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Oliver Kahn: "Hielt mich wirklich für King Kahn"

Oliver Kahn lässt tief blicken: Er spricht über Selbsttäuschungen, "unmenschliche" Berichterstattung sowie die Last eines öffentlichen Privatlebens.

Fußball-Nationaltorhüter Oliver Kahn hat den zunehmenden Druck der Öffentlichkeit beklagt und auch eigene Fehler eingestanden. "Ich werde immer in eine bestimmte Rolle gedrängt: Der Ehrgeizige. Der Verbissene. Der Tobende. Das ist gefährlich, denn irgendwann glaubst du selber, dass du so bist", sagte der Keeper des FC Bayern München bei der ARD-Sendung "Beckmann", die am Montag ausgestrahlt wird, über die Entfremdung von sich selbst: "Es gab einen Zeitpunkt, da hielt ich mich wirklich für King Kahn und den Titanen. Wenn es so weit kommt, musst du erst wieder zu dir selber finden."

Kahn äußerte sich kritisch über die negativen Seiten des Profi- Fußballs. "Ich liebe den Fußball, und ich liebe meinen Beruf. Aber der Preis, den ich dafür bezahlen muss, ist mittlerweile so groß, dass ich sage: Es ist zu viel. Nichts, was ich tue, bleibt unbeobachtet", meinte er. "Alles findet unter dem Druck der Öffentlichkeit statt. Es steht nicht mehr der Fußballer Kahn im Vordergrund, sondern nur noch der private Kahn. Das kann nicht sein."

Zuviel aus dem Privatleben preisgegeben

Bei ihm bestand nach eigenen Angaben die Gefahr, am Druck zu zerbrechen. Der Bayern-Kapitän sieht hierbei Parallelen zu seinem Vereinskollegen Sebastian Deisler, der sich im vergangenen Winter in psychische Behandlung begeben hatte. "Ich kann die Situation von Sebastian Deisler absolut nachvollziehen. Ich war selbst in ähnlichen Situationen", sagte Kahn und führte als Beispiel das Champions- League-Finale 1999 gegen Manchester United an. "Ich war nur noch auf meinen Beruf fixiert. Ich sah nichts mehr. Ich war völlig besessen", berichtete er. "Damals dachte ich, ich zerbreche an dem Druck. Man ist plötzlich in einem Zustand, in dem körperlich und geistig nichts mehr geht." Da habe er begriffen, dass er sein Leben ändern müsse.

Auch er selbst habe Fehler gemacht. "Ich habe zu viel aus meinem Privatleben preisgegeben", meinte er. Bei allem, was er in den vergangenen Jahren mit der Presse erlebt habe, habe er sich auch einen Umzug ins Ausland überlegt. "Warum lässt die Presse Michael Schumacher in Ruhe, aber Oliver Kahn nicht? Die Antwort, glaube ich, lautet: Weil Schumacher in der Schweiz lebt und Kahn in München. Man ist greifbarer, verfügbarer, näher."

DPA / DPA