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Pleite oder nicht?: Boris Becker und die Finanzen

Ein englisches Gericht hat Boris Becker für bankrott erklärt. Auch wenn der Ex-Tennisstar keineswegs "pleite" sei, wie sein Anwalt erklärt: Wie kann ein Mann, der in seiner Karriere allein 25 Millionen US-Dollar an Preisgeldern kassiert hat, in solch finanzielle Probleme geraten?

Boris Becker: Das aufregende Leben eines deutschen Tennisstars

Boris Becker hat finanziellen Ärger in England. Weil er keine Beweise vorlegen konnte, eine "substanzielle" Geldschuld bei einer Investmentbank bald zu begleichen, erklärte ihn ein Gericht für bankrott. Sein deutscher Medienanwalt Christian Schertz widerspricht dieser Einschätzung: Das Verfahren betreffe ein Darlehen, dass Becker "binnen eines Monats in voller Höhe zurückgezahlt hätte". Keinesfalls sei sein Mandant "pleite". Doch das Gericht in London sah dies offenbar anders. Wie steht es also nun um die Finanzen der Tennislegende?

Millionen-Einnahmen als Tennis-Spieler

1985 ging der Tennis-Stern des Boris Becker auf. Im Alter von nur 17 Jahren gewann er das prestigeträchtige Grand-Slam-Turnier Wimbledon. Zwei weitere Erfolge dort sollten folgen. Zumindest während seiner aktiven Karriere dürfte er kaum große Geldsorgen gehabt haben. Mehr als 25 Millionen US-Dollar sammelte er allein in Preisgeldern ein, dazu kommen noch die Einkünfte aus Werbedeals.

1999 beendete Becker seine aktive Karriere und konzentrierte sich fortan auf seine geschäftlichen Tätigkeiten. Bereis Anfang der 90er-Jahre hatte er auf Anraten seines damaligen Managers mehrere Mercedes-Autohäuser in Deutschland erworben. Im ersten Quartal 2017 verkaufte er alle drei an eine Handelskette. Zuvor hatten er mit den Betrieben laut Dokumenten im Bundesanzeiger 2012 einen Verlust von rund 200.000 Euro erwirtschaftet. 2013 aber wies er einen Gewinn von 400.000 Euro aus.


Nach der aktiven Karriere flossen die Werbeeinnahmen weiter. Etwa durch den legendären AOL-Spot "Bin ich schon drin?" oder für seine Tätigkeit als Markenbotschafter für Mercedes-Benz. Mit zunehmendem Ruhestand kam Becker allerdings vermehrt mit seinem bewegten Privatleben in die Schlagzeilen, er schrieb Autobiografien, die von Kritikern unlieb aufgenommen wurden. Sein 2013 erschienenes Buch "Das Leben ist kein Spiel" bezeichnete er später als "Fehler". Wenige Monate nach der Veröffentlichung trennte sich Mercedes von ihm als Werbegesicht. Zudem soll die Scheidung von seiner ersten Frau Barbara mehrere Millionen gekostet haben, dazu kommt der Unterhalt für seine Kinder. Wie groß diese finanzielle Belastung ist, lässt sich - genau wie seine Lebenshaltungskosten - nur schwer einschätzen.

Boris Becker: Das aufregende Leben eines deutschen Tennisstars


Boris Becker und die Poker-Karriere

Auch für den Online-Glücksspielanbieter Pokerstars gab Becker sein Gesicht her. Er drehte Werbespots, nahm an Pokerturnieren teil und drehte ein Promi-Pokerspezial fürs TV. "Sicher würde ich gerne mehr Pokerturniere spielen wollen", sagte er 2009 dem "Spiegel", und kolportierte damit, Pokerprofi zu werden. Für sein Engagement als Werbeträger soll er eine siebenstellige Summe erhalten haben, auch wenn der damalige Marketing-Chef von Pokerstars gegenüber dem "Spiegel" witzelte, Becker hätte "eigentlich viel mehr verlangen können".

Zumindest bei den Turnieren war er allerdings nie sonderlich erfolgreich. Sein größter Gewinn datiert auf 2008 und beläuft sich auf rund 40.000 US-Dollar - allerdings mit 25.500 Dollar Einsatz. Laut einer Online-Datenbank für Pokergewinne räumte er in acht Jahren rund 110.000 Dollar ab, setzte dafür aber mindestens 45.000 Dollar ein. Das wäre zwar noch immer ein achtbarer Profit, allerdings werden dort nur die Turniere aufgelistet, in denen man es in die Preisränge geschafft hat. All die Turniere, die er in den Jahren spielte, ohne im Geld zu landen, fehlen dort. Dass am Ende dieser Rechnung Profit steht, ist sehr unwahrscheinlich.

Beim Cashgame, also Pokerspiel mit Chips, die eins-zu-eins Echtgeld repräsentieren, scheint es aber besser zu laufen. Auf Youtube kann man ihn zuletzt im Febraur 2017 im King's Casino im tschechischen Rozvadov spielen sehen. Er setzt sich mit 30.000 Euro an den Tisch und steht mit rund 200.000 Euro wieder auf. Augenscheinlich war er im Februar also liquide genug, um um mehrere zehntausend Euro zu zocken.

Geschäftliche Misserfolge

Becker sei in Finanzangelegenheiten nicht besonders geschickt, sagte sein Anwalt bei der aktuellen Verhandlung in London. Zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit scheinen das zu belegen. Oft kaufte sich Becker in Firmen ein oder setzte auf Start-ups, die dann scheiterten. 2007 musste er im Zusammenhang der insolventen Firma Sportgate mehr als 100.000 Euro Schadenersatz zahlen. Auch der misslungene Ausflug zum Online-Shop für Ökoprodukte "New Food AG" endete für Becker vor Gericht. Wegen eines gebrochenen Darlehensvertrages wurde er 2012 zu einer Zahlung von 800.000 Euro verurteilt. 

Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" schrieb 2009, Becker habe "die meisten seiner Firmen und Beteiligungen wieder verkauft". Die Tennislegende selbst sprach von 150 Mitarbeitern in allen seinen Firmen, beim Interview mit dem Blatt fünf Jahre später waren es seinen Angaben zufolge nur noch 50 Angestellte. Gegen Vorwürfe, seine Geschäfte würden nicht gut laufen, wehrte er sich vehement: "Macht euch keine Sorgen um mich. Nicht jeder Deal hat funktioniert, aber 51 Prozent", sagte er damals. Er habe "meinen Umsatz, meinen Profit - Ende Gelände".

Zumindest im Jahr 2010 schien das Unternehmen Becker noch zu florieren. Aus einer nicht beglichenen Schuld von Sozialabgaben in der Schweiz geht hervor, das er damals mit seiner Boris Becker GmbH rund zwei Millionen Euro im Jahr verdiente.

Erfolge als Tennis-Trainer

Im Jahr 2014 übernahm Becker überraschend den Trainerjob bei Tennisprofi Novak Djokovic, einem der besten Spieler der Welt. Er führte den Serben zu mehreren Grand-Slam-Siegen und meldete sich sehr erfolgreich auf der internationalen Tennis-Bühne zurück. Auch dafür wurde er fürstlich entlohnt: mit rund 800.000 Euro pro Jahr, berichtet die "Bild". Ende 2016 beendeten die beiden ihre Zusammenarbeit. Seitdem arbeitet Becker als Sportkommentator für Eurosport - sicherlich auch kein sonderlich schlecht bezahlter Job.

Das Darlehen und die Finca

Laut Beckers Anwalt habe dieser "erklärt, dass seine Einkünfte hinreichend veröffentlicht seien und es klar ist, dass er die Mittel hat, um diese Schuld zu begleichen." Die angeblich kurz vor dem Verkauf stehende Immobilie in Spanien übersteige das offene Darlehen bei der englischen Bank "bei Weitem". Daher werde Becker "beantragen, die Verfügung umgehend aufzuheben". 

Mit der Finca auf Mallorca war Becker bereits mehrfach in den Schlagzeilen. Teilweise mussten Umbauten wegen fehlender Genehmigungen wieder abgerissen werden, wegen offener Rechnungen wäre es mehrfach fast zur Zwangsversteigerung gekommen. Beckers Anwälten zufolge ist der Verkauf nun aber kurz vor dem Abschluss. Sie legten dem Gericht entsprechende Unterlagen vor. Offenbar waren es keine sonderlich überzeugenden.

Auch dem "Spiegel" gegenüber deutete der frühere Tennisprofi 2014 an, dass er finanziell ausgesorgt hätte, wenn er alle seine Anteile und Besitztümer verkaufen würde. Doch wenn das stimmt, bleibt natürlich die Frage: Warum hat Becker die Schuld nicht schon früher beglichen, wenn er eigentlich die Mittel dafür hat und sie nur umwandeln müsste?

Boris Becker und seine Frau Lilly beim angeblichen Fotoshooting