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"Women of Wall Street": Der Playboy und die Busenmakler

Der amerikanische "Playboy" präsentiert in seiner aktuellen Ausgabe nackte Damen aus der Finanzbranche. "Women of Wall Street" nennt das Magazin die Fotostrecke - dabei kommen gar nicht alle Models aus New York.

Von Matthias Ruch, New York

"Ich mag Stilettos und kurze Röcke", sagt Tara DeGregorio. "Ich habe ja versucht, mich an die Regeln zu halten, aber ich bin immer bis an die Grenze gegangen. Besonders im Sommer." Man muss nicht lange nachdenken, um herauszufinden, dass solche Sätze nur in Männer-Magazinen stehen. Der amerikanische "Playboy" präsentiert die Blondine spärlich bekleidet in seiner Mai-Ausgabe. "Women of Wall Street" nennt die Zeitschrift die Fotostrecke mit insgesamt sieben Damen aus dem Finanzbusiness.

"Die Zeiten sind hart, aber auch die Wirtschaftskrise hat ihre guten Seiten", heißt es fast schon philosophisch. Die Logik dahinter: Wer nicht mehr seinen ganzen Tag damit verbringen muss, Milliarden zu jonglieren, hat mehr Zeit für die wirklich schönen Seiten des Lebens. Wenn die Aktienkurse einbrechen und schwarze Zahlen plötzlich blutrot werden, wird es Zeit, die Branche zu wechseln. "Being in the red isn't always a bad thing", macht der "Playboy" allen Opfern der Finanzkrise Hoffnung - und präsentiert DeGregorio in roter Unterwäsche.

Im Oktober hatte die Zeitschrift ihren Aufruf gestartet: "Ich bin optimistisch, dass sich genügend willige Kandidatinnen finden", hatte Gary Cole, Foto-Chef des US-"Playboy", damals verkündet. Doch so reibungslos wie Cole hoffte, klappte es dann nicht: Eigentlich sollten die Damen der Wall Street bereits als "Stimulus-Paket der anderen Art" im trüben Februar erscheinen. Nun kommen sie mit dreimonatiger Verspätung. Und das mit der Arbeit an der Wall Street hat das Magazin nun auch nicht so wörtlich genommen.

Auf Seite 40 etwa posiert Alicia Taylor. Ganz im Sinne der Fotostrecke liegt neben ihr eine Ausgabe der Zeitung "Investor's Business Daily". Als Inhaberin von Mortgage Solutions, einem Hypothekenfinanzierer, hat sie zwar irgendetwas mit Finanzen zu tun. Mit der Wall Street aber eher wenig. Sie lebt weit weg von New York: in Las Vegas. Dort ist sie nach dem Shooting bereits durch einige Lokalmedien gezerrt worden und berichtet, wie sie sich mit einem Foto beworben hat, nach Los Angeles geflogen wurde und mit "Playboy"-Gründer Hugh Hefner zu Abend aß. Er sei ein "großartiger, großartiger Typ", sagt die 37-Jährige.

Enttäuschung im Netz

Im Internet macht sich derweil Enttäuschung breit: "Ich hatte ein paar führende Managerinnen von Goldman Sachs erwartet", beschwert sich ein Leser. "Der Playboy hat uns ganz schön reingelegt." Jedes der Fotos - die längst eingescannt sind, per E-Mail verschickt und auf Investmentbanker-Blogs wie Dealbreaker.com veröffentlicht wurden - wird kommentiert. "Höchstens die letzte könnte beruflich irgendetwas mit der Wall Street zu tun haben", schreibt einer.

Tatsächlich. Maria Pearson, die letzte der sieben Ladys, hat harte Brokerjahre hinter sich. "Vor einem Jahr hatte ich noch vier Computer und drei Telefone, und die liefen heiß", sagt sie heute. Daher hätte sie bisher natürlich auch keine Zeit gehabt, sich für die Männerwelt da draußen in Szene zu setzen.

Einige der Damen versuchen, ihre neue Öffentlichkeit jetzt zu vermarkten: Georgia Anderson, die als Broker von "Global Futures" in Kalifornien präsentiert wird, macht auf ihrer Website Werbung für ein Finanzbuch, das sie angeblich veröffentlichen will. Und Alicia Taylor aus Las Vegas sagt: "Ich hoffe, dass die Aktion meinem Geschäft gut tut." Wenigstens kann sie als Unternehmerin nicht gefeuert werden. Dieses Schicksal traf 1989 fast alle Damen, die sich damals in der ersten "Women of Wall Street "-Fotostrecke präsentierten.

FTD