BECKER-PROZESS »Ich hatte Tennis im Kopf und ab und zu noch ein Mädchen.«


So beschreibt Boris Becker seine frühere Haltung zu Steuersachen in seinem Strafprozess wegen Steuerhinterziehung. Gleichzeitig räumte er Fehler ein.

»Ich habe vor zehn Jahren einen Fehler gemacht. Ich stehe zu meinem Fehler, und ich weiß, dass ich dafür büßen muss«, sagte der dreifache Wimbledon-Sieger am Mittwoch zum Prozessauftakt vor dem Münchner Landgericht. Er habe über zehn Jahre in München ein Zimmer zur Verfügung gehabt, das er gelegentlich genutzt habe. Dies sei aber nicht sein offizieller Wohnsitz gewesen. In der Kammer habe es weder Küchenzeile noch Kühlschrank gegeben. »Die Quartiere bei den Olympischen Spielen sind komfortabler«, fügte Becker hinzu. Er sei sich aber bewusst, dass das Finanzamt das Zimmer möglicherweise als Wohnsitz ansehen werde. Becker ist angeklagt, dem deutschen Fiskus eine Millionensumme an Steuern vorenthalten zu haben.

Der Prozess stößt auf großes Interesse von Medien aus aller Welt. Rund 100 Journalisten verfolgen die Verhandlung. Schon am frühen Morgen drängelten sich Dutzende Journalisten vor dem Gerichtssaal. Auf Weisung der Vorsitzenden Richterin Huberta Knöringer findet der Prozess daher im größten Saal des Gerichts statt.

Staatsanwalt Matthias Musiol sagte, Becker habe von 1991 bis 1992 rund 3,04 Millionen Mark (knapp 1,6 Millionen Euro) zu wenig Einkommenssteuer gezahlt. Der Tennisstar habe sich von 1991 bis 1993 überwiegend ihn München aufgehalten, auch wenn er seinen offiziellen Wohnsitz mit Monaco angegeben habe.

Richterin Knöringer sagte, es habe vor dem Verfahren Gespräche mit den Becker-Anwälten gegeben. Eine Einigung habe es aber nicht gegeben, weil die Vorstellungen über das mögliche Strafmaß zu weit auseinander gelegen hätten. Bis zuletzt hatten sich vor dem Prozess Spekulationen über eine Einigung der Justiz mit den Becker-Anwälten und die Bezahlung der Steuerschuld gehalten.

Becker könnte mit einem schnellen Geständnis versuchen, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen - für eine solche Lösung spricht auch der Umstand, dass das Gericht nur drei Verhandlungstage angesetzt hat. Die weniger verlockende Alternative wäre ein langwieriger Prozess, bei dem alle Einzelheiten in der Boulevard-Presse breit getreten werden. Bei einem Schuldspruch droht dem 34-Jährigen eine Freiheitsstrafe.

Nicht der erste Rückschlag

Für Becker ist der Prozess nicht der erste Rückschlag seit dem Ende seiner Profikarriere im Jahre 1999. Im Sommer 2001 meldete Beckers Onlineportal Sportgate nach einem Streit mit der Bertelsmann-Tochter Pixelpark Insolvenz an. Auch seine Sportler-Agentur BBM hat ihre Geschäfte eingestellt. »Sportlich einst Weltklasse, geschäftlich nur Kreisklasse«, kommentierte das die »Financial Times Deutschland«.

Zuletzt machte Becker Schlagzeilen mit seiner millionenschweren Villa auf Mallorca, die trotz jahrelanger Bauarbeiten noch immer nicht fertig ist und möglicherweise abgerissen wird. Die vermeintliche Traumvilla dürfte er nach der Scheidung von seiner Frau Barbara im Januar 2001 kaum mehr benötigen. Nach wochenlangem öffentlichen Streit zog seine Ex-Frau damals mit den Söhnen Noah Gabriel und Elias Balthasar nach Miami. Beim anschließenden Scheidungsverfahren einigte sich Becker mit seiner Ex-Frau nach Medienberichten auf Unterhaltszahlungen in Millionenhöhe.


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