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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipps des Tages für den 29.3.: In Frankfurt heulen die Wölfe leise

Der erste deutsche Film zur Finanzkrise kommt ganz ohne lauten Protest aus. "Unter dir die Stadt" seziert die Lebenswelt der Banker - bis es dann doch kracht. Unser TV-Tipp des Tages.

Von oben herab: Eine halb gerauchte Zigarette besiegelt Roland Cordes' Untergang - oder ist es der erste Schritt zu seiner Erlösung?

Von oben herab: Eine halb gerauchte Zigarette besiegelt Roland Cordes' Untergang - oder ist es der erste Schritt zu seiner Erlösung?

"Unter dir die Stadt"
21.45 Uhr, einsfestival
Wenn sich mein Vater über die großen und kleinen Ungerechtigkeiten unserer Gesellschaft aufregte, waren eigentlich immer "die da oben" schuld. Die Arme des "kleinen Mannes" schienen ihm immer zu kurz, reichten nicht aus, um "die" am Schlawittchen zu packen und mit einem mächtigen Tritt in den Allerwertesten von oben nach unten zu befördern. Was blieb, war ein anklagender Finger, ausgetreckt gen Himmel, ein stummer Protest ohne Hoffnung auf echte Veränderung.

Ich hielt das immer für unglaublich pessimistisch. Welten lassen sich verändern, verbessern, wenn man es nur will. So dachte ich, bis ich zum ersten Mal in meinem Leben Frankfurt am Main besuchte. Plötzlich war da diese gigantische Skyline, die vor mir aufragte. Mein Blick kletterte die gläsernen Glasfronten empor, höher, immer höher - und plötzlich verstand ich, wie sich mein Vater fühlte.

"Unter dir die Stadt" kehrt diesen Blick um. Regisseur Christoph Hochhäusler nimmt uns Zuschauer im Aufzug mit nach ganz oben, in die Chefetagen - und lässt erst einmal all unsere schlimmsten Klischees wahr werden. Da sitzen die alten anzugtragenden Alphamänner am Tisch, ganz gesittet bei Wasser und Zitrone, und diskutieren die Strategie einer weiteren Übernahmeschlacht.

Doch darum wird es in diesem schlauen, stillen Stück Kino nur am Rande gehen: Auftritt Svenja (Nicolette Krebitz), die mit ihrem Mann, einem Investmentbanker, von Hamburg nach Mainhattan gezogen ist, und eine seltsame Mischung aus Anziehung und Ekel zum Big Boss ihres Mannes, Roland Cordes (Robert Hunger-Bühler), empfindet. Das klingt ein wenig nach "Lost in Translation" - allerdings ohne den Humor, der dem Film mit Bill Murray seine träumerische Leichtfüßigkeit verliehen hat.

"Unter dir die Stadt" meint es ernst. Hochhäusler seziert im ersten deutschen Langfilm über die Finanzkrise diesen seltsam abgehobenen Mikrokosmos der Bankenstadt und zeigt, wie machtlos "die da oben" am Ende des Tages dann doch sind. Gleichzeitig entwirft der 38-Jährige ein aufmerksames Porträt von Frankfurt und ihrer vertikalen, sozialen Zergliederung. Das Stadtmarketing war ganz sicher nicht amused.

Wenn Sie am Samstagabend noch feiern gehen wollen, sollten Sie "Unter dir die Stadt" allerdings besser aufzeichnen und zu einem späteren, nachdenklicheren Zeitpunkt schauen. Daran ändert auch nicht, dass der Film endet, wie sonst ein Zombiefilm beginnt.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"München Mord: Wir sind die Neuen"
20.15 Uhr, ZDF
KRIMI Die Kriminalisierung des ZDF schreitet voran. Nach der Pensionierung von Stubbe und Roth senken drei Bayern den Altersdurchschnitt und heben die Samstagslaune: Marcus Mittermeier, Bernadette Heerwagen und Alexander Held gehen ihren ersten Fall erfrischend unverkrampft an. Die Suche nach einem IT-Fachmann lebt vom schwelenden Mordverdacht ebenso wie von der Selbstfindung eines unter unguten Voraussetzungen zusammengewürfelten Teams. Originelle Typen, feine Dialoge, tragische Untertöne. Nur ihr Büro müssen die drei jetzt noch aufhübschen. (bis 21.45)

"Tod eines Handlungsreisenden"
20.15 Uhr, 3Sat

DRAMA Vertreter Loman (Dustin Hoffman) wird entlassen. Für den amerikanischen Traum, an dem er so hängt, hat Sohn Biff (John Malkovich) nur Spott übrig... Regisseur Volker Schlöndorff wird übermorgen 75. Im Anschluss läuft sein jüngster Film "Das Meer am Morgen". (bis 22.25)

"Die Caine war ihr Schicksal"
23.45 Uhr, WDR

DRAMA Pazifik, 1943: Philip Queeg, Kapitän des US-Minensuchboots "Caine", ist ein Wrack. Als sein absurdes Regiment alle in Gefahr bringt, meutert die Besatzung. Es kommt zum Prozess... Im Zenit seiner Karriere machte Humphrey Bogart den paranoiden Queeg zu einer Filmlegende. (bis 1.45)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo