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TV-Tipp des Tages für den 7.4.: Godard disst Hollywood

Wer Jean-Luc Godard kennenlernen will, sollte hier anfangen: "Die Verachtung" zählt zu den zugänglicheren Streifen des großen Filmkünstlers - ein Stinkefinger ins Gesicht des kommerziellen Hollywoods.

Kunst und Kommerz fahren gemeinsam in einem Wagen. Kann das gut gehen? Jack Palance als Filmproduzent Jeremy Prokosch und Brigitte Bardot als Camille Javal

Kunst und Kommerz fahren gemeinsam in einem Wagen. Kann das gut gehen? Jack Palance als Filmproduzent Jeremy Prokosch und Brigitte Bardot als Camille Javal

"Die Verachtung" 20.15 Uhr, Arte
HOLLYWOOD-PERSIFLAGE Der Vorspann klingt noch in den Ohren, da liegt Brigitte Bardot schon splitterfasernackt in den Kissen. Godards erste Szene in "Die Verachtung" ist Zugeständnis und Stinkefinger zugleich. Geradezu entsetzt hatten seine Geldgeber aus Amerika reagiert, als sie 1963 die Rohfassung ihres neuen Investments begutachteten. Da stand dem französischen Regisseur schon die heißeste Sexbombe unter der Sonne zur Verfügung - und was machte der? Ließ die Bardot als Verkörperung der reinen Kunst über die Leinwand laufen und versteckte ihre blonden Haare unter einer dunklen Perücke. Nachdrehs mussten her, um das sperrige Werk gefälliger zu machen. Und Godard lieferte - auf seine Art: eine Bettszene, ja, aber kuschelweich im Ton, untermalt von belanglosem Säuseldialog ("Findest du meinen Popo schön? Und mein Busen?").

Manchmal imitiert das wahre Leben eben jene Kunst, die das wahre Leben zuvor persifliert hat: Denn bei Bardots Betthupferl im Film handelt es sich um den erfolglosen Schriftsteller Paul Javal (gespielt von Michel Piccoli), der als Feuerwehrkraft auf ein Filmset des deutschen Regisseurs Fritz Lang gerufen wird. Lang, der sich selbst spielt, war mit der Neuverfilmung von Homers Odyssee beauftragt worden und hatte ein künstlerisch zwar anspruchsvolles, aber völlig masseninkompatibles Werk abgeliefert. Nun muss sich Javal entscheiden: Peppt er das Drehbuch für den amerikanischen Filmproduzenten Jeremy Prokosch ("Wenn ich das Wort Kultur höre, zücke ich mein Scheckbuch!") um ein paar nackte Nixen auf und kann sich fortan ein schickes Apartment leisten? Oder bleibt er arm und seinem Traum, irgendwann anspruchsvolle Theaterstücke zu schreiben, treu?

Kunst vs. Kommerz. Es ist die Gretchenfrage, mit der jeder Schreiberling eines Tages konfrontiert wird. Wie weit reichen wir dem Kommerz die Hand, um unsere Taschen zu füllen? Wie sehr lassen wir uns verbiegen, um nicht hungernd in der Gosse zu enden. Und kann ein satter Bauch überhaupt noch große Kunst vollbringen? Godards Meinung ist eindeutig: Ein "sowohl-als-auch", sagt uns "Die Verachtung", ist nicht möglich. Lieber Jean-Luc, auch wenn ich deinen Film sehr schätze - ich habe noch immer Hoffnung.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo