Gsell-Urteil Berufung vom Tisch


Die Staatsanwaltschaft legt offenbar doch keine Berufung gegen das Gsell-Urteil ein. Der Anwalt der verurteilten Arztwitwe hat seinerseits angekündigt, das Urteil anzunehmen und damit den Weg für einen Deal frei gemacht.

Der Prozess um Tatjana Gsell wird möglicherweise doch nicht in zweiter Instanz verhandelt. Gsells Münchner Anwalt Steffen Ufer teilte mit, seine Mandantin nehme ihre Bewährungsstrafe an. Im Gegenzug habe die Staatsanwaltschaft angekündigt, ihre Berufung zurückzunehmen. Nürnbergs Justizsprecher Bernhard Wankel sagte, noch liege keine offizielle Erklärung des Anwalts vor. Erst wenn dies der Fall sei, werde auch die Staatsanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichten.

Am Dienstagmorgen hatte die Staatsanwaltschaft angkündigt, den Fall Gsell ein zweites Mal aufzurollen und Berufung gegen das Urteil einzulegen. Die Arztwitwe Tatjana Gsell und ihr Jugendfreund, ein inzwischen vom Dienst suspendierter Staatsanwalt aus Hof, waren am vergangenen Freitag wegen Vortäuschens einer Straftat und versuchten Versicherungsbetrugs zu Bewährungsstrafen von 16 beziehungsweise 15 Monaten sowie zu Geldbußen von 30.000 beziehungsweise 3000 Euro verurteilt worden.

Oberstaatsanwalt Walter Knorr hatte hingegen für Tatjana Gsell eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten und eine Geldauflage von 40.000 Euro gefordert. Für den 33-jährigen Ex-Staatsanwalt hatte er eine Haftstrafe von 16 Monaten auf Bewährung beantragt und von einer Geldbuße abgesehen. Wie die Staatsanwaltschaft die Berufung begründet, war noch nicht bekannt. Eine Begründung werde frühestens nach Zustellung des Urteils in fünf Wochen vorliegen, sagte der Justizsprecher weiter. Zu einem neuen Prozess werde es dann nicht vor Herbst kommen.

Anwalt des Staatsanwalts fordert Freispruch

Auch der Verteidiger des 33-Jährigen legte Rechtsmittel ein. Er hatte für seinen Mandanten Freispruch gefordert. Die beiden waren nach Überzeugung des Gerichts maßgeblich daran beteiligt, im Januar 2003 eine Überfall auf Gsells Ehemann, den 76-jährigen Schönheitschirurgen Franz Gsell, zu inszenieren. Damit sollte ein geplanter Versicherungsbetrug vertuscht werden. Franz Gsell war in den Überfall eingeweiht. Er wurde jedoch bei Handgreiflichkeiten so schwer verletzt, dass er zwei Monate später starb.

DPA DPA

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