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PRINZESSIN DIANA: Die Erinnerung verblasst langsam

In aller Stille wird in Großbritannien des Unfalltodes von Diana vor fünf Jahren gedacht. Die Prinzessin war im Alter von 36 Jahren mit ihrem Freund Dodi Fayed gestorben.

Fünf Jahre nach ihrem tragischen Unfalltod macht sie immer noch Schlagzeilen - auch wenn dies nichts mehr mit den großen Gefühlen nach dem 31. August 1997 zu tun hat, als die britische Prinzessin Diana in einer Pariser Autounterführung starb. Es geht vielmehr um Enthüllungen der intimen Art, Streit um das geplante Diana-Denkmal im Hyde-Park oder immer noch Spekulationen um ihren Unfalltod.

Im vergangenen Jahr hatte Patrick Jephson, einer ihrer Vertrauten, ein Buch veröffentlicht, dem die Welt die Erkenntnis verdankt, dass Diana über einen pinkfarbenen Vibrator in der Handtasche verfügte. In diesem Jahr nun meldet sich Ken Wharfe, sechs Jahre lang bis 1993 ihr Leibwächter, mit einem Buch zu Wort. Darin enthüllt er, die Prinzessin (»Einfühlsam, extravagant, verletzlich«) habe sich in Telefonaten mit ihrem Geliebten James Hewitt stets als »Julia« getarnt - aber sie habe ihm, Wharfe, gestanden, der Kunsthändler Oliver Hoare sei »der erste Mann gewesen, der sie körperlich je erregt habe«.

Thronfolger Prinz Charles, den sie 1981 heiratete und von dem sie sich im Dezember 1992 offiziell trennte, war über die etwas klebrigen Indiskretionen des einstigen Vertrauten Wharfe so entsetzt, dass er den Londoner Polizeichef anrief (»Ich will nicht, dass meine Söhne so etwas über ihre Mutter lesen müssen«) und Wharfe auf Lebenszeit aus sämtlichen königlichen Parks und Schlössern verbannte. Dennoch freut dieser sich schon auf das Buch-Honorar von rund 250.000 Pfund.

Wie zu jedem Jahrestag des Todes hat sich auch in diesem Jahr Mohammed Fayed, der ägyptische Eigentümer des Kaufhauses Harrods, zu Wort gemeldet. Sein Sohn Dodi starb gemeinsam mit Diana, Fayeds Chauffeur Henri Paul saß betrunken am Steuer. Fayed sieht nach wie vor alles ganz anders: Pauls Blutalkoholwerte seien manipuliert gewesen, die Beweise für eine Schwangerschaft Dianas von Dodi seien beseitigt worden, natürlich seien Diana und sein Sohn das Opfer einer Verschwörung geworden, die »ganz oben« im Königshaus angezettelt worden sei.

Fast fünf Jahre hat es auch gedauert, bis nun zumindest die Pläne für eine Art Diana-Denkmal im Hyde-Park beschlossen wurden. Ein Brunnen soll es werden, der sich in einer großen Rinne durch die Landschaft ergießt. Als »Abwasserkanal« bezeichnete die Boulevardzeitung »The Sun« das Gedenk-Werk und Dianas Mutter Frances Shand Kydd beklagte lebhaft: »Komisch, aber niemand hat mich je gefragt, was ich eigentlich davon halte.«

Der »Daily Express« bedauert, dass die Prinzessin »immer noch keine Ruhe findet« - und veröffentlicht steckbriefartig eine Liste jener Menschen, die Diana »verraten« haben, wobei Jephson und Wharfe ganz oben stehen. Paul Burrell hingegen, ihr einstiger Butler, sieht im Oktober einem Gerichtstermin entgegen, bei dem er sich gegen den Vorwurf des Diebstahls an der einstigen Arbeitgeberin verteidigen soll. Der »Express« weiß schon jetzt, dass Burrell unschuldig ist und weiterhin ganz oben auf der Liste der Getreuen stehen kann.

Kaum ein Zweifel kann aber daran bestehen, dass die Prinzessin, deren Tod Großbritannien weit stärker erschütterte als etwa die Terrorangriffe auf die USA vom 11. September 2001, mittlerweile für eine breite Öffentlichkeit die emotionale Bedeutung verloren hat. Zwar wurde der Tod Dianas bei einer Umfrage gerade von 22 Prozent zum wichtigsten Ereignis der vergangenen 100 Jahre erklärt. Aber das ist vor allem die Erinnerung an die aufgewühlten Tage nach dem 31. August, als tonnenweise Blumen in London niedergelegt wurden.

»Es erscheint heute seltsam, dass die Menschen sich 1997 betrugen, als könne es für dieses Land keinen schlimmeren Verlust geben als den Tod einer liebenswerten, aber problembeladenen jungen Frau«, schreibt der »Guardian«. Diana sei »ein Star, den die Zeit vergaß«, gewesen. Und auch der »Express« meint, ihr Ruhm werde weiter verblassen: »Im Gegensatz zu wirklichen Ikonen wie Elvis oder Marilyn Monroe hat sie kein Lebenswerk hinterlassen, das man immer wieder anhören oder - sehen kann.«

Fünf Jahre nach dem Tod Dianas hat das royale Establishment das Zepter wieder fest in der Hand. Damals war es ins Wanken geraten, weil Diana als völlig unschuldiges Opfer eines hartherzigen, gefühllosen Königshauses (miss-)verstanden wurde. Aber der Tod von Prinzessin Margaret und der Königinmutter (»Queen Mum«) sowie das 50. Thronjubiläum von Königin Elizabeth (76) haben Diana ganz an den Rand der öffentlichen Wahrnehmung gedrängt. Und Prinz Charles (53), dessen Söhne William (20) und Harry (17) mittlerweile zu Medienstars geworden sind, hat seine langjährige Geliebte Camilla Parker Bowles zu einer in der Öffentlichkeit akzeptierten Person gemacht. Heirat nicht ausgeschlossen.