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ZDF-Film "Die Hebamme": Rothaarige hol(t)en keine Kinder

Das ZDF strahlt am Montag den TV-Film "Die Hebamme - Auf Leben und Tod" aus. Die Verantwortlichen hoffen auf Traumquoten auf "Wanderhuren"-Niveau.

Die echte Hebamme am Drehort schmunzelt: "Ich wollte Dir nicht die Freude an Deiner Rolle verderben, Kind, aber jetzt kann ich es dir sagen: Eine wie Du hätte früher nie Hebamme werden können." Warum denn nicht? Schauspielerin Brigitte Hobmeier versteht das nicht. Hat sie schlecht gespielt? "Nein. Weil du rote Haare hast. Und eine Rothaarige wäre früher nie Hebamme geworden."

Das war nicht das einzige, über das die Schauspielerin und alle übrigen am Set des Films "Die Hebamme - Auf Leben und Tod" staunten. Am 9. Mai können sich die Zuschauer anschließen: Dann läuft der Film, von Dagmar Hirtz nach einem Buch von Peter Probst inszeniert, als ZDF-Montagsfilm.

In Österreich war er bei seiner Erstsendung bereits ein Erfolg und kam mit seiner Zuschauerzahl fast an den Quotenhit "Die Wanderhure" heran. Die auf originalen Unterlagen beruhende Geschichte erzählt von Rosa, einer Hebamme in einem kleinen Tiroler Dorf im Jahr 1813. Die jüngere Schwester erwartet ein Kind. Der Vater leugnet die Erzeugerschaft. Die Dorfgemeinschaft ächtet die "Sünderin". Rosa zieht mit der Schwester davon.

In der Stadt gibt sich der Arzt Gennaro Kauner (Misel Maticevic) hilfsbereit und nimmt die Schwangere in einem Wöchnerinnenheim auf, wo es human und sauber zugeht. Aber selbstlos ist der Doktor nicht: Er will neue Geburtsmethoden bei den Frauen ausprobieren. Rosa setzt sich auch dagegen zur Wehr. Am Ende landet sie noch im Gefängnis. Ihr Weg verliert sich - ergibt aber vielleicht noch mal Stoff für einen zweiten Teil.

"Seien wir alle froh, dass wir nicht in dieser schlimmen alten Zeit leben müssen", sagt Produzentin Annie Brunner. 2,9 Millionen Euro hat Roxy Film in das opulente Werk gesteckt, 27 Drehtage waren nötig. Der Versuchung, die Hauptrolle mit einem quotensicheren Star zu besetzen, widerstanden die Macher und holten von den Münchner Kammerspielen Brigitte Hobmeier, die bisher mehr als Theaterschauspielerin hervorgetreten ist. Nach Drehschluss musste sie oft noch auf der Bühne stehen, "stressig" sei das gewesen, sagt die Schauspielerin.

Noch stressiger waren die Kostüme aus massivem Leinenstoff und die bleischwer an den Füßen hängenden Lederschuhe. Die Rosa wollte sie nicht als ewig Leidende spielen. Denn: "Das ist ja eine Kämpferin, man kann sagen, eine Vorläuferin der Frauenrechtsbewegung." Und schaudernd hatte Hobmeier nachgelesen, was Hebammen in jener Zeit widerfuhr, wenn sie verbotene Kräuter oder verbotene Instrumente benutzten: "Die wurden kurzerhand verbrannt." Dennoch fasziniert sie der Hebammenberuf: "Er steht am Anfang jeden Lebens."

Paul Barz, DPA / DPA
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