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TV-Tipps 16.5: "MDR Kurzfilmnacht": Überraschung nach Mitternacht

Wo andere Stunden brauchen, um ihre Geschichte zu erzählen, reichen diesen Filmemachern wenige Minuten. Die "MDR-Kurzfilmnacht" ist unser TV-Tipp des Tages.

Sechs Filme in 70 Minuten: Die "MDR-Kurzfilmnacht" jährt sich bereits zum 23. Mal. Hier eine Szene aus "Vanitas – Tanz durch die Zeit"

Sechs Filme in 70 Minuten: Die "MDR-Kurzfilmnacht" jährt sich bereits zum 23. Mal. Hier eine Szene aus "Vanitas – Tanz durch die Zeit"

MDR Kurzfilmnacht
ab 0.00 Uhr, MDR
KURZFILME Echte Überraschungen finden sich im TV-Programm nur noch selten. Das liegt auch an uns Zuschauern selbst: Bevor wir es für würdig erachten, einen Abend mit einer Serie oder einem Film zu verbringen, informieren wir uns vorher gerne ausgiebig, ob die Zeit auch gut investiert ist. Was dazu führt, dass wir meistens schon ziemlich gut über das Bescheid wissen, was uns auf dem Bildschirm erwartet.

Für heute Nacht möchte ich Sie daher zu einem kleinen Experiment einladen, nennen wir es "Blindflug TV". Ab Mitternacht zeigt der MDR nämlich sechs Kurzfilme hintereinander, von denen Sie garantiert noch nichts gehört haben. Alle Beiträge sind zwischen zehn und 20 Minuten kurz und stammen von Filmemachern aus dem Sendegebiet.

Mehr als ihre Titel ("Kann ja noch kommen", Falscher Hase", "Vorstellungsgespräch", "Vanitas - Tanz durch die Zeit", "HIOB" und "Copy und Paste") werde ich an dieser Stelle nicht verraten. Weil ich selbst nicht mehr über diese Filme weiß. Im Gegenzug müssen Sie mir versprechen, Ihrem inneren Schweinehund nicht nachzugeben und die Finger von Google zu lassen. Und vielleicht schaffen wir es sogar, unter dem Hashtag #blindflugtv parallel zur Ausstrahlung unsere Eindrücke austauschen.

PS: Noch ein Wort zum Sendeplatz, der natürlich eine Zumutung ist. Lieber MDR, ja, es heißt Kurzfilmnacht, aber wenn man sich schon die Unterstützung junger Kurzfilmer auf die Fahnen schreibt, dann macht es doch bitte ordentlich und zeigt eure jungen Talente zur Primetime. Zu einer solchen (Un-)zeit sind schlechte Quoten doch programmiert.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Altenpflege im Akkord"
21.15 Uhr, NDR
REPORTAGE 6 Minuten pro Besuch zwecks Medikamentengabe, 8 bei Toilettengang. Gespräche? Keine Zeit. Ambulante Pfleger schaffen ihr Pensum nur, wenn sie im Eiltempo zwischen Patienten, Apotheken und Ärzten pendeln. Bittere Fakten zum Pflegenotstand. (bis 21.45)

"Chronicle - Wozu bist du fähig?"
22.05 Uhr, Pro Sieben

FANTASY "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung", hieß es in "Spider-Man". "Chronicle" kreist ums gleiche Problem: Drei Jungs entwickeln durch den Kontakt mit einem außerirdischen Kristall die Fähigkeit, per Gedankenkraft Gegenstände zu bewegen. Erst machen sie nur Unfug, dann lernen sie, ihre Kraft zu kontrollieren. Matt und Steve halten den Ball flach, nur Andrew (Dane DeHaan), dem Schulaußenseiter mit häuslichen Problemen, gelingt das nicht so ganz… Im Pseudodokustil à la "Cloverfield",mit einem guten Skript und nah an den Figuren modernisiert Debütant Joshua Trank (demnächst "Fantastic Four") trotz Minibudget das Genre. Teil 2 ist schon in Planung. (bis 23.45)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo