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PIRELLI-KALENDER: Erotik zum Blättern

Star-Fotograf Bruce Weber versteht es zu verführen: Eigentlich wollten sich Heidi Klum und 22 weitere Models nicht ausziehen. Bei den Shootings zum neuen Pirelli-Kalender taten sie es doch.

Ach, eigentlich wollten sie alle ihre Sachen anbehalten. Heidi Klum ihr Kleid, Sophie Dahl ihr Hemd und Bridget Hall ihren Badeanzug. Eigentlich fuhren sie, 15 Mädchen und acht Jungs, im Sommer für einen großen Spaß an die italienische Cilento-Küste, einen Spaß mit dem Fotografen Bruce Weber, diesem sanften Big Daddy mit dem Kopftuch. Aber wie es dann so ist, die Sonne scheint, man lacht, man isst, man feiert, der warme Wind lockt den Leichtsinn heraus, das erste Hemd fällt, na und? Ein Kleid rutscht, was soll's? Models tragen ihre Seele direkt auf der Haut, und wenn alles stimmt, ist Nacktheit eine Art Harmonie mit sich selbst. Bruce Weber ist ein großer Verführer mit der Kamera, weil sie bei ihm keine Rolle spielt. Er ist ein Fuchs, weil er seine Objekte zu seiner Umgebung macht, sie leben lässt und sich irgendwann wie zufällig die Bilder herauspflückt.

Foto-Shows:

- Rückblick Pirelli Kalender 2002

- Rückblick Pirelli Kalender 2001

Erstmals Männer mit dabei

»Wir hatten das so nicht vor, es war nichts geplant«, sagt Weber treuherzig. Mit dieser Leichtigkeit hat Weber es auch geschafft, das starre Zwölf-Monats-Konzept des legendären Pirelli-Kalenders, eines jährlichen Seismographen erotischer Optik, sanft aufzubrechen. Erstmals hat er Männer in die Bilder des Pin-up-Klassikers gesetzt, »das war mal an der Zeit, ich fand es unfair, dass Männer hier immer ausgeschlossen waren«. Und so macht er den Betrachter zum Wanderer und Voyeur, den es durch die Landschaft am italienischen Punta Licosa, dem Sirenenfelsen, treibt. Dort begegnet er einer nackten Heidi Klum, einer nackten Sophie Dahl, dem amerikanischen Mittelgewichtsboxer Richie La Montagne oder dem Schauspieler Alessandro Gassman, Sohn von Vittorio. Solche Wanderungen und heimlichen Blicke auf eine selbstvergessene, im Eros treibende Gesellschaft haben eine dieser altmodischen, klassischen Visionen von Körperlichkeit und Freiheit, die schon Fotografen-Legenden wie Herbert List oder Horst P. Horst an den Felsenküsten Süditaliens suchten.

- Foto-Show: Heidi Klum

Bruce Webers Bilder bleiben

Auch Bruce Weber hat mit seinen Fotos die Ursprünge seiner sexuellen Sozialisation zu finden versucht. 1946 in Pennsylvania geboren, trieb es den späteren Studenten immer wieder in Kinos von New York, wo er sich nächtelang alte italienische Filme ansah. »Sie haben mir vieles über Sex und Erotik beigebracht, es war die Körperlichkeit einer Bildsprache, die mehr über Sex erzählte, als sie zeigte«, sagt er. Und deshalb habe er auch bei dieser Arbeit völlig vergessen, dass er einen Kalender fotografiert, »es sind Szenen einer großen Geschichte, jedes Foto soll beim Betrachter eine eigene emotionale Reaktion freisetzen.« Also, hinschauen, dann die Augen schließen und sehen, ob die Bilder bleiben. Sie bleiben.

- Foto-Show: Yamila Diaz Rahi

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