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Benicio del Toro: "Lustig, ein Sex-Symbol zu sein"

Er ist einer der erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods: Benicio del Toro spielt in seinem neuen Film einen Drogensüchtigen an der Seite von Halle Berry. Im stern.de-Interview verrät er, wie er mit Berry Liebesszenen drehte, warum er gerne Außenseiter spielt und auf Monster steht.

In "Things we lost in the Fire" spielen Sie einen Drogensüchtigen und bieten dem Publikum die Gelegenheit, wirklichkeitsnah seinen schmerzvollen Entzug mitzuerleben. Haben Sie jemanden beobachten können, um sich auf diese Rolle vorzubereiten?

Nein. Man hat mir erklärt, dass Entzugserscheinungen wie eine der schlimmsten Erkältungen sei, die man sich vorstellen kann und drei bis fünf Tage dauerte. Man würde zu einem Punkt kommen, wo man sich ständig übergeben müsse, aber nichts mehr im Magen habe, um sich zu übergeben. Dieses Gefühl kenne ich. Jedoch nur aus eigenen Krankheitserfahrungen. Daraus habe ich meine eigene Version von Entzug entwickelt. Es war mir und der Regisseurin Susanna Bier wichtig, einen Junkie so realistisch wie möglich zu zeigen, auf keinen Fall zu glorifizieren. Abhängigkeit ist ein großes, ernsthaftes Problem, egal ob Drogen, Alkohol oder Spielsucht. Ich habe einige Freunde mit diesen Problemen und sie sind liebenswerte, sensible und kluge Menschen. Auch das wollte ich in der Rolle verkörpern.

Eine der interessantesten Szenen zeigt eine mitgenommene, schlaflose Halle Berry, die Sie in ihr Schlafzimmer holt. Sie müssen ihr beim Einschlafen helfen, indem sie ihr Ohr knuddeln. Was machen Sie, wenn Sie nicht einschlafen können, was hilft Ihnen persönlich?

Einer der Gründe, warum ich diese Szene liebe, ist, dass ich jetzt erzählen kann, ich hätte mit Halle Berry geschlafen. Allerdings stand das im Drehbuch und ich habe mich an die Anweisungen gehalten. Was mich betrifft, esse ich gerne Schokolade vor dem Einschlafen. Deswegen mag ich Hotels, die Schokolade aufs Nachtkissen legen.

Sie sind der Traum von vielen Frauen auf der ganzen Welt. Wie gehen Sie damit um, wenn Frauen ihretwegen verrückt spielen, wenn Sie in Zeitschriften als Sexsymbol gefeiert werden?

Ich finde es lustig. Es gibt keinen Grund, mich deswegen zu beschweren. Ich muss mich dafür bei meinen Eltern bedanken. Ich habe ja nichts getan, daran nicht gearbeitet.

In Cannes wurden Sie gerade mit dem Preis als "Bester Darsteller" für Ihre Rolle als Che Guevara ausgezeichnet. Sie haben zehn Jahre daran gearbeitet, unter anderem auch als Produzent, diesen Film auf die Beine zu stellen. Was für eine Bedeutung hat Che für Sie?

Che ist für mich ein Idealist, der an etwas glaubte und das auch durchgezogen hat. Er ist ein Produkt der 60er Jahre und repräsentiert für mich Idealismus. Für mich als Lateinamerikaner ist der Film ein Stück Geschichte. Wir haben uns an die Wahrheit gehalten. Das war uns sehr wichtig. Es war ein sehr anstrengendes, aufwendiges Projekt und harte Arbeit.

Wie haben Sie sich auf diese Rolle vorbereitet?

Ich habe alles gelesen was Che geschrieben hat, alle Bücher die über ihn geschrieben wurden. Ich habe seine Frau getroffen und Überlebende in Bolivien.

Für Ihre Rollen wurden Sie bisher mit dem Oscar, Golden Globe und dem Berliner Bären geehrt. Meist spielen Sie Außenseiter, Ausgestoßene der Gesellschaft. Entscheiden Sie sich bewusst für solche Rollen?

Vielleicht bin ich auch ein Außenseiter oder sehe ich mich als solcher. Diese Rollen machen mir einfach Spaß.

Können Sie sich an den ersten Film erinnern, den Sie gesehen haben?

Ich habe das Kino durch Dracula-Filme entdeckt. "Bela Lugosi", "Boris Karloff", "Frankenstein", "The Wolf Man" - ich mochte schon immer Monster-Filme. "King Kong" und all diese Monster haben etwas gemeinsam: Sie werden alle missverstanden. Deswegen ist mein nächster Film ein Monster-Film - aus reiner Nostalgie und weil ich noch nie einen Horrorstreifen gedreht habe. Außerdem weil Jack Nicholson auch Horror gemacht hat. Jack ist eine Inspiration für viele von uns. Ich liebe seine Arbeit. Ich mag auch, dass er Independent Filme dreht und jungen Filmemachern hilft.

Sie sind vor kurzem 40 geworden und immer noch Junggeselle. Sind Sie zufrieden mit sich, mit dem, was Sie bisher erreicht haben. Wo sehen Sie sich die nächsten 40 Jahre?

Ich habe das große Glück, dass ich meinen Beruf liebe. Ich würde gerne das Filmgeschäft noch mehr erforschen, vielleicht auch mal Regie führen. Nach Che Guevara, mit dem ich viele Jahre beschäftigt war, werde ich jetzt "The Wolfman" drehen.

Und privat?

Ich würde gerne eine Familie gründen, aber das geht nicht alleine. Ich möchte auch ein bisschen mehr reisen, mir die Welt anschauen. Ich drehe zwar Filme, aber dabei lerne ich nur Hotelzimmer kennen.

Interview: Frances Schönberger
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