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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipps des Tages für den 25.3.: Dänische Politik-Delikatessen

Selten wurde Politk so realitätsnah inszeniert: Die dänische Serie "Borgen" ist das bessere "House of Cards" - weil sie sich nicht auf eine reine Alphatierschau beschränkt. Unser TV-Tipp des Tages.

Politik-Shootingstar nach Ehrlichkeitsoffensive: die dänische Politikerin Birgitte Nyborg Christensen (Sidse Babett Knudsen) inmitten von Journalisten und ihrer Tochter Laura (Freja Riemann, li.), ihrem Mann Phillip (Mikael Birkjær, li.) und ihrem Sohn Magnus (Emil Poulsen, vorne Mi.).

Politik-Shootingstar nach Ehrlichkeitsoffensive: die dänische Politikerin Birgitte Nyborg Christensen (Sidse Babett Knudsen) inmitten von Journalisten und ihrer Tochter Laura (Freja Riemann, li.), ihrem Mann Phillip (Mikael Birkjær, li.) und ihrem Sohn Magnus (Emil Poulsen, vorne Mi.).

"Borgen - Gefährliche Seilschaften"
20.15 Uhr, Eins Festival
POLITIKSERIE Erinnern Sie sich noch an "Kanzleramt"? Diese deutsche Serie, in der Klaus J. Behrendt 2005 den deutschen Bundeskanzler mimte. Die irgendwie an "The West Wing" erinnern wollte, aber dann irgendwie zu gewollt deutsch geriet? Dieses Bild spukte noch in meinem Kopf, als mir mein Ex-Mitbewohner, mittlerweile selbst dem politischen Betrieb nicht mehr fern, die dänische Serie "Borgen" empfahl. So realitätsnah hätte es bislang noch keine Serie geschafft, den politischen Alltag im Fernsehen darzustellen. Er musste es wissen, also schaltete ich ein.

In der ersten Folge "Wahlkampf", die EinsFestival zur Primetime wiederholt, begegnen wir Birgitte Nyborg Christensen (Sidse Babett Knudsen), Spitzenkandidatin der fiktiven Moderaten Partei für die anstehenden Parlamentswahlen. Eigentlich sieht es so aus, als müsste die idealistische Oppositionspolitikerin und Mutter von zwei Kindern die Segel streichen - bis ihrem Chefberater brisantes Material über den amtierenden Premierminister in die Hände fällt.

In "House of Cards" wären jetzt schon die ersten Profikiller unterwegs, doch "Borgen" geht einen anderen Weg. Wo das britische Original und das US-Remake mit Kevin Spacey einen moralisch verkommenen Politiksumpf heraufbeschwören, in dem machtgeile Alphatiere für ihre Interessen kühl über Leichen gehen, ist in "Borgens" Politikuniversum die Hoffnung noch nicht verloren. Zwar werden auch hier zweifelhafte Allianzen geschlossen, es wird intrigiert und gemauschelt, aber immer geerdet durch die glaubhaft dargestellten familiären und freundschaftlichen Bindungen der Hauptcharaktere.

"House of Cards" lässt sich uns geekelt abwenden von den Ränkespielen in der Politik. Wer noch nicht politikverdrossen ist, wird es hier. "Borgen" hingegen belässt seinen Protagonisten ihre Menschlichkeit: Zur großen TV-Debatte merkt Birgitte Nyborg, dass ihr schwarzer Hosenanzug nicht mehr passt und ärgert sich wahnsinnig darüber. So würden wir Frank Underwood niemals sehen. Dabei sind Politiker im echten Leben auch nur - Menschen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Süßes Gift – Hilfe als Geschäft"
21.30 Uhr, Arte
DOKUMENTARFILM Tansania, Kenia, Mali: Warum geht es den Afrikanern nach fünfzig Jahren und einer Billion US-Dollar Hilfsgeldern nicht besser? Peter Heller, seit dreißig Jahren in Afrika unterwegs, zieht eine ernüchternde Bilanz: Für die meisten Staaten des Kontinents wurde die Hilfe zur Schuldenfalle. Während sie im Norden der Welt Arbeitsplätze sichert, verfallen die Nehmerländer in Lethargie. Heller zeigt typische Projekte über drei Jahrzehnte von der Planung bis zur Bewährung oder dem Zusammenbruch. Er hinterfragt aber auch Ansätze der Afrikaner, die als hoffnungsvoll gelten. Sein preisgekrönter Film läuft als Erstausstrahlung im Themenabend Entwicklungshilfe. (bis 23.05)

"Mobbing"
20.15 Uhr, Bayern

DRAMA Kompetenzen entziehen, degradieren, anschwärzen, abmahnen, feuern: Familienvater Jo (Tobias Moretti) fällt bei der neuen Chefin durch. - Man sieht die Dame nie; die Auswirkungen ihres Tuns aber erlebt man drastisch mit. Preisgekrönte Chronik eines Selbstverlustes. (bis 21.45)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo