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111.111 Euro Startgeld: Boris Becker zockt heute um Millionen in tschechischem Kasino

Gläubiger fordern 61 Millionen Euro von Boris Becker. Am Freitag könnte sich die Tennis-Legende einen Teil der Summe beschaffen - am Pokertisch im tschechischen Rozvadov.

In den vergangenen Wochen machten immer wieder neue Meldungen über finanzielle Probleme von Boris Becker die Runde. Nach stern-Informationen fordern Gläubiger rund 61 Millionen Euro von der Tennis-Legende. Am Freitag hat er die Möglichkeit, zumindest einen Teil davon zu beschaffen. Im tschechischen Rozvadov zockt Becker bei einem sogenannten High-Roller-Turnier der World Series of Poker Europe (WSOPE) um einen möglichen Millionengewinn. Als Startgeld muss er 111.111 Euro auf den Tisch legen, 11.000 davon hat er bereits gezahlt. Da sich Spieler, die in der Frühphase ausscheiden, erneut einkaufen können, ist noch nicht sicher, wie viel Geld die bestplatzierten Spieler gewinnen können. Bei einem Turnier derselben Serie in Las Vegas im Sommer erhielt der Gewinner 3,7 Millionen, die vier Bestplatzierten mehr als eine Million Dollar an Preisgeld.

 Die für seine Platzreservierung nötige Anzahlung von 11.000 Euro hatte Becker bereits im März hinterlegt, also lange bevor seine finanziellen Probleme öffentlich bekannt wurden. Der "Bild-Zeitung", die zunächst über Beckers Turnierteilnahme berichtete, sagte Leon Tsoukernik, Besitzer des "King's Casino" in Rozvadov: "Er ist dabei. Und ich glaube nicht, dass er das Startgeld aus eigener Tasche zahlt." Hintergrund sind die in der Branche üblichen Sponsordeals. Becker ist Werbefigur für Party Poker, die Firma übernimmt daher womöglich einen Teil seines Startgeldes. Nach "Bild"-Informationen beträgt dieser Anteil rund 100.000 Euro.

Boris Becker und das Pokerspiel

Bei dem Turnier mit schätzungsweise 100 Teilnehmern geht ein Teil des Startgeldes an die Onedrop-Foundation, eine Wohltätigkeitsorganisation, die Projekte zur Wasserversorgung in armen Regionen der Welt finanziert. Die Turnierserie wurde vor einigen Jahren vom Cirque-Du-Soleil-Gründer, Mulitmilliardär und leidenschaftlichem Hobby-Pokerspieler Guy Laliberté ins Leben gerufen und hat seitdem fast 20 Millionen US-Dollar für den guten Zweck eingesammelt.

Boris Beckers Pokerkarriere war bisher nicht unbedingt von viel Erfolg gekrönt. Laut Hendon Mob, einer Pokerturnier-Datenbank, hat er rund 95.000 Euro an Preisgeldern gewonnen - bei einem Einsatz von rund 40.000 Euro. Hendon Mob zählt allerdings nur die Turniere auf, bei denen Becker es in die Bezahlplätze geschafft hat. Turniere, in denen er das Startgeld zahlte, aber am Ende leer ausging - und das ist selbst bei guten Pokerspielern die Regel - sind dort nicht aufgeführt. Zum Vergleich: Seine aktuellen Gegner sind zum Beispiel die Pokerprofis Daniel Neagreanu (34 Millionen Dollar Gewinn), Phil Hellmuth (21 Millionen) und Sam Tricket (21 Millionen). Auch der erfolgreichste deutsche Pokerspieler aller Zeiten, der 24-jährige Fedor Holz (26,5 Millionen), wird mit von der Partie sein.

Könnte er den Gewinn behalten?

Ob Boris Becker einen möglichen Gewinn behalten dürfte, ist angesichts einer Pressemitteilung der Wirtschaftsprüfgesellschaft Ebner Stolz fraglich. Die Kanzlei wurde damit beauftragt, das Insolvenzverfahren gegen Boris Becker zu begleiten. In einem Schreiben heißt es: "Zahlungen an Boris Becker sollten seit Bekanntgabe von dessen Insolvenz durch das Amtsgericht Heidelberg nur noch direkt an den Insolvenzverwalter geleistet werden." Jan Groß, Anwalt bei Ebner Stolz, erklärt in der Mitteilung: "Erfolgt dennoch eine Zahlung an Becker, können Geschäftspartner vom Insolvenzverwalter erneut in Anspruch genommen werden". Sollte es Becker also bei dem am Freitag um 14 Uhr startenden Turnier in die Preisränge schaffen, könnte er trotzdem leer ausgehen.

fin

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