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Hells Angel: Danke, Madonna! Deinetwegen haben wir alle besseren Sex

Seit fast vier Jahrzehnten sorgt Madonna zuverlässig für einen (Sex-)Skandal nach dem anderen – und macht die Welt damit zu einem freieren, toleranteren Ort. Dank ihr haben wir sogar alle besseren Sex. Jetzt wird sie 60. Zeit, aufzuhören?!

Madonna

Einmal schlecken, bitte! Madonna provoziert.

DPA

Zugegeben, der "Mythos " hat in den letzten Jahren ein wenig, äh, Botox angesetzt. In Würde altern ist halt nicht leicht, wenn dein Körper zeitlebens dein größtes Kapital und du ein Sexsymbol warst. Sharon Stone oder Jane Fonda haben das geschnallt. Bei Madonna hingegen dachte man in letzter Zeit ja öfter mal: "Autsch! Nicht doch, Madge …", wenn sie bei Instagram, auf dem roten Teppich oder bei einem ihrer Konzerte mal wieder blank zog.

"Ja, ich liebe es zu provozieren", erklärt sich Madonna selbst. "Das ist in meiner . Aber in neun von zehn Fällen steckt auch etwas dahinter." Wie neulich, als Madonna in Istanbul ihre Brust entblößte – angeblich, um türkische Frauen ermutigen, dagegen zu demonstrieren, dass das Abtreibungsrecht verschärft wird. Einer ihrer Kritiker nannte es den "peinlichsten, beschämendsten, verzweifeltsten Moment der Pop-Historie".

Live in den Schritt 

Das klingt erst mal hart, dürfte die "Queen of Pop" allerdings nicht sonderlich aus der Ruhe bringen. Kritik ist ihr täglich , ihr Benzin. Als Madonna 1985 während ihrer "Like a Virgin"-Tour so tat, als würde sie live on stage masturbieren, prophezeite ihr Manager: "Das war’s mit deiner Karriere!" Tatsächlich ging es danach erst richtig ab. Heute ist Madonna die reichste Frau im Musikbiz (geschätztes Vermögen: 1 Milliarde Dollar) und immer noch die erfolgreichste Pop-Künstlerin aller Zeiten. 

 "Es macht dich nicht besonders beliebt, eine Rebellin zu sein", hat Madonna einmal gesagt. "Im Gegenteil: Du wirst als Freak abgestempelt. Jemand, der gefährlich ist und Ärger macht."

Ich mag die Sorte Ärger, die Madonna verursacht: Mit ihren gezielten Provokationen machte sie stets auf sexistische, verlogene und diskriminierende Verhaltensmuster in unserer Welt aufmerksam. In der "NY Times" lobte die US-Kunst- und Kulturhistorikern Camille Paglia einst Madonnas Art, ihre Schönheit und ihren Sex-Appeal einzusetzen einmal als "die Zukunft des Feminismus". Sie brachte uns dazu, über Sex zu reden ("Express yourself, don’t repress yourself!"). Und erweiterte unseren erotischen Horizont, indem sie Drag Queens und Transsexuelle zu Stars in ihren Videos machte oder in ihrem legendären Bildband "Sex" alle möglichen Spielarten der Liebe wie z. B. BDSM aus der Schmuddelecke holte. Das war 1990!

Weil Madonna es kann

Auch privat nahm sich unser Geburtstagskind der Woche stets das, was es wollte: Mit 35 sehnte sich Madonna nach einem Baby – und verführte ihren Fitnesstrainer. Mit 40 begehrte sie den verheirateten Regisseur Guy Richie – und er verließ seine Ehefrau kurz darauf mit den berühmten Worten: "Ich liebe dich. Aber SIE ist Madonna!"

Frisch verheiratet knutschte Madonna (um ihr neues Album zu promoten) live im Fernsehen mit den beiden Popschnuckelchen Britney Spears und Christina Aguilera – nicht nur Wahnsinns-PR, sondern auch ein Segen für die LGBT-Bewegung. Mit 45 wünschte sich Madonna ein Adoptivkind – und bekam nach langem Kampf die kleine Mercy aus Malawi.

Bis heute adoptierte die Sängerin noch drei weitere Kids. Einen Partner hat sie aktuell nicht, aber ein Faible für zwanzigjährige Toyboys.

Warum? Weil sie es kann.

Da wird natürlich wieder gemeckert. Ihre einstige Bewunderin Camille Paglia kritisierte Madonna gerade für ihren Jugendwahn: "Alternde Stars müssen einen Weg finden, als Person zu reifen." Madonna sei "süchtig nach Provokationen" wie bei der letzten Met Gala, wo sie "mit einem hochgeschnallten, nackten Hinterteil und Klebeband auf ihren Nippeln" aufgekreuzt sei. Sie stecke in einer Midlife Crisis und solle doch bitte den Jungen das Feld überlassen.

Nackt als Oma

Aber, hey, glaubt ihr wirklich, dass sich Madonna davon (noch) irritieren lassen wird? Vor Kurzem ließ sich das "Material Girl" erst oben ohne für das "Interview"-Magazin ablichten. Sie wird es vermutlich auch noch mit 80 tun.

Wir dürfen also gespannt sein, mit was uns der erfolgreichste "Freak" der Musikgeschichte als Nächstes überraschen wird. Ich hoffe sehr, dass es nicht um eine weitere Schönheitsoperation handeln wird. Denn die hast du – da muss ich Mrs. Paglia recht geben – echt nicht nötig, Madge.

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