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TV-Kritik "Das Spiel beginnt" mit Emma Schweiger: Die Sehnsucht nach "Wetten dass..?"

Nach dem Aus von "Wetten dass... ?" fehlte dem ZDF eine Samstagabendshow. Mit "Das Spiel beginnt", ist eine neue Sendung geboren, der man sofort das Aus wünscht.

Von Andrea Zschocher

Emma Schweigers Debüt als Moderatorin. Die Autorin wünscht der Sendung ein sofortiges Aus.

Emma Schweigers Debüt als Moderatorin. Die Autorin wünscht der Sendung ein sofortiges Aus.

Die großen Samstagabendshows haben im Grunde immer das gleiche Konzept: Stars, Spiele, ein bisschen Musik, ein bisschen Geplaudere. "Das Spiel beginnt" versprach Ähnliches. Eine große Show für alle von 3 bis 99 Jahren sollte es sein. Geworden ist es tatsächlich genau das, eine Unterhaltungssendung für Kleinkinder oder sehr alte Menschen.

Johannes B. Kerner führte durch dieses Spieleexperiment, bei dem Stars wie Veronica Ferres oder Bülent Ceylan gegen Neun- bis Zwölfjährige in zehn Gesellschaftsspielen gegeneinander antraten. Zur Seite stand dem ZDF-Moderator eine vollkommen überforderte Emma Schweiger, die sich mit ihrem Auftritt für sehr lange Zeit als Co-Moderatorin disqualifiziert hat. Das ZDF kündigte die Zwölfjährige als echten Fernsehprofi an, dem Mädchen fiel es ob der Aufregung allerdings schwer, fehlerfrei drei Sätze zu bilden oder spontan auf ein Gesprächsangebot zu reagieren. Und doch, es ist zu einfach über das Mädchen zu richten. Fraglich ist, warum Emma Schweiger überhaupt für die Co-Moderation ausgewählt wurde. Sie zeigte keinerlei Empathie mit den Kindern, die gegen die Stars antraten. Sie stand lieber mit verschränkten Armen in der Ecke herum und mutierte zum Fangirl, als sie auf Veronica Ferres, Bülent Ceylan und Nena traf. Dahin die Coolness, die sie ihren Altersgenossen gegenüber an den Tag legte.

Drei Stunden Langeweile

Die Kinder, Lilly, Roman, Klara und Johann, waren zwischen neun und zwölf Jahren alt und damit im besten Spielealter. Leider konnten sie nicht durchweg überzeugen. Einzig der neunjährige Johann freute sich herrlich über jeden Sieg der Kleinen und war dadurch sympathisch. Da der Gesetzgeber streng bei Abendauftritten von Minderjährige im deutschen Fernsehen ist, wurde „Das Spiel beginnt“ vermutlich nachmittags aufgezeichnet. Eine Livesendung war es nicht. Die vier Kids waren mit Elan bei der Sache, kämpften verbissen bei Spielen wie "Memory", "Halli Galli" oder "Looping Louie" um Punkte. Zu gewinnen gab es "Wünsche". Am Ende gewannen die Kinder, echte Wünsche durften sie übrigens nicht äußern. Stattdessen hat die Redaktion von Kerner einfach Geschenke für die Kinder vorbereitet, die denen sicher, vielleicht, eventuell, eine Freude machen könnten.

Die beiden Mädchen bekamen, Klischee, Klischee, Reiterferien in Frankreich und Spanien geschenkt, die Jungs Ferien in Italien mit einem Treffen von Fußballprofi Lukas Podolski und eine Reise nach Hamburg mit einer Gastrolle im Kinderfilm "Die Pfefferkörner". Für diese Wünsche mussten sie zehn Spiele bestreiten, die insgesamt knapp drei Stunden dauerten. Sehr viel Zeit für Bülent Ceylan sein Haar zu schütteln, es zu öffnen und zu schließen und Teile seines Bühnenprogramms aufzuführen. Er versprach den Kindern, als diese drohten zu verlieren, Tickets für seine Show. Was man halt so Wünsche nennt. Ceylan hat auf diese Art die Show noch am besten genutzt. Veronica Ferres kam, spielte drei Spiele, suchte Ausreden fürs Verlieren und saß auf dem Sofa. Kostja Ullmann war beim Memory sogar als Einziger zu faul, wie geboten auf dem Spielfeld herumzuhüpfen. Er tippte lieber entnervt darauf herum. Der als Bergdoktor dem älteren Publikum bekannte Hans Sigl stellte Johannes B. Kerner die Frage des Abends: "Wie wäre es mal mit Vergnügen?". Er meinte eine Kategorie beim Gesellschaftsspiel Trivial Pursuit, aber es war doch symptomatisch für den gesamten Abend.

Erwachsenenparty mit Kinderbeteiligung

Der Moderator wurde nicht müde zu betonen, dass diese Samstagabendshow "eine Erwachsenenparty mit Kinderbeteiligung und richtig viel Spaß" sei. Das hatte man so auch oft über "Wetten dass...?" gehört. Es gab durchaus Momente, in denen die Sendung mit Markus Lanz die verlockende Alternative gewesen wäre. Ähnlich unsympathisch wie einst Lanz moderierte, wirkte die einstudierte Anmoderation von Emma Schweiger, die sich währenddessen mehrfach versprach. Kerner versuchte durch die Sendung hindurch immer wieder das Mädchen in "Das Spiel beginnt" zu integrieren. Das Einzige was ihr gelang, war den aktuellen Punktestand von hochgehaltenen Tafeln abzulesen.

Kurz bevor der Zuschauer drohte vorm TV-Gerät einzuschlafen, gab es dann doch noch kurz einen Spannungsmoment. Beim Spiel "Bumm Bumm Ballon" stießen die Kinder unter Zuhilfenahme vom Zusatzjoker in Form von Sängerin Nena eine Nadel tief in den Ballon. "Die Luft ist raus", rief Nena und beschrieb damit die Sendung mehr als treffend. "Das ist ein Spezialfall, das hatten wir noch nie", monierte Kerner und das war es dann auch schon mit der Dramatik. Nena trat auf um ihre neuen CD zu promoten und war mit ihrem Kurzauftritt in der Show eine wirkliche Bereicherung. Sie schlug sich wacker, erfüllte den Autogrammwunsch von Emma Schweiger stante pedes und verließ nach einem Spiel in bester "Wetten dass…?" Manier die Show.

Die Sendung war lahm, langweilig und lieblos. Eventuell könnte sie im Kinderprogramm vom KiKa funktionieren. Die Gewinner des Abends ist hoffentlich die Spieleindustrie. Bei TV-Sendungen wie dieser werden Brettspiele wieder attraktiv, denn statt sich beim Zuschauen zu langweilen gilt: Fernseher aus und selber spielen.

Für alle anderen bleibt die Hoffnung, dass "Das Spiel beginnt" direkt nach dem Beginn wieder abgesetzt und nie wieder gezeigt wird.