Pamela Anderson auf der Bühne An diesem Lampengeist reibt man gerne


Pamela Anderson ist Gaststar des Weihnachtsstücks "Aladin und die Wunderlampe" - sehr zur Freude der Väter. Die für Kinder inszenierte Aufführung im Londoner "New Wimbledon Theatre" ist restlos ausverkauft. Ist Pam der heißeste Lampengeist aller Zeiten?
Von Frank H. Diebel, London

Atemlose Stille herrscht im ausverkauften und wunderschön restaurierten viktorianischen "New Wimbledon Theatre" als das Busenwunder in einem silbernen Reifen sitzend singend von der Decke schwebt. Obwohl etlichen jungen Männern der Mund offen steht, sind viele Mütter im Publikum peinlich berührt. Einige decken die Augen ihrer Kinder mit den Händen zu, denn das ist ohne Zweifel einer der heißesten Lampengeister aller Zeiten: Pamela Anderson.

Wie passen Weihnachten und wogende Brüste zusammen? Wer das wissen will, sollte sich auf den Weg ins englische Wimbledon machen. In dem Londoner Stadtteil, wo sich sonst Venus und Serena Williams Tennisbälle um die Ohren schlagen, wird derzeit das Weihnachtsspiel "Aladdin" mit "Baywatch"-Rettungsschwimmerin Pamela Anderson als Gaststar gegeben. Schon im Vorfeld sorgte Anderson für einen beträchtlichen Anstieg des Kartenvorverkaufs. Die britischen Klatschblätter waren voll von Vorabberichten. Da wundert es nicht, dass die Premiere am Dienstagabend restlos ausverkauft war.

Insgesamt 20 Minuten trippelt Pam in einem knallengen Lycra-Badeanzug, mit dunkelroten Handschuhen, drei Capes bestückt mit 20.000 Swarowski-Kristallen und silbernen Plateauschuhen hüftschwingend umher. Das Kostüm ist dem berühmten "Baywatch"-Badeanzug nachempfunden. Und obwohl die kanadisch-amerikanische Schauspielerin 42 Jahre alt und Mama zweier Söhne ist - auch aus nächster Nähe im grellen Scheinwerferlicht ist von Cellulite keine Spur.

Der Kultstar kämpft derzeit mit finanziellen Problemen. Wegen der Rezession ist der Bau des Traumhauses in Malibu ins Stocken geraten. Pam schuldet angeblich diversen Bauunternehmen umgerechnet rund 750.000 Euro. Außerdem steht ihr eine saftige Steuernachzahlung ins Haus. Daher der Ausflug vom kalifornischen Strand ins kalte London. Für ihr Gastspiel bei "Aladdin" kassiert die Ex von Rocker Tommy Lee angeblich 56.000 Euro. Dafür muss sie Weihnachten an der Themse verbringen.

Anderson verhaspelt sich und hat das Publikum trotzdem auf ihrer Seite

Und wie macht sich die "Baywatch"-Nixe live und "unplugged" auf der Bühne? Sie ist ziemlich nervös - weitaus nervöser als die anderen Darsteller - und rattert mit Piepsstimmchen ihren Text herunter. Während die anderen Schauspieler das Publikum mit Popsongs und Tanznummern mehr als zwei Stunden unterhalten, dauern Pams Auftritte jeweils nur einige Minuten. Trotzdem verhaspelt sie sich einige Male. Viel Zeit zum Proben blieb ihr auch nicht. Ganz im Stil einer Diva ist die Sexbombe erst auf den allerletzten Drücker aus Los Angeles eingeflogen. Vorher hatte die heiße Blondine vier Vorstellungen kurzfristig abgesagt, die Premiere musste um zwei Tage verschoben werden.

Trotz oder gerade wegen ihrer Versprecher hat Anderson die Lacher auf ihrer Seite. Das liegt auch an den Texten, in denen sie mit schlüpfrigen Anspielungen auf ihren unsteten Lebenswandel kokettiert. "Warum bleibe ich immer an den bösen Jungs hängen?" haucht sie ins Mikro. Später - nachdem Aladin den Geist der Lampe befreit hat - stimmt das Busenwunder "Happy Freedom to me" zur Melodie von "Zum Geburtstag viel Glück" in lasziver Monroe-Manier an. Auch einen giftigen Seitenhieb auf das britische Boxenluder Katie Price kann sich die Anderson nicht verkneifen: "Wir suchen etwas Unbezahlbares?" fragt Aladin ratlos. "Katie Prices Ruf", entgegnet Pam Anderson. Das Publikum tobt. Bei der großen Schlussnummer "Blame it on the Boogie" der Jackson Five reißt es das Publikum aus den Sitzen. Nur Anderson kann sich nicht an den Text des Disco-Klassikers erinnern und sieht sich hilfesuchend nach ihren Kollegen um. Der Stimmung im Saal tut das keinen Abbruch, alle singen mit.

Nach getaner Arbeit geht es in den Pub. Obwohl der Kultstar müde aussieht, trifft sich die Schauspielerin nach der Vorstellung im "Wibbas Inn" auf der anderen Straßenseite noch mit den Kollegen zu Bier und Pommes, lehnte deswegen sogar Interviewanfragen ab. Die britische Presse jubelt: Jetzt hat die Sexbombe aus L.A. schon zwei britische Traditionen ins Herz geschlossen. Was kommt als nächstes? Nachmittagstee mit der Queen? Polo mit Prinz Charles? Wir dürfen gespannt sein.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker