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Jackson-Prozess: Die Farbe der Unschuld

Zum Beginn seines Prozesses ist Michael Jackson demonstrativ in weiß - der Farbe der Unschuld - erschienen. Die Auswahl der Geschworenen, die über das Schicksal des Popstars bestimmen werden, beeinflusste das nicht.

Zum Auftakt des Prozesses gegen Popstar Michael Jackson hat das Gericht in Kalifornien mit der Auswahl der Geschworenen begonnen. Am Montag erschienen in zwei Gruppen insgesamt 300 Kandidaten, weitere 450 sollen bis Mittwoch folgen. Aus ihrem Kreis werden die zwölf Geschworenen und acht Ersatzmitglieder ausgewählt, was mehrere Wochen dauern kann. Richter Rodney Melville erklärte den Kandidaten, dass sie dem Gericht für rund sechs Monate zur Verfügung stehen müssten.

"Die Freiheit gibt es nicht umsonst", sagte Melville in Santa Maria. "Der Dienst als Geschworener ist Teil des Preises der Freiheit." Die ersten beiden Gruppen bestanden überwiegend aus Weißen, etwa ein Viertel waren Latinos, nur wenige Schwarze. Viele Kandidaten äußerten sich zurückhaltend über ihre Bereitschaft, als Geschworene zu fungieren. 138 baten darum, von der Jurypflicht entbunden zu werden. Als Gründe nannten sie Schwangerschaft, Befangenheit, hohes Alter oder pflegebedürftige Angehörige. Diejenigen, die das Gericht als mögliche Kandidaten heranzieht, müssen zunächst Fragebögen ausfüllen und werden dann von Staatsanwaltschaft und Verteidigung einzeln befragt.

Bis zu 20 Jahre Haft

Michael Jackson werden vor Gericht in zehn Anklagepunkten unzüchtige Handlungen, Kindesentführung, Erpressung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Sollte er verurteilt werden, drohen dem Popstar bis zu 20 Jahre Haft.

In einer am Sonntag verbreiteten Video-Botschaft auf seiner Web-Site hatte der Popstar die Vorwürfe als falsch und geschmacklos zurückgewiesen. "In den vergangenen Wochen ist eine ganze Menge an schmutzigen, bösartigen Informationen in den Medien über mich verbreitet worden", sagte Jackson. "Ich werde freigesprochen und rehabilitiert, wenn die Wahrheit ans Licht kommt", beteuerte Jackson.

Auftritt ganz in weiß

Zum Prozessbeginn erschien der 46-Jährige ganz in weiß, der Farbe der Unschuld, vor Gericht. Nach Medienberichten wirkte Jackson während der sechs Stunden langen Vorführung der Kandidaten sehr entspannt und schmunzelte gelegentlich über deren Äußerungen. Im Gegensatz zu früheren Gerichtsauftritten musste der Popstar diesmal auf Familienverstärkung verzichten. Aus Platzmangel bei der Jury-Auswahl wollte der Richter nur den Angeklagten, nicht aber dessen Eltern und Geschwister im Gerichtssaal zulassen. Nach Angaben seiner Sprecherin sorgt sich der Sänger, dass der Fall zu einem "Zirkus" ausarten könnte.

Dutzende Fans versuchten am Montag vor dem Gericht, Jackson durch Transparente und Anfeuerungsrufe zu unterstützen. "Frankreich unterstützt MJ" und "Wir glauben dir, Michael" stand auf Plakaten. Einige der Fans hatten trotz Kälte vor dem Gerichtsgebäude übernachtet.

BBC-Dokumentation als Beweismittel zugelassen

Die "heiße" Prozessphase mit Zeugenaussagen beginnt voraussichtlich im März. Als Hauptzeuge der Anklage ist der mittlerweile 15 Jahre alte Junge vorgesehen, der Jackson vorwirft, ihn im Frühjahr 2003 sexuell missbraucht zu haben. Als Beweismittel sind mehrere Dutzend Zeitschriften und Videos mit sexuellem Inhalt zugelassen, die bei einer Razzia auf Jacksons Ranch sichergestellt worden waren. Der Richter Melville hatte zudem am Freitag entschied, dass eine TV-Dokumentation des britischen Senders BBC den Geschworenen als Beweismaterial gezeigt werden könne. In dem 2003 ausgestrahlten Bericht war Jackson Hand in Hand mit dem damals 13-jährigen und sich von einer Krebserkrankung erholenden Jungen, der das Verfahren gegen den Musiker ins Rollen brachte, zu sehen.

Starverteidiger Thomas Mesereau werde Jackson vermutlich persönlich in den Zeugenstand holen, berichtete die "Santa Barbara News Press". Die Rechts-Expertin Laurie Levenson hat dabei gemischte Gefühle. Jackson sei schließlich "ein bisschen seltsam", aber "er denkt sich sicher, wenn ihn die Leute besser kennen lernen, dass sie dann eine andere Seite sehen."

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters