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Kindesmissbrauch: „Michael Jackson hat seine Chance gehabt“

Sollten sich die Anschuldigungen des Kindesmissbrauches gegen Michael Jackson bewahrheiten, dürfte das das Karriereende des "King of Pop" bedeuten. Ein Rückblick auf die Karriere.

Der erste Vorwurf des Kindesmissbrauchs gegen Michael Jackson wurde schon vor zehn Jahren laut. Seitdem gelang es dem Popstar immerhin noch, zwei Platin-Alben und eine Hand voll Hits zu veröffentlichen. Doch seine Fangemeinde schrumpfte deutlich, und die Öffentlichkeit machte sich immer hemmungsloser über sein bizarres Aussehen und Verhalten lustig. Mit der jetzt drohenden Verhaftung steht seine Karriere womöglich vor dem endgültigen Aus.

Radiosender boykottieren Michael Jackson

"Ich bin sehr gespannt, wie das Publikum reagieren wird", sagte Jeff Z., Programmdirektor des New Yorker Radiosenders WKTU. "Wenn die Beschuldigungen wahr sind, werden wir vermutlich alle Michael-Jackson-Songs aus dem Programm nehmen." Mehrere deutsche Radiosender taten das bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe am Mittwoch.

Just am Dienstag, dem Tag der Durchsuchung von Jacksons Neverland-Ranch in Kalifornien, erschien sein neues Greatest-Hits-Album mit dem Titel "Number Ones". Nachdem am Tag darauf der Erlass eines Haftbefehls gegen den Popstar bekannt wurde, dürfte die Platte jetzt nicht mehr die besten Verkaufschancen mehr haben. Bereits Jacksons jüngste Single "One More Chance" schaffte es nicht einmal mehr in die Billboard Top 100.

<zwriti>Erster Karriere Rückschlag 1993

Schon vom ersten großen Rückschlag für seine Karriere 1993 hatte sich Jackson nie wieder erholen können. Damals erhob ein 13 Jahre alter Junge den Vorwurf, der Sänger habe ihn sexuell belästigt. Jackson wies dies zwar zurück und beteuerte seine Unschuld. Im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung soll er aber mehrere Millionen Dollar an den Jungen bezahlt haben.

Mit seinem exzentrischen Verhalten trug Jackson weiter dazu bei, dass ihm immer mehr Fans aus Zeiten des 1982 erschienenen Erfolgsalbum "Thriller" den Rücken kehrten. So wurde unter anderem bekannt, dass er in einem Sauerstoffzelt schläft und seine Kinder nicht ohne Schutzmasken aus dem Haus lässt. Jacksons Verhalten in der Öffentlichkeit wurde immer merkwürdiger und undurchsichtiger. Hinzu kamen die drastische Aufhellung seiner Hautfarbe und zahllose Schönheitsoperationen, die sein Gesicht in den Augen vieler zur gruseligen Maske verkommen ließen.

Ehe mit Lisa Presley reiner PR-Trick

1995 startete der "King of Pop" mit dem Doppelalbum "HIStory" einen Comeback-Versuch. Die Platte verkaufte sich zwar mehr als zwei Millionen Mal, brachte jedoch nur einen größeren Hit hervor, "You Are Not Alone", und galt als kommerzielle Enttäuschung. Befremdlich wirkte auf viele Fans Jacksons Heirat mit der Krankenschwester Deborah Rowe, aus der zwei Kinder hervorgingen. Die vorangegangene Kurzehe mit Elvis-Tochter Lisa Marie Presley wurde als reiner PR-Trick wahrgenommen.

Seitdem machte Jackson mit so vielen Skurrilitäten, Fehltritten und Blamagen von sich reden, dass der Überblick leicht verloren geht. Vor einem Jahr sorgte er weltweit für Empörung, als er sein Baby Prince MichaelII. vom Balkon eines Berliner Hotels baumeln ließ. Bei der Verleihung der MTV Awards im August 2002 bedankte er sich für einen Preis, den er gar nicht erhalten hatte. Während eines Prozesses im Dezember quietschte er im Gerichtssaal mehrfach ins Mikrofon und schnitt den Zuschauern Grimassen.

In einem Interview des Fernsehsenders ABC sagte Jackson Anfang des Jahres, er habe schon mit vielen Kindern in einem Bett geschlafen und tue dies nach wie vor gerne. Es sei "bezaubernd" und "süß". Er habe dabei jedoch keine sexuellen Hintergedanken. "It’s not sexual", sagte er wörtlich.

Neid vieler Stars

Vor diesem Hintergrund feierte Jackson trotzdem noch Erfolge, um die ihn viele Stars beneiden würden. Er wurde zwei Mal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen (einmal als Mitglied der Jackson Five), erhielt eine kaum zu überschauende Zahl von Auszeichnungen, und viele prominente Freunde hielten ihm die Treue. Sein letztes Album "Invincible" aus dem Jahr 2001 ging noch zwei Millionen Mal über den Ladentisch.

Der einzige neue Titel auf seinem "Number-One"-Album, "One More Chance" wurde von dem R&B-Sänger R. Kelly produziert, der in mehreren Fällen der Kinderpornografie beschuldigt wird. Die meisten Radiostationen in den USA vermieden es, den Song überhaupt zu spielen. Selbst der Sender WKTU, auf dem laut Programmdirektor Jeff Z. ansonsten viele Jackson-Lieder zu hören sind, ließ die Finger von "One More Chance".

"Mein Publikum hat nicht wirklich auf die neue Single gewartet", erklärte Jeff Z. "Wir wollten abwarten, wie gut sie ankommen wird und in welchem Licht er (Jackson) da draußen erscheinen wird." Angesichts des drohenden Prozesses gegen den Musiker dürfte an seinem Ruf möglicherweise bald nichts mehr zu retten sein. "Jeder bekommt eine Chance", sagte Jeff Z. "Und ich denke, Michael Jackson hat seine Chance gehabt."

Nekesa Mumbi Moody
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