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Emilio Pucci: Im Rausch der Farben

Die Mode von Emilio Pucci ist wie der Blick durch ein Kaleidoskop: eine Explosion bunter Farben, die sich bei jeder Bewegung neu vermischen. Nun feiert das Lieblingslabel des Jetsets sein 60-jähriges Bestehen.

Von Cathrin Dobelmann

Es war nur ein Foto, das Klicken einer Kamera, das Emilio Pucci 1947 zum Star der Modeszene machte. Dabei hatte der Marchese di Barsento, der Spross einer florentinischen Patrizierfamilie, nur einige Stücke seiner selbst entworfenen Ski-Linie Probe fahren wollen. In engen Keilhosen und bunt gemusterten Kurzjacken war er gemeinsam mit einer Begleiterin die Pisten im schweizerischen Zermatt hinab gerauscht, direkt vor die Linse von Toni Frissell. Die amerikanische Modefotografin erkannte den Adeligen dank seines grellen Aufzugs, drückte ab und schickte das Foto an Diana Vreeland, die berühmte Directrice des Modemagazins Harper’s Bazaar. Begeistert soll sie ihn damals angerufen haben: "Ich weiß nicht, wer Sie sind und was Sie machen. Aber ich wünsche mir, Sie würden eine ganze Kollektion entwerfen".

Heute, 60 Jahre später, gehört die Marke Emilio Pucci zu den weltweit ältesten und erfolgreichsten Modelabels. Innerhalb kürzester Zeit hatte der Italiener aus seinem Hobby ein schnell wachsendes Modeimperium entwickelt. Angefangen mit einer Linie für Sportmode entwarf er bereits 1948 die erste Ready-To-Wear-Kollektion, deren Schnitte und Muster bis heute aktuell sind: luftige Tuniken, Hemdblusen, Seidenjerseykleider und die von ihm erfundene Caprihose in knalligen Farben, von schrillem Pink über Zitronengelb bis hin zu wässrigem Türkis. Emilio Pucci setzte mit seiner lockeren Cocktail-Mode ein deutliches Kontra gegen die strenge Haute Couture aus Paris. Während Designer wie Dior, Balenciaga und Balmain Ende der Vierziger Jahre elegante Kostüme mit Korsett entwarfen, befreite der Italiener die Frauen von allen textilen Zwängen. Seine bunten, teilweise weit fließenden Kleider waren genau die Art von Mode, nach der der Jetset in den 50er und 60er Jahren verlangte. Pucci – das klang nach rauschenden Partys, Urlaub, guter Laune und Hollywoodschönheiten wie Liz Taylor, Marilyn Monroe und Jane Fonda, die an der italienischen Riviera die Nacht zum Tag machten.

Dass das Label auch heute noch als Partyklamotte herhält, hat jüngst Matthew Williamson während seiner Frühjahr/ Sommer-Show bewiesen. Der britische Designer, der nach Christian Lacroix 2005 die künstlerische Leitung im Hause Pucci übernommen hat, entwarf bunt gemusterte Leggins, knappe, grell leuchtende Minikleider mit tiefen Ausschnitten und Cut Outs. Ohne die Diskokugel wirklich aufgehängt zu haben, flackerten die Farben in allen Schattierungen über den Laufsteg. Kein Wunder, dass die Kollektion den Namen "It's fun, it's young" trägt. "Wir sind mit Matthew sehr zufrieden", sagt Laudomia Pucci, die als Image-Direktorin im Unternehmen ihres 1992 verstorbenen Vaters tätig ist. "Er liest die Pucci-Muster wie Buchstaben eines Alphabets. Er hat die gleiche DNS".

Williamson brachte vor zwei Jahren die Verjüngung, die das Unternehmen dringend brauchte. Gemeinsam mit dem französischen Luxuskonzern LVMH, der mit 67 Prozent an Pucci beteiligt ist, suchte Laudomia nach einem geeigneten Designer, der der Marke ihr jugendliches Image zurückgab. Williamson als Freund der It-Girl-Generation war genau der Richtige. Seitdem er für das Design der Marke zuständig ist, werden die bunt gemusterten Kleider nicht nur vom in die Jahre gekommenen Jetset getragen, sondern ebenso von Stars wie Keira Knigthley, Sienna Miller, Jade Jagger und Kate Moss. Anlässlich des Jubiläums wagt sich Pucci nun auf neues Terrain: Kosmetik. Gemeinsam mit dem Parfümhersteller Guerlain ist eine Serie bestehend aus Puder, Lipgloss und Mascara entstanden. Und wen wundert’s – die Tiegel und Döschen gibt es natürlich im typisch bunten Pucci-Look.