morgenstern
Wie kriegt Deutschland sein Bauchfett weg? Das kann man von Japan lernen

Bauchfettmessung mit Maßband
Das Bauchfett ist ein sehr aktives Gewebe. Es soll, so besagen Studien, krankmachende Entzündungen im Körper regelrecht anheizen
© dpa
Das Bauchfett wird in Japan vom Arbeitgeber kontrolliert, Gesundheitsministerin Warken will die Kassen entlasten. Und: SOS-Kinderdörfer im finanziellen Chaos. Die Lage am Morgen.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der Stadtteil von Tokio, in dem ich für die Zeit meiner derzeitigen Dienstreise wohne, heißt Toshima City. Ein paar Hundert Schritte von meinem Apartmenthaus entfernt liegt der Mejirodai Sportpark. Nach der Arbeit gehe ich da gerne spazieren. Heute trainierten mehrere Schulklassen auf den Baseball-Plätzen. Sie feuerten sich laut an und schrien, wenn ein Spieler den Ball mit einem satten Plopp über das Feld zurückschlug. Während ich zuschaute, fiel mir auf: Nicht ein Kind auf dem Sportplatz war übergewichtig. Später in der vollen U-Bahn ein ähnliches Bild. Die Frauen und Männer in Tokio sind auffallend schlank. Die Gründe sind klar. Japaner ernähren sich ziemlich gesund, viel Fisch und Algen. Und sie gehen oft und weite Strecken zu Fuß. 

Aber es steckt noch mehr dahinter: Seit 2008 ist in Japan das „Metabo-Gesetz“ (Metabolisches Gesetz) in Kraft. Es ist eine Maßnahme zur Bekämpfung von Übergewicht und damit verbundenen Krankheiten. Zielgruppe sind Erwachsene ab dem 40. Lebensjahr. Arbeitgeber und lokale Behörden sind verpflichtet, im Rahmen der jährlichen Gesundheitsuntersuchungen den Taillenumfang der Mitarbeiter zu messen. Die Zielwerte dafür liegen bei 85 cm für Männer und 90 cm für Frauen. So soll vor allem das besonders ungesunde Bauchfett entdeckt werden.

Mit Messungen soll das besonders ungesunde Bauchfett entdeckt werden

Übergewicht selbst ist zwar nicht direkt illegal oder strafbar. Es drohen auch keine unmittelbaren Strafen. Aber die Arbeitgeber können dazu verpflichtet werden, höhere Beiträge in das staatliche Gesundheitssystem einzuzahlen. Außerdem werden Schulungen und Ernährungsberatung für die betroffenen Personen angeboten. Die Maßnahmen zielen darauf ab, Menschen zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren. 

Man stelle sich vor, Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) würde einen solchen Vorschlag äußern. Die Hölle bräche über ihr los. Warken versucht ja gerade mit recht konventionellen Ideen, das deutsche Gesundheitssystem vor dem drohenden Finanzkollaps zu retten. Gestern stellte eine Expertenkommission 66 Maßnahmen vor, um die gesetzlichen Krankenkassen finanziell zu entlasten. Diskutiert werden vor allem Sparmaßnahmen. Zum Beispiel sollen Fallpauschalen und die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern abgeschafft werden. 

Ja, klar, es muss gespart werden. Aber vielleicht wäre es auf längere Sicht besser, andere Anreize zu schaffen. Indem auch in Deutschland mehr Geld für Prävention, Aufklärung und Sportförderung ausgegeben wird. Denn Übergewicht kostet oft nicht nur Lebensjahre, sondern auch in der Behandlung der Folgekrankheiten viel Geld. 

In Japan zeigt das auf jeden Fall Wirkung, hier bieten Unternehmen für ihre Mitarbeiter gemeinsame Gymnastik an und veranstalten zahlreiche Sportwettbewerbe. Die Japaner haben im weltweiten Vergleich der Industrieländer eine der geringsten Übergewichtsquoten. Lediglich zwischen 3,7 bis 5,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind stark übergewichtig. Zum Vergleich: In Deutschland sind das bis zu 23 Prozent.

Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, während meiner Zeit in Tokio, den japanischen Lebensstil zu kopieren. Wenn Sie Lust haben, dann machen Sie doch mit. Ich habe zum Beispiel heute früh meine Zähne auf einem Bein stehend geputzt. Das stärkt die Kraft und das Gleichgewicht. Probieren Sie es aus.

SOS-Kinderdörfer – ein Blick in den Abgrund

Ein besonders erschütternder Bericht ist der meiner Kollegen Lutz Meier und Nadine Oberhuber. Von jeher vertrauen die Deutschen ihr Geld den SOS-Kinderdörfern an. Exklusive Recherchen zeigen nun eine Organisation, die Missbrauchsvorwürfe verschleppt und finanziell überfordert ist. 

Tatsächlich versinkt eine der größten und bekanntesten Hilfsorganisationen der Welt seit Monaten in einem Strudel aus Misswirtschaft und Intrigen, Klüngelei und einem seit Jahrzehnten schwelenden Missbrauchsskandal, der nur zögerlich aufgeklärt wird.

5-Minuten-Talk: Operation gelungen, Patient tot?

483 Seiten lang ist der Bericht, den die Kommission zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung gestern vorgelegt hat. Er enthält 66 konkrete Vorschläge, mit denen sich Geld im Gesundheitssystem einsparen ließe, um die Löcher in den Kassen der Kassen zu stopfen und zu verhindern, dass die Beiträge weiter steigen. Jetzt muss Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) liefern. Hat sie die Kraft, um die Lobbys von Ärzten, Kliniken und Pharmakonzernen in die Schranken zu weisen? Den Mut, auch den Patienten Kürzungen zu verordnen? Darüber diskutiert stern-Politikchef Jan Rosenkranz heute mit stern-Expertin für Gesundheitspolitik Lisa Becke.

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Unsere stern+-Empfehlung des Tages

Frauen und ihre Muskeln sind ein wichtiges Thema. Das habe ich am eigenen Leib erfahren. Lange war ich Läuferin – vor ein paar Jahren bin ich zum Krafttraining gewechselt. Der Beginn einer einschneidenden Veränderung: Nicht nur mein Körper wurde stärker – auch mental löste der Neustart bei mir viel aus. 

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Alexandra Kraft

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