HOME

Niedergang einer Werbe-Ikone: Die Pooth ist nicht mehr sexy genug

Von der Werbeikone zur Kosmetik-Verkäuferin: Verona Pooths Präsenz als Werbeträgerin sinkt rapide. Schuld ist nicht ihre Steueraffäre, sondern ihr Imagewandel vom sexy Luder zur biederen Ehefrau.

Von Jens Maier

"Wann macht er denn endlich 'Blubb'?" und "Da werden Sie geholfen": Diese Sätze sind uns allen in Erinnerung geblieben. Es sind Werbeslogans von Verona Pooth, die inzwischen Kultstatus erlangt haben. Mit dem ersten hat sie 2001 für Spinat Werbung gemacht, mit dem zweiten verriet sie uns 2005, welche Telefonauskunft die beste sein soll. Millionen von Euro hat Verona Pooth mit Werbung verdient. Mit teilweise mehreren Verträgen gleichzeitig galt sie als die Werbeikone des deutschen Fernsehens.

Tiefkühlkost-Hersteller Iglu, die Telefon-Auskunft Telegate, Shampoo-Hersteller Schwarzkopf, der Otto-Versand und Schwartau-Marmelade waren Firmen, deren Produkte Verona Pooth bereits ihr Gesicht lieh. Daneben hat sie erfolgreich ihre eigenen Kalender, Schuhe und ihre Dessous-Kollektion "Verona's Dreams" vermarktet. Von ihren vielen Werbeauftritten im Fernsehen ist kaum etwas übrig geblieben. Versetzt ihr die Steueraffäre den Todesstoß als Werbestar?

Schwartau verlängert Vertrag nicht

Die bayrische Brauerei Paulaner hat einen Werbespot mit Verona Pooth vorerst auf Eis gelegt. "Ja, wir haben 2008 mehrere Werbespots für unser Hefeweißbier gedreht, einen davon mit Verona Pooth", bestätigt ein Sprecher stern.de. Derzeit sei die Ausstrahlung aber nicht in der Planung vorgesehen. Einen Zusammenhang mit der Steuerrazzia wollte der Sprecher nicht herstellen, es könne aber durchaus sein, dass der Spot gar nicht mehr gesendet werde. "Wir haben keine dauerhafte vertragliche Bindung mit Frau Pooth wie zum Beispiel mit Waldemar Hartmann", sagt er. Es hätte nur diesen einen Spot gegeben.

Auch für Schwartau-Marmelade wirbt Verona Pooth nicht mehr. Bei der Markteinführung des Fruchtaufstrichs "Fruttissima" hatte sie 2008 mehrere Werbespots gedreht. Der Deal kam trotz der Steueraffäre ihres Mannes Franjo zustande. Im Februar 2009 ist der Werbevertrag mit dem schleswig-holsteinischen Marmeladen-Hersteller allerdings ausgelaufen. Eine Verlängerung des Vertragsverhältnisses sei in naher Zukunft nicht angedacht, bestätigt eine Sprecherin stern.de. Pooths Management, die Lara Enterprises GmbH, wollte auf Nachfrage keine Auskunft über laufende Verhandlungen oder noch bestehende Werbeverträge geben.

Werbeexperte: Veronas Stern ist am Sinken

Trendforscher und Werbeexperte Peter Wippermann wundert das nicht. Seiner Meinung nach hat die aktuelle Steueraffäre aber nur wenig Einfluss auf Verona Pooths Marktwert als Werbeträgerin. Der Gründer und Gesellschafter der Hamburger Beraterfirma Trendbüro glaubt, dass ihr Stern als Werbeikone ohnehin schon lange Zeit am Sinken ist. "Sie hat ihre nationale Popularität eingebüßt", sagte Wippermann. Ihre großen Erfolge wie der "Blubb"-Werbespot lägen viele Jahre zurück, das sei der Höhepunkt ihrer Karriere gewesen. "Seitdem stelle ich eine sinkende Tendenz ihrer Aufmerksamkeit fest. Diese ist aber entscheidend für ihren Marktwert als Werbeträgerin", erklärt Werbeexperte Wippermann.

Dabei habe sie die Krise in der Steueraffäre um ihren Mann und ihre eigene Steuerrazzia eigentlich mit Bravour gemeistert. "Sie hat in schweren Zeiten zu ihrem Mann gestanden und der Welt damit bewiesen, dass sie das Herz auf dem rechten Fleck hat", sagt Wippermann. Pooth habe einen Imagewandel vollzogen, den die Leute allerdings bisher nicht goutiert hätten. Als Sexsymbol sei sie interessanter gewesen. Pooth selbst sieht das anders. Gegenüber der "Bild"-Zeitung erklärte sie, renommierte Werbeagenturen hätten ihr bestätigt, ihr Marktwert sei eher noch gestiegen.

Seit einem Jahr wandelt die einstige Werbeikone des deutschen Fernsehens sogar in den Fußstapfen von Uschi Glas, Udo Walz oder Christine Kaufmann und preist ihre Produkte bei einem Teleshopping-Kanal an. Verona Pooth steht einmal im Monat beim Home-Shopping-Sender HSE 24 vor der Kamera, um ihre Kosmetiklinie "So perfect" vorzustellen. Ein Werbevertrag im klassischen Sinne ist dies allerdings nicht. "Wir verkaufen ihre Produkte und Frau Pooth bekommt Sendezeit von uns zur Verfügung gestellt, um diese zu bewerben", sagte Unternehmenssprecherin Alexandra Brune zu stern.de. Offenbar scheint zumindest auf den Homeshopping-Kanälen die Welt für Verona noch in Ordnung zu sein. HSE 24 ist mit den Umsätzen zufrieden. So lange die Kaufresonanz so gut sei wie bisher sei, wolle das Unternehmen an der Zusammenarbeit festhalten, sagt Brune.

Auf lange Sicht glaubt Wippermann, dass die Marke Verona Pooth nur noch auf kleineren Märkten funktionieren wird. "In Nordrhein-Westfalen ist sie nach wie vor sehr beliebt, weil sie dort wohnt", sagt Wippermann. In Hamburg und München sei ihre Bedeutung sehr viel geringer. "Langfristig wird sie das gleiche Schicksal wie Willy Millowitsch erleiden", erklärt der Trendexperte. "Sie wird nur lokal begrenzt ein Star bleiben, ihre Fans mit ihr altern."