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Imagewechsel bei "Hannah Montana"-Star: Warum Miley Cyrus plötzlich sexy sein will

Sie hat Jeans gegen Leder getauscht, die Brüste hochgeschnürt und beherrscht den Erdbeermund perfekt. Ex-"Hannah Montana"-Star Miley Cyrus hat sich selbst gefunden. Im Gespräch mit stern.de verrät die 17-Jährige, warum es gerade ein Sexsymbol sein muss.

Von Sophie Albers

In dem neuen Musikvideo ist ein riesiger Vogelkäfig zu sehen, in dem sich ein düster-erotisches Wesen bestaunen lässt. Ist es Rihanna, die als schillernder Vogel ihre langen Beine in einem riesigen Nest aneinander reibt? Oder doch Britney Spears, die mal wieder wie eine ferngesteuerte Sexmaschine in professionell-erotischen Outfits durchs Video tobt? Schwer zu sagen bei den ästhetisch gleichförmigen Bildern und der Musik, die gleichförmig perfekt produziert junge Frauen von Freiheit und Liebe singen lässt. Aber der Name verrät es: Das neue antibakterielle Sexwesen, das die Ikonografie des Pops in geschnürter Taille und tiefem Dekolletee gefunden hat, heißt Miley Cyrus. DIE "Smiley Miley"? Genau Miley "Hannah Montana" Cyrus. 17 Jahre alt und einer der bestverdienenden Teenager der Welt. Aber warum tut sie jetzt plötzlich so, als sei sie eine rollige Katze?

Miley Cyrus war seit ihrem 13. Lebensjahr auf das Süße abonniert. In ihrer hart erkämpften Titelrolle der Disney-TV-Serie "Hannah Montana" gab sie das harmlose, ewig strahlende, bodenständige Mädchen von nebenan, das in einer zweiten Identität ein gefeierter Popstar ist. Glitzersternchen überall. Kontrollierbare Mädchenträume. Passenderweise war auch noch der ganz reale Vater, Sänger Ray Cyrus, ihr Fernsehdaddy. Möglicherweise ist es also ein Zuckerschock, der Miley Cyrus in die Britney-Ecke getrieben hat?

Domina-Look für die Fans

"Ich war elf, als das alles angefangen hat", nuschelt Miley Cyrus in den Hörer und bedient sich geräuschvoll aus einer Bonbontüte. "Wenn ich mich nicht verändert hätte, wäre das ein bisschen seltsam, oder?" Ihre Stimme ist gerade etwas süßlich verklebt, aber trotzdem rau. Manchmal auch ein bisschen hart. Vor allem dann, wenn sie in die PR-tauglichen Sätze verfällt, die sich bei allen Stars auswendig gelernt anhören: "Ich bin älter geworden und habe herausgefunden, was mein Stil ist. Ich bin sehr leidenschaftlich, wenn es um Mode geht. Auf Tour kann ich anderen Mädchen zeigen, was angesagt ist".

Hm, aha. Und die sollen nun Domina-Look tragen? Der Sprung von Jeans zu Leder ist ja doch ein größerer. So fühle sie sich auf der Bühne eben am wohlsten, sagt Cyrus - und hat ein bisschen Teenager-Trotz in der Stimme, was wirklich beruhigend ist. Wie jeder Teeanger auf der Welt hat auch der berühmteste unter ihnen mit der Selbstfindung zu kämpfen. Zwar betont Cyrus, dass die Popstar-Miley nicht als Kontrast zu Hannah Montana angelegt sei, doch hackt sie zu sehr auf der Rolle, die sie berühmt gemacht hat, herum, als dass man annehmen könnte, dass sie tatsächlich schon damit durch ist.

Im Käfig des Alters

"Alles ist härter als das, was die Leute in mir gesehen haben, als ich Hannah Montana war. Das war bunt, grelle Farben, Glitzer. Das entspricht mir überhaupt nicht. Jetzt [da die Serie vorbei ist, Anm.d.Red.] muss ich nicht mehr die ganze Zeit im Charakter sein. Das macht vieles einfacher", erklärt sie.

Von der Anti-Hannah will sie aber nichts wissen. Es gehe nicht darum, sich von Disney und Hannah zu befreien, aber "Hannah war ein fiktionaler Charakter, der ein junges Publikum ansprechen sollte. Bei Miley geht um mich als Künstlerin". Sie kaut schon länger nicht mehr.

"Ich weiß, das Video zeigt einen Vogel im Käfig. Aber ich habe mich nie eingesperrt gefühlt. Ich war damals viel zu jung, um das alles zu verstehen. Heute spreche ich nicht mehr als Kind mit anderen Kindern, sondern als junge Erwachsene mit anderen jungen Erwachsenen, die wissen, wovon ich singe." Aber warum dann der Käfig? Damit seien eher die Medien gemeint und "Leute, die denken, ich müsse für immer die gleiche 15-Jährige bleiben", dreht Cyrus einen kleinen Argumentationskreis. Dann setzt sie ziemlich düster nach: "Ihr kriegt nicht die gleichen Bilder wie vor fünf Jahren."

Und sie hat gar nicht so unrecht. Genau genommen sind tatsächlich die Medien das Problem: Diese Selbstfindungsphase hat wohl jeder Teenager, nur findet sie bei Miley Cyrus unter dem Vergrößerungsglas statt. Und weil unter dem schon so viele Jungstars gescheitert sind, werden selbst Mileys kleine Ausbrüche - denn das sind ihre wilderen Outfits und Bühnenshows immer noch - als Warnzeichen verstanden.

Absturz à la Britney Spears

Deshalb gab es auch schon den Totschlagvergleich: Macht Miley Cyrus jetzt die Britney Spears, sprich den schlimmsten anzunehmenden Absturz aus dem Pophimmel? Da ist Miley Cyrus dann wirklich plötzlich sehr erwachsen und wunderbar schlagfertig: "Wenn dieser Vergleich gezogen wird, kann man ihn auf zwei Arten nehmen: Britneys Negativschlagzeilen wären es ein negativer Kommentar. Nimmt man aber die Tatsache, dass sie Millionen Platten verkauft hat, dass sie Stadien füllt, dann ist es ein großes Kompliment. Das nehme ich." Und das meint sie ernst.

Nach mehr als einem Drittel ihres kurzen Lebens im Goldfischglas der Aufmerksamkeit hat sich Miley Cyrus eigentlich ganz gut gehalten. Geschichten wie die aus dem Londoner Nachtclub, in dem sie gerade aufgetreten ist und angeblich eine Tänzerin geknutscht hat, wofür sie sich vor dem US-Publikum rechtfertigen musste, dienen wohl mehr der PR als der Selbstfindung.

Bei der steht als nächstes das Remake des französischen Kinofilms "LOL" an. Eine moderne Version von "La Boum" mit einer Tochter, die sich durch den Sex- und Drogendschungel der Pubertät im neuen Jahrtausend schlägt. Angeblich werde nichts beschönigt, verspricht Cyrus: "Es ist eine unabhängige Produktion. Deshalb bleibt alles drin, all diese Szenen und intimen Momente. Wir wollen es nicht amerikanisieren oder konservativer machen. Das ist ein Realitycheck für Eltern. Die müssen ihren Kindern erlauben erwachsen zu werden und Fehler zu machen". Das dürfte vielen Fans, die irgendwie auch immer Eltern sind, schwerfallen.