Es ist ein ungewöhnlicher Schritt für einen der umstrittensten Künstler unserer Zeit: Kanye West (48), der sich inzwischen nur noch Ye nennt, hat am Montag eine ganzseitige Printanzeige im renommierten "Wall Street Journal" veröffentlicht. Darin wendet er sich direkt an alle, die er in den vergangenen Jahren verletzt hat - mit einer umfassenden Entschuldigung.
Der Rapper, der einst als musikalisches Genie gefeiert wurde, räumt darin ein, sich "psychotisch, paranoid und impulsiv" verhalten zu haben. Seine Erklärung: Ein schwerer Autounfall im Jahr 2002, bei dem sein Kiefer brach, habe auch sein Gehirn geschädigt - ohne dass dies damals erkannt wurde.
"Vor 25 Jahren hatte ich einen Autounfall, der meinen Kiefer brach und den rechten Frontallappen meines Gehirns verletzte", schreibt West in seinem offenen Brief, wie "Vanity Fair" berichtet. "Damals konzentrierte man sich auf die sichtbaren Schäden - den Bruch, die Schwellung, das unmittelbare körperliche Trauma. Die tiefere Verletzung in meinem Schädel blieb unbemerkt."
"Habe den Bezug zur Realität verloren"
Erst 2023 sei diese Verletzung des Frontallappens diagnostiziert worden, so der Musiker. West ist überzeugt, dass sie zu einer bipolaren Störung vom Typ 1 beigetragen hat, die 2016 offiziell festgestellt wurde. Lange Zeit hatte er die Diagnose angezweifelt und stattdessen behauptet, er leide an Autismus.
In seinem Statement beschreibt West, wie sich die bipolare Störung auf sein Denken auswirkt. "Eine bipolare Störung bringt ihr eigenes Abwehrsystem mit sich: Verleugnung", erklärt er laut "The U.S. Sun". "Wenn man manisch ist, glaubt man nicht, dass man krank ist. Man denkt, alle anderen übertreiben. Man fühlt sich, als würde man die Welt klarer sehen als je zuvor - während man in Wahrheit den Halt komplett verliert."
Der Musiker gesteht offen ein: "Ich habe den Bezug zur Realität verloren. Je länger ich das Problem ignorierte, desto schlimmer wurde es. Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich zutiefst bereue. Die Menschen, die ich am meisten liebe, habe ich am schlimmsten behandelt."
Besonders brisant: West spricht auch seine antisemitischen Äußerungen an. Er habe sich in seinem "gebrochenen Zustand" zum "zerstörerischsten Symbol hingezogen gefühlt, das ich finden konnte - dem Hakenkreuz" und sogar T-Shirts damit verkauft. "Ich bereue meine Handlungen in diesem Zustand zutiefst und bin entschlossen, Verantwortung zu übernehmen, mich behandeln zu lassen und mich grundlegend zu ändern. Es entschuldigt jedoch nicht, was ich getan habe. Ich bin kein Nazi oder Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen", betont er. Auch an die Schwarze Community richtet er sich: "Die Schwarze Gemeinschaft ist zweifellos das Fundament dessen, wer ich bin. Es tut mir so leid, euch enttäuscht zu haben."
West enthüllt zudem, dass er Anfang 2025 in eine viermonatige manische Episode geraten sei, die sein Leben zerstört habe. Seine Ehefrau Bianca Censori (31) habe ihn schließlich ermutigt, sich Hilfe zu suchen, "als ich vor einigen Monaten den Tiefpunkt erreicht hatte". Er habe durch Medikamente, Therapie, Bewegung und einen gesunden Lebensstil ein neues Gleichgewicht erreicht und wolle seine Energie nun in positive Dinge wie Kunst und Design stecken.