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Die Assistenten der Stars: Von Schirmträgern und Strohhalmreichern

Wenn Stars wie Beyoncé oder Mariah Carey das Haus verlassen, tun sie das meist nicht alleine. Eine Entourage von Assistenten folgt ihnen brav - und muss mitunter skurrile Aufgaben übernehmen.

Von Sarah Stendel

New York, Mitte Oktober: Beyoncé ist schwanger, sie trägt die Umstandsmode der Superstars: High Heels, Sonnenbrille, Hütchen. Flotten Schrittes entert sie eine Terrasse. Direkt hinter ihr, dezent in dunkle Kleidung gewandet, bewegt sich ein Helfer. Er hält der 30-Jährigen einen riesigen schwarzen Schirm über den Kopf - und das, obwohl gerade weder die Sonne brennt, noch der Regen prasselt.

Was macht dieser Mann da? Wozu der Schirm? Es sind oft kuriose Bilder, die einen Eindruck vom Hofstaat der Stars vermitteln. Wer unter den Rich & Famous etwas auf sich hält, hat persönliche Assistenten, am besten gleich eine ganze Armee davon. Ihre Tätigkeiten spiegeln die Marotten ihrer Arbeitgeber. Victoria Beckham lässt sich gelegentlich die Handtasche hinterher tragen , Jennifer Lopez soll bei Videodrehs jemanden beschäftigen, der auf den perfekten Sitz ihrer Brüste achtet. Die 42-Jährige sagt trotzdem von sich, sie sei keine Diva, sondern einfach "Jenny from the block".

Mariah Carey - Mund auf

Wie passt das zusammen? "Das Ziel eines Stars ist das Etablieren einer Persönlichkeit. Dabei ist es weniger wichtig, dass diese stimmig ist, sondern vielmehr, dass auch exzentrische Elemente hineingebracht werden", sagt Jens Ruchatz, Medienwissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg. Zweck sei es, im Gespräch zu bleiben. Denn die Aufmerksamkeit der Medien ist bares Geld wert. "Dadurch entsteht vielleicht kein beliebtes Bild einer Person, aber ein interessantes", sagt Ruchatz.

Paradebeispiel dafür ist Mariah Carey, Chefdiva des US-Pop. Vor zwei Jahren plauderte die britische TV-Moderatorin Kate Garraway aus, dass ein Assistent ständig rückwärts vor Carey herlaufen musste, um sie aufzufangen, sollte sie stolpern. Auf das Sofa im Studio ließ sie sich von zwei Helfern heben - das Kleid sollte nicht zerknittern. Zahlenmäßig habe ihre Entourage außerdem locker die Crew der TV-Show in den Schatten gestellt. 2005 veröffentlichte die "Sun" Fotos von Carey, die zeigen, dass sie sich beim Signieren von Platten von einer Helferin einen Drink samt Strohhalm anreichen lässt. Carey macht nur den Mund auf, die Helferin hält den Pappbecher - es ist eine Szene wie auf der Intensivstation einer Unfallklinik, nur dass in diesem Fall niemand einen Unfall hatte.

Luxus als Vergeudung

Es handelt sich vielmehr um einen Unfall im Statusdenken, glaubt Ruchatz. "Ein Assistent mit ungewöhnlicher Aufgabe kann als sogenannter demonstrativer Konsum beschrieben werden: Luxus wird als eine extreme Form der Vergeudung gezeigt. Er beweist, dass man es sich leisten kann, Geld zu verschwenden. Das Beispiel mit Mariah Carey ist dabei der ultimative Punkt: Das kann man eigentlich wirklich selber."

Wie viele Menschen werden eigentlich von Carey & Co. als Schirmhalter, Strohhalmreicher und Handtaschenträger im Schnitt beschäftigt? stern.de fragte bei Sony Music nach, Beyoncés Plattenfirma. Ebenso bei Universal Records, das für Mariah Carey zuständig ist. Die Antwort: Kein Kommentar.

Hip-Hop wir fett

Christian Schräder hat knapp zehn Jahre lang als Künstlerbetreuer für große Labels gearbeitet, er hat ein paar verrückte Tage mit Stars und Sternchen hinter sich, aber auch er bleibt diskret. Immerhin gibt er einen historischen Hinweis. "Dass Stars mit einem regelrechten Stab an persönlichen Assistenten verreisen, hat sich erst in den letzten Jahren so extrem entwickelt", sagt Schräder zu stern.de. Dieser Habitus sei durch den kommerziellen Erfolg der Hip-Hop-Szene entstanden, Rapper wie P. Diddy hätten sich schon immer mit großem Gefolge umgeben, was natürlich auch ihre Macht und ihren Reichtum spiegeln soll. Dieses Bling-Bling wäre noch vor einigen Jahrzehnten gar nicht gut angekommen, weiß Medienwissenschaftler Ruchatz: "In der Nachkriegszeit war beispielsweise ein eher bescheidenes Auftreten gefragt: Der Star sollte am besten so sein, wie jeder andere."

Jetzt ist der Star der andere, zumindest benehmen sich manche so. Christian Schräder hat, und das mag ein kleiner Trost sein, bei seiner Arbeit allerdings auch dies beobachtet: Künstler, die wirklich gut sind und langfristig Erfolg haben, seien oft unkompliziert. Für den Fall Mariah Carey gilt dann wohl: Ausnahmen bestätigen die Regel.