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Hugh Jackman im Interview: "Brusthaar? Bei mir alles Natur!"

Er ist der "Sexiest Man Alive". Und wenn es einen Oscar für Charme gäbe, würde er ihn mühelos gewinnen: Schauspieler Hugh Jackman spricht im stern-Interview über Männer, Tiere und Mutanten.

Herr Jackman, Sie haben mal gesagt: "Die Schauspielerei lehrt mich das Leben."

Stimmt absolut.

In Ihrem neuen Film "Wolverine" spielen Sie einen haarigen Mutanten. Was lernt man da?

Gut, er ist ein Mutant und außerdem eine Comicfigur. Aber er hat Charakter. Er ist sehr ehrenhaft und stellt sich seinen Problemen. Auch den inneren.

Er hat Schwierigkeiten damit, seine animalische Seite zu kontrollieren. Geht's Ihnen auch so?

O ja. Wenn ich müde bin, werde ich sehr seltsam. Und wenn ich Hunger habe.

Was passiert dann?

Dasselbe wie bei Wolverine: Ich knurre. Glücklicherweise wissen dann alle Beteiligten, was los ist. Soll ich Ihnen etwas Grundlegendes über Männer verraten?

Bitte!

Männer sind ganz einfach: Füttere sie, wenn sie Hunger haben. Und lass sie ins Bett, wenn sie müde sind. Dann ist alles gut. Wenn nicht, werden wir zum Tier. Oder steck uns mit anderen Männern zusammen, dann werden wir auch zum Tier.

Apropos Tier: Benutzen Sie eigentlich einen Trimmer für Ihr Brusthaar?

Brusthaar, Beinhaar, Achselhaar - bei mir alles Natur. Ich lass es wachsen, wenn ich darf. Und denke nicht weiter darüber nach.

Im X-Men-Universum, in dem Wolverine lebt, geht es um Mutanten mit verschiedenen merkwürdigen Spezialkräften. Wann haben Sie sich das letzte Mal als Freak gefühlt?

Als ich Journalismus studiert habe. Alle waren sehr links, intellektuell, feministisch - ich kam von einer stockkonservativen Privatschule und wusste überhaupt nicht, worum es ging. An der Schauspielschule wurde es noch schlimmer: düstere Typen, die große existenzialistische Probleme zu verarbeiten hatten. Und ich war eine Frohnatur, die ihr Leben genoss. Damals befürchtete ich, dass ich nie ein guter Schauspieler werde, weil ich keine inneren Dämonen zu bändigen hatte.

Das denken Sie jetzt nicht mehr?

Nein. Schauspielerei heißt, so zu tun, als sei man jemand anders. Es ist psychologisch nicht so intensiv, wie viele Leute meinen.

Stichwort Psychologie: Mit welchen Tricks beeindruckt man Frauen?

Meine Frau habe ich mit flambierten Crêpes Suzettes beeindruckt. Das Rezept ist von meinem Vater. Hat hervorragend funktioniert.

Wie oft haben Sie den Crêpes- Suzettes-Trick gemacht?

Nur einmal. Aber sonntags mach ich immer noch Crêpes. Für dieselbe Frau.

Und mit welchen Tricks lenken Sie die anderen Frauen von Ihrem guten Aussehen ab?

Ich weiß nicht. Mein Aussehen ist keine große Sache für mich. Ich versuche einfach, ganz normal zu sein. Reden, Witze erzählen, freundlich sein.

Das ist ja beängstigend.

Wie? Versteh ich nicht.

Dann fasse ich das mal zusammen: Sie sind der "Sexiest Man Alive" ...

... oje ...

... Sie sind bescheiden und charmant ...

... danke, danke ...

... und anstatt mit irgendwelchen Supermodels rumzuhängen, haben Sie eine rund zehn Jahre ältere Frau geheiratet, zwei Kinder adoptiert, um die Sie sich kümmern, wenn Sie nicht gerade den Müll runterbringen. Und jetzt werden Sie sogar rot! Das ist unheimlich.

Also: Als ich meine Frau traf, war ich 26, weder berühmt noch irgendwas, aber zum ersten Mal in meinem Leben absolut sicher. Ich fühlte, dass sie die Frau meines Lebens ist. Aber davon musste ich sie erst mal überzeugen.

Sie wollte nicht?

Sie hatte gerade ihre Neujahrsvorsätze gefasst: Nie wieder ein Schauspieler. Nie wieder jemand unter 30.

Dann kamen die Crêpes. Das war der Eisbrecher, genau.

Vertrauen Sie eigentlich immer auf Ihr Gefühl?

Nein. Damals im Übrigen auch nicht. Ich sagte zu mir: Okay, du wartest mindestens sechs Monate mit dem Heiratsantrag. Es war mein erster Schauspieljob, sie war der Star - das Klischee hätte kaum größer sein können. Und ich haderte damit, ob es nun Zuneigung oder tatsächlich Liebe ist. Aber nach sechs Monaten war es so absolut offensichtlich. Ein lächerlicher Zustand. Also habe ich sie gefragt. Das war vor 13 Jahren.

Heute fallen Frauen in Ohnmacht, wenn sie Ihnen begegnen. Macht Ihnen das Angst?

Um ehrlich zu sein: Ja. Einmal sprang eine Frau zu mir auf die Bühne, riss ihr T-Shirt hoch und rief: "Hugh, ich liebe dich!" Mitten in einem Broadway-Stück! Das war ziemlich verstörend.

Stimmt es, dass eine Frau Ihnen mal in den Hintern gebissen hat?

Ja. Sie saß im Publikum und rief: "Ich will in deinen Hintern beißen!" Also fragte ich sie: "Was ist los? Sie wollen doch bloß Aufmerksamkeit!" Dann kam sie auf die Bühne und biss zu.

Tat es weh?

O ja. Ich hatte einen blauen Fleck.

Ziemlich hart, ein Sexsymbol zu sein.

Es ist schmerzhaft! Ich bringe große Opfer!

Fühlen Sie sich manchmal zum Sexobjekt degradiert?

Nur, wenn Journalistinnen mich das fragen.

Tun sie das so oft?

Manche werden sogar wütend. Weil sie denken, ich würde da irgendwas nicht zugeben. Dann werfen sie mir vor, dass ich immer ohne T-Shirt an den Strand gehe. Aber, bitte, das tun die meisten Menschen, oder nicht?

Heißt das, Sie sind nicht stolz auf Ihren Körper? Glaube ich nicht.

Natürlich ist der wichtig für mich. Ich bin Schauspieler, mein Körper ist mein Arbeitsgerät. Manchmal muss ich ihn stärker trainieren, manchmal weniger. Ich warte auf eine Rolle, für die ich richtig fett sein muss. Das wäre mal was.

Fett und hässlich.

Das wäre toll! Fände meine Frau auch. Nein, jetzt mal im Ernst: Ich würde mir Sorgen machen, wenn es nur um meinen Körper ginge und ich als Person nicht akzeptiert würde. Aber bisher hatte ich dies Problem noch nicht. Das heißt vermutlich, dass ich entweder sehr eitel bin. Oder überhaupt nicht. Ich weiß es nicht.

Wann hat Ihnen das erste Mal ein Mädchen gesagt, dass Sie gut aussehen?

Als ich jung war, haben sie mir immer nur gesagt, dass ich mager aussehe. In der Schule wurde ich "Wurm" genannt. An der Schauspielschule war ich einige Zeit mit einem Mädchen zusammen. Kurz nachdem sie Schluss gemacht hatte, bekam ich eine Rolle, für die ich mir 17 Kilo Muskeln antrainieren musste. Jeden Tag ins Fitnessstudio. Schrecklich. Dann traf ich meine Exfreundin wieder - und sie hat sich sehr geärgert. Ich stellte fest, dass mich plötzlich Frauen wahrnahmen, die mich vorher nie angesehen hätten. Schon komisch. Mir war das nie wichtig. Ich hatte mehrere sehr unterschiedliche Freundinnen. Und keine von ihnen sah wie das klassische Topmodel aus.

Haben Sie Ihr gutes Aussehen schon mal gezielt eingesetzt, um etwas zu bekommen?

Was meinen Sie?

Aufträge, Freibier, Frauen …

Oh. Hm. Als ich 20 war und noch an der Tankstelle gearbeitet habe, kam mal ein Typ und sagte, ich sollte unbedingt Model werden. Damals brauchte ich wirklich Geld. Also dachte ich: Okay, wenn jemand dafür zahlt, dass ich auf Fotos gut aussehe - tolle Idee.

Und?

Es hat nicht geklappt. Und was Frauen betrifft: Als Mann versuchst du natürlich, alles einzusetzen, was du hast. Aber ich habe nie gedacht: Mädel, dich verführ ich jetzt, weil ich so ein hübscher Kerl bin.

Ehrlich nicht?

Nein! Ich denke das nicht über mich. Ich war überhaupt ein sehr schlechter Verführer. Ich hatte noch nicht mal einen Anmachspruch.

Sie brauchten keinen.

Von wegen! Ich hatte eine andere Strategie. In Australien geht man immer in großen Gruppen aus. Rudeljagd, sozusagen. Und ich bin dann zaghaft meinen Rudelführern gefolgt, sobald sie Kontakt zu einer weiblichen Gruppe aufgenommen hatten. So kam ich mit Mädchen ins Gespräch, ohne den ersten Schritt machen zu müssen.

Was ist das beste Kompliment, das Sie je gehört haben?

"Du bringst mich dazu, ein besserer Mensch sein zu wollen."

Hat das jemand zu Ihnen gesagt?

Nein. Das ist leider aus einem Film, fürchte ich. Meine Frau hat mal zu mir gesagt: "Du bringst bei den Menschen in deiner Umgebung das Beste zum Vorschein." Das war ein gutes Kompliment. Sie sagt aber auch viele schlaue Sachen über meine negativen Seiten. Aber das verrat ich nicht.

Cary Grant ...

... ich liebe Cary Grant!

Darum die Frage. Cary Grant sah in sich eine Kunstfigur, erschaffen von dem Schauspieler Archibald Leach. Wie sieht sich Hugh Jackman?

Der Schauspieler Hugh Jackman ist, hoffentlich, ein freundlicher und professioneller Kollege. Der Mensch ist eher zurückhaltend. Freundschaften sind für mich wichtig und hochverbindlich. Ich glaube, die Definition von Freundschaft ist, einer Person alles sagen zu können. Und das braucht viel Zeit.

Interview: Andrea Ritter / print
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