Jackson-Prozess Frühere Missbrauchsvorwürfe zugelassen


Richter Rodney Melville hat entschieden, dass im laufenden Missbrauchsprozess gegen Michael Jackson auch Anschuldigungen wegen sexueller Belästigungen von Kindern aus den 90er Jahren als Beweismaterial benutzt werden dürfen.

"Ich werde Aussagen zulassen, die sich auf sexuelle Vergehen ... des Angeklagten beziehen", sagte Richter Rodney Melville am Montag. In dem Prozess in Santa Maria wird Jackson vorgeworfen, im Februar und März 2003 mindestens zwei Mal sexuelle Handlungen an einem Jungen vollzogen zu haben. Damit kann die Staatsanwaltschaft jetzt auch andere junge Männer, die in der Vergangenheit angeblich von dem Popstar belästigt wurden, in den Zeugenstand des Gerichts rufen. Rechtsexperten sehen in dem Richterspruch eine empfindliche Niederlage für "Jacko". Sollte der Popstar in allen zehn Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, drohen ihm mehr als 20 Jahre Haft.

Damals außergerichtlich geeinigt

Zu den insgesamt sieben Zeugen, die die Staatsanwaltschaft der Jury vorführen will, dürfte auch ein junger Mann aus Los Angeles gehören, der 1993 als damals 13-Jähriger von Jackson verführt und anschließend mit einer Millionen-Zahlung zum Schweigen verpflichtet worden sein soll. Außerdem will Staatsanwalt Tom Sneddon den Sohn einer Haushälterin auf Jacksons Neverland Ranch vernehmen, der Anfang der 1990er Jahre angeblich von den Popstar missbraucht worden sein soll. Die Verteidigung hat dies zurückgewiesen und erklärt, die Zeugen hegten alle einen Groll gegen den Musiker.

Der Rechtsexperte und Staatsanwalt aus San Diego, Gary Gibson, sieht Jackson so gut wie "geliefert", wenn diese jungen Männer glaubhafte Aussagen gegen den Sänger vorbringen sollten, wie er der "Los Angeles Times" erklärte. Der Anklage werden die neuen Zeugen den Rücken stärken bei ihrem Versuch, Jackson als langjährigen Pädophilen darzustellen, kommentierte Gibson, der selbst im Prozess keine Rolle spielt.

Staatsanwalt sieht in ihm langjährigen Pädophilen

Jackson ist angeklagt, 2003 einen damals 13 Jahre alten Jungen sexuell missbraucht zu haben. Er muss sich in zehn Anklagepunkten wegen unzüchtiger Handlungen, Kindesentführung und Freiheitsberaubung verantworten. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Der Popstar selbst sieht sich als Opfer einer Verschwörung gegen Schwarze, wie er in einem Interview mit dem Bürgerrechtler Jesse Jackson sagte. Nach Angaben von US-Medien verwies Michael Jackson, der ebenso wie alle anderen Prozessbeteiligten Redeverbot gegenüber der Presse hat, auf andere Prominente wie den früheren Präsidenten von Südafrika, Nelson Mandela, und den ehemaligen Boxchampion Mohammed Ali, die wegen ihrer Hautfarbe ebenfalls zu Unrecht angeklagt worden seien.

DPA, AP AP DPA

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