisherige Mythologie einordnete.

Aber ich verstehe, wer sich trotzdem nicht an die neuen Gesichter gewöhnen will. So gut der Reboot um Kirk und Spock auch gelungen ist - einen neuen Captain Picard kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Außer vielleicht, Sean Connery nähme im Kommandosessel Platz - oder Hugh Laurie.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der seltsame Fall des Benjamin Button"
20.15 Uhr, ProSieben
EPOS New Orleans, 1918: Entsetzt über die Greisengestalt seines Sohns, legt Fabrikant Button das Baby vor einem Altenheim ab. Inmitten Sterbender wächst Benjamin (Brad Pitt) heran, wird jünger, gesünder und kräftiger. Für seine große Liebe (Cate Blanchett) bleibt wenig Zeit: Wenn sie alt ist, wird er Kind sein... So wie hier hat man Brad Pitt selten gesehen. Wem David Finchers Film allzu verquast daherkommt, dem sei Ben Stillers "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" empfohlen. Der Titelheld altert nicht und erfreut sein Publikum u. a. mit einer wunderbaren Button-Persiflage. (bis 23.35)

"Pathfinder"
23.55 Uhr, MDR

ABENTEUER Lappland vor tausend Jahren: Aigin (Mikkel Gaup), ein 16-jähriger Same, muss die Ermordung seiner Familie mit ansehen. Schwer verletzt schleppt er sich ins nächste Dorf. Die Tschuden folgen seiner Spur… Nils Gaup erzählt die Geschichte seiner Vorfahren. Brutal gut. (bis 1.15)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo