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Einseitiger "Twitter-Krieg" mit Raab Becker schlägt ins Leere


Nach seinem Twitter-Zwist mit Olli Pocher keilt Boris Becker jetzt gegen Stefan Raab - und beweist wieder einmal, dass er auch in Sachen Eigen-PR ein Champion ist.
Von Jens Wiesner

Stell dir vor, es ist Krieg und nur einer geht hin. Für die "Bild"-Zeitung kein Widerspruch: "Neuer Twitter-Krieg" titelte das Blatt heute morgen und setzte nach: "Boris jagt den Raab". Das klingt nach gegenseitigen verbalen Kinnhaken, nach Beleidigungen weit unter der Gürtellinie, nach ordendlich Tweef im digitalen Promi-Kosmos. Kurzum - nach einer Menge PR-Spaß!

Nur doof, wenn die andere Seite nicht so recht mitspielt.

Was war geschehen? Begonnen hatte die Geschichte schon vor einigen Tagen, auf einer Pressekonferenz für Boris Beckers neue Autobiographie "Das Leben ist kein Spiel": Dort war dem Wimbledon-Sieger ein kleiner grammatikalischer Fauxpas unterlaufen: "Ich sag ja auch ganz klar in diesem Buch, dass ich stolz, Deutscher zu bin." Klassisches "TV-Total"-Futter, der "Maschendrahtzaun" lässt grüßen. Und der Raabinator? Der nutzte die Steilvorlage, selbstredend. Wieder und wieder ließ er den Satz in seiner Montagsausgabe einblenden. Zugegeben, kein Comedy-Gold, aber ein wenig Lästerei am spätem Fernsehabend. Bobbele und Grammatik - der Kriegsfuß ist altbekannt.

Ein freundlicher Programmhinweis

Hätten wir es überhaupt mitbekommen? Hätte es uns überhaupt interessiert? Wahrscheinlich nicht. Aber zuvorkommend wie Boris ist, wies er praktischerweise noch vor Ausstrahlung der Sendung auf die kommende Blamage hin: "Bin gerade in Wien und komme in mein Hotelzimmer und mache #Twitter auf.... Macht #Raab heute Quote auf meinem Ruecken..." Das Wort "Programmhinweis" und der Zwinkersmiley fehlten - wahrscheinlich ein Opfer der 140-Zeichen-Begrenzung.

Der Ring stand offen für eine Twitter-Schlacht epischen Ausmaßes. Erinnerungen an den legendären September-Fight Pocher vs. Becker wurden wach. Doch die Kanonenschläge, die Bum-Bum-Becker in sein Smartphone hämmerte, schossen ins Leere. Im Gegensatz zu Oliver Pocher führt Raab nämlich gar keinen Twitter-Account. Wie man in den Wald hereinruft, so schallt es wieder heraus, weiß der Volksmund. Doch was tun, wenn der Wald leer ist?

Entwaffnende Ehrlichkeit

Einfach weiterrufen, befand Becker. Und so forderte der Mann, der sein Herz doch recht locker auf der Zunge trägt, seine "Freunde" dazu auf, im Privatleben des Pro7-Entertainers zu wühlen: "Sucht und findet alles,was ihr Ueber #Raab herausbekommt und twittert es mir....alles!?!?" bat er und ließ gleich einige Hinweise für die King-of-Kotelett-Jagd folgen: Ob Raab immer noch in Belgien lebe? Ob man Frau und Kinder wirklich kenne? Ob es nicht in in Köln eine Domina gebe, die Raab gut kennt?

Das Echo nahm sich verhalten aus. Ein paar User sahen Becker mal wieder auf einem moralischen Allzeittief angelagt, Becker reagierte bekannt patzig ("Schaue lieber auf dein eigenes Leben,Besserwisser ...fürchterlich Typ"), der Rest genoss eine Runde spaßiger Spekulationen. Die Geheimnisse des Privatmannes Raab wurden an diesem Abend jedenfalls nicht gelüftet.

Und Becker? Der machte gar keinen Hehl aus seinen PR-Absichten. "Und am Ende treffen sich @TheBorisBecker, Raab & Pocher auf ein Bierchen und feiern die Verkaufszahlen. Clever gemacht, Jungs ;-)" analysierte Twitter-Nutzerin Carolin Bluechel. "Du hast es wirklich erkannt, aber bitte nicht weitersagen..." gab Becker zurück. Ein Schelm ist er immer noch, unser Bobbele.


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