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Moshammer-Mörder: Lebenslang für Herisch A.

Im Prozess um den Tod des Modeschöpfers Rudolph Moshammer hat das Münchener Schwurgericht den angeklagten Herisch A. zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert. Eine Revision ist wahrscheinlich.

"Sie haben heimtückisch, aus Habgier und zur Ermöglichung eines Raubes getötet", sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl in der Urteilsbegründung. Zudem stellte er eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung bereits nach 15 Jahren verhindert. Damit entsprach das Gericht dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft. Die Anwälte des 26-jährigen A. kündigten Revision an. Der im Irak geborene Kurde zeigte sich von dem Urteil sichtlich betroffen.

In dem Prozess hatte Herisch A. eingeräumt, den exzentrischen Moshammer im Januar in dessen Haus im Münchner Nobelvorort Grünwald mit einem Kabel erdrosselt zu haben. Moshammer soll regelmäßig in seinem Rolls Royce in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs auf der Suche nach Sex-Partnern gewesen sein und junge Männer in sein Haus mitgenommen haben - so auch Herisch A. in der Tatnacht. Nach Aussage des Angeklagten kam es im Haus seines Opfers zum Streit über bestimmte sexuelle Wünsche des Modeschöpfers, in dessen Verlauf er den aggressiven Moshammer mit einem herumliegenden Kabel erdrosselt habe.

Keine Kampfspuren

Das Gericht sah es dagegen als erwiesen an, dass der Angeklagte den arglosen Moshammer von hinten und damit heimtückisch erdrosselt hat. "Eine Auseinandersetzung zwischen Rudolph Moshammer und Ihnen hat nicht statt gefunden", sagte Götzl. Bei einem offenen Angriff hätte sich Moshammer sicher stark gewehrt. An dessen Leiche und in der Wohnung habe es aber keine Kampfspuren gegeben.

Der Auffassung des Gerichts zufolge durchstöberte A. auf der Suche nach Geld Schränke, während Moshammer im Badezimmer war. Dort habe er ein Kabel entdeckt und beschlossen, ihn zu töten, um den Modemacher anschließend auszurauben. Habgier sei ein maßgebliches Motiv für die Tat gewesen, sagte Richter Götzl. Als Moshammer zur Treppe gegangen sei, weil er Herisch A. nach Hause fahren wollte, habe dieser ihm das Kabel von hinten um den Hals geschlungen und so fest zugezogen, dass es schließlich riss.

Gericht wertet Aussage nicht als Geständnis

A. habe seinem Opfer einen Todeskampf von mindestens fünf Minuten bereitet, sagte Götzl. Anschließend habe er aus der Jacke des leblosen Moshammer mehrere hundert Euro genommen. Schmuck und Wertgegenstände in der Villa habe er aus Angst vor einer Identifizierung unberührt gelassen.

Zur besonderen Schwere der Schuld führte der Richter an, dass drei Mordmerkmale erfüllt seien. Außerdem habe A. kein vollständiges Geständnis abgelegt und kaum Reue gezeigt. "Am ersten Prozesstag haben Sie Herrn Moshammer die ganze Schuld von A bis Z zugeschoben", sagte Götzl.

Der angeklagte A. reagierte sichtlich schockiert auf das Urteil. Er folgte der Urteilsbegründung mit gesenktem Kopf und wischte sich mehrmals mit der Hand über das Gesicht. Nach dem Urteil blieb er reglos mit Tränen in den Augen sitzen.

"Die Beweislage war eindeutig"

Staatsanwalt Martin Kronester, der in seinem Plädoyer ähnlich wie das Gericht argumentiert hatte, zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. "Die Beweislage war eindeutig", sagte er.

A.s Anwälte, die auf eine Strafe von knapp über zehn Jahren wegen Totschlags plädiert hatten, kündigten Revisionsantrag an. Sie seien überzeugt, dass die Mordmerkmale nicht erfüllt seien, erklärten die Verteidiger Adam Ahmed und Jürgen Langer. Sie betonten, dass A. die Tat bereue.

Als Teilerfolg wertete Langer, dass das Gericht sein Urteil auf objektive Kriterien und nicht auf die polizeiliche Vernehmung A.s gestützt habe. Bei dieser Vernehmung war A. eine ältere DNA-Probe vorgehalten worden, die nach Meinung der Anwälte rechtswidrig gespeichert worden war. "Die Luft wird dünn, wenn das Gericht anhand objektiver Kriterien ein Urteil schreiben muss", sagte Langer. A. war zwei Tage nach der Tat festgenommen worden, da die Ermittler durch eine mit der älteren DNA-Probe übereinstimmende Spur auf seine Fährte gekommen waren.

Dutzende Fernsehteams und Fotografen drängten sich zu Beginn der Urteilsverkündung in dem Sitzungssaal. 200 Zuhörer waren gekommen, einige saßen sogar auf dem Boden. Während sich einige der Schaulustigen und Moshammer-Fans zufrieden mit dem Urteil zeigten, bewerteten andere sie als zu hoch oder als ungerecht.

Anna Holzer/Reuters / Reuters