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BBC-Interview von 1995 Lug und Trug: 25 Jahre nach Ausstrahlung sorgt Lady Dianas TV-Beichte für Diskussionen

Prinzessin Diana im November 1995 während ihres Interviews mit BBC-Journalist Martin Bashir
Prinzessin Diana im November 1995 während ihres Interviews mit BBC-Journalist Martin Bashir
© PA/BBC SCREEN GRAB / Picture Alliance
Im November 1995 schüttete Prinzessin Diana dem BBC-Journalisten Martin Bashir ihr Herz aus. Das Interview war ein Skandal. Dianas Bruder, Charles Spencer, behauptet nun, es kam durch Lügen und Täuschungen zustande.

Die BBC nannte es "das Interview des Jahrzehnts", und tatsächlich dürfte es kaum ein Gespräch geben, das in den Neunzigern für mehr Sprengstoff gesorgt hat. Am 20. November 1995 zeigte der britische Sender im Rahmen der Reportagereihe "Panorama" einen Film mit dem Titel "An Interview with H.R.H. the Princess of Wales". In der rund vierstündigen Unterredung schüttete Prinzessin Diana dem Journalisten Martin Bashir ihr Herz aus. Die damals 34-Jährige sprach über ihre "Ehe zu dritt", postnatale Depressionen, Essstörungen und Charles' Unfähigkeit, das Land eines Tages als König zu führen.

Das Interview war ein Skandal, weil die Royal Family nichts von Dianas Enthüllungen wusste. Die Prinzessin hatte zwar mitgeteilt, dass es einen TV-Auftritt geben würde, über den brisanten Inhalt war jedoch nichts bekannt. Irritationen gab es auch um den Journalisten, der Diana interviewte. Martin Bashir war damals Anfang 30 und Nachwuchsreporter der BBC, mit der Königsfamilie hatte er bis dato noch nie etwas zu tun gehabt. Dass ausgerechnet er es schaffte, Diana so intime Geständnisse zu entlocken, verblüffte nicht nur die Briten.

Jetzt, 25 Jahre nach der Ausstrahlung des Interviews, gibt es eine Kontroverse darüber, wie Bashir Dianas Zustimmung für das Interview erhalten hat. Charles Spencer, der Bruder von Lady Di, behauptet, Bashir habe ihn mit gefälschten Dokumenten hinters Licht geführt und ihn so dazu gebracht, dass er dem Journalisten seine berühmte Schwester vorstellte. Konkret geht es um zwei Kontoauszüge, die Bashir Spencer vorlegte. Die sollten belegen, dass Mitarbeiter des Palastes bezahlt wurden, um Prinzessin Diana auszuspionieren. Die Kontoauszüge stellten sich später als Fälschungen heraus, die Bashir von einem Grafik-Kollegen der BBC hatte anfertigen lassen.

Dianas Bruder arrangierte Treffen mit Martin Bashir

Doch Charles Spencer fiel zunächst auf den Schwindel herein, und so kam es im September 1995 zu einem ersten Kennenlernen von Lady Diana und Martin Bashir. Arrangiert wurde das Treffen von Charles Spencer in seinem Londoner Haus. Bei diesem Termin soll Bashir allerdings allerlei wirre Theorien von sich gegeben haben, wie Spencer nun behauptet und als Beweis ein Protokoll anbringt, in dem er die Aussagen notierte. So soll der Journalist Prinz Charles eine Affäre mit dem Kindermädchen unterstellt, der Queen einen schweren Herzfehler nachgesagt und Prinz Edward sogar eine Aidserkrankung angedichtet haben. 

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Nach diesem Treffen kam Charles Spencer zu dem Schluss: Diesem Mann ist nicht zu trauen. Was er allerdings nicht wusste: Seine Schwester Diana blieb mit Bashir in Kontakt. Und zwei Monate nach dem ersten Treffen wurde das brisante Interview ausgestrahlt.

Die BBC leitete bereits 1996 eine interne Untersuchung ein, nachdem bekannt wurde, dass Martin Bashir Kontoauszüge gefälscht hatte. Die damaligen Verantwortlichen kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass sich der Journalist nicht falsch verhalten habe. "Es war keine sehr gute Idee, diese Dokumente anfertigen zu lassen, und Herr Bashir weiß das. Aber wir können bestätigen, dass die Dokumente in keiner Weise verwendet wurden, um das Interview mit Prinzessin Diana zu ermöglichen", sagte damals ein Sprecher des Senders.

Dianas Bruder Charles Spencer ist das zu wenig. Er kritisiert, dass er in die Untersuchungen nicht mit einbezogen wurde und warf dem BBC-Generaldirektor "Schönfärberei" vor. Der Sender hat sich nochmals bei dem 56-Jährigen entschuldigt und angekündigt, den Fall unter Berücksichtigung der jüngsten Informationen erneut aufzurollen. Derzeit sei es allerdings nicht möglich mit Martin Bashir, der noch immer für die BBC arbeitet, persönlich zu sprechen. Der 57-Jährige ist schwer an Covid-19 erkrankt.

Quellen: BBC, Guardian, Charles Spencer Twitter, Daily Mail


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