HOME

Boris Becker: Vom Abservierten zum Absahner

Boris Becker schüttet sein Herz aus: In einem Interview hat sich der Ex-Tennisstar erneut zu seiner Beziehung mit Sandy Meyer-Wölden geäußert und scheint sich in seiner Opferrolle immer besser zu gefallen. Dabei ist er längst zum Sieger der gescheiterten Beziehung geworden.

Von Jens Maier

Beim Tennis war alles viel einfacher. Auch wenn sich Boris Becker oft über fünf Sätze quälen musste, das Match ihm seine ganze Kraft abverlangte, am Ende war immer klar, ob er als Sieger oder Verlierer vom Platz geht. Nach dem Aus der Beziehung zu Sandy Meyer-Wölden ist das nicht der Fall. In der Öffentlichkeit schlüpft er derzeit gerne in die Opferrolle - die des Verlassenen, dem übel mitgespielt wurde. Das macht er so gut, dass aus einem Verlierer der heimliche Gewinner einer gescheiterten Beziehung geworden ist.

"Die letzten drei Wochen waren die Hölle", hatte Becker vergangene Woche in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung verkündet und überraschte nach drei Wochen des Schweigens mit teilweise pikanten Details: Meyer-Wölden habe mit ihm Schluss gemacht und nicht umgekehrt, sie habe ihm per SMS den Laufpass gegeben und habe auf seiner Seele herumgetrampelt, teilte er mit. Alle Informationen ließen nur den einen Schluss zu: armer Boris, böse Sandy.

In dieser Woche legte er nach. Nachdem Sandy mit der "traurigen Geschichte" hausieren gegangen sei, habe er sich gezwungen gesehen, "selbst an die Öffentlichkeit zu gehen", sagte Boris im Interview mit der Illustrierten "Bunte". Meyer-Wölden hatte nach der Trennung in Interviews angedeutet, er habe sich von ihr getrennt. "Das habe wehgetan", sagte Becker jetzt und suhlt sich im Selbstmitleid. Wie gerne er das tut, zeigt vor allem folgender Satz: "Ich wäre froh, wenn mir jemand mal die Liebe erklären könnte. Soll ich in Zukunft nach meinem Herzen oder meinem Kopf gehen?"

Der Unterleib als treibende Kraft

Dass überhaupt eines der beiden Dinge seine Beziehungs-Entscheidungen beeinflussen, daran durfte bisher gezweifelt werden: Ob Besenkammeraffäre mit Angela Ermakova oder Kurzzeitliaison mit Sabrina Setlur - da waren weniger das Herz, schon gar nicht der Kopf, sondern eher sein Unterleib die treibende Kraft. Als er am 11. August die Verlobung mit der 16 Jahre jüngeren Sandy Meyer-Wölden bekannt gegeben hatte, wurde er selbst von seiner Mutter gewarnt. Doch dieses Mal war Becker wirklich verliebt. Ihn hätte die Liebe wie ein "Blitzschlag" getroffen, beteuerte er: "Ich war der glücklichste Mann der Welt. Ich war noch nie so plötzlich und so heftig verliebt", sagte er selbst im Nachhinein.

Ausgerechnet die Frau, in die er sich ernsthaft verliebt hatte, machte mit ihm Schluss. Eine schmerzhafte Erfahrung für den 41-Jährigen. Es dürfte ihn nicht getröstet haben, dass sich diejenigen bestätigt fühlten, die ihn vor der Beziehung gewarnt hatten, die glaubten, dass Sandy sich mit dem Star schmücken wollte, um ihre Karriere anzukurbeln. Eine Genugtuung war es hingegen, dass Sandy-Meyer Wölden in der Öffentlichkeit als die Böse dastand und dieses Mal nicht er als Ehe- oder Herzensbrecher. Doch das Gefühl hielt nicht lange an.

Schlechter Ruf kann Millionen kosten

"Ich habe alles für die Beziehung getan. Ich bin enttäuscht und verletzt", meldete sich Meyer-Wölden via "Bild"-Zeitung zu Wort und deutete damit an, dass Boris sie verlassen habe. Eine Falschdarstellung, die Becker in seine gewohnte Rolle als flatterhafter Frauenheld zurückwarf und Sandy als Opfer erscheinen ließ. Drei Wochen schwieg Becker, ertrug die Demütigungen. Doch habe er die Notbremse ziehen müssen. Schon einmal hatte er erlebt, wie geschäftsschädigend ein schlechter Ruf sein kann. Nach der Besenkammeraffäre 2001 wurden lukrative Werbeverträge nicht mehr verlängert - AOL und Lotto verzichteten auf Becker als Zugpferd. Das kostete ihn mehrere Millionen, die er sich jetzt nicht mehr leisten wollte.

"Wenn mein Name, wenn ich derart angegriffen werde, muss ich einschreiten", begründete er in "Bunte" seinen Gang an die Öffentlichkeit. Dass ihm dieser nicht leicht gefallen war, kauft man ihm sogar ab. Welcher Mann berichtet schon gerne, wie er von seiner Verlobten abserviert wurde? Dass er allerdings beteuerte, kein Mitleid zu wollen und sich nicht als Opfer sieht, ist wenig glaubhaft für jemanden, der in Interviews die Liebe erklärt haben möchte. Wie er selbst zugibt, habe es "etwas Befreiendes" gehabt, in einem Interview seine Sichtweise der Dinge darstellen zu können. Diesen Befreiungsschlag genießt er derzeit.

Der könnte sich sogar finanziell bezahlt machen. Schon lange hatte Boris Becker keine solche Medienpräsenz erfahren wie in den vergangenen Tagen. Ob bei der Eröffnung des Hotels "Atlantis" in Dubai oder bei der Verleihung des Laureus-Medien-Preises in München, überall wartet ein Pulk von Fotografen und Reportern auf ihn. Für einen, der viel Geld mit Werbeverträgen verdient, eine unbezahlbare Publicity.

Themen in diesem Artikel