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Regiedebüt in Bosnien: Angelina Jolie erzürnt Vergewaltigungsopfer

Für ihr Regiedebüt hat sich Angelina Jolie ein heikles Thema ausgesucht: Eine Liebesgeschichte zwischen einer vergewaltigten Bosnierin und einem serbischen Soldaten während des Bürgerkrieges. Opferverbände sind empört, der bosnische Kulturminister entzog Jolie die Drehgenehmigung.

Als Angelina Jolie im April dieses Jahres nach Bosnien reiste, wurde sie mit offenen Armen empfangen. Kinder küssten die Schauspielerin, ältere Frauen drückten Jolie innig an sich. Sechs Monate später ist die 35-Jährige alles andere als willkommen. Grund für den Ärger ist Jolies Debüt als Regisseurin. Die Oscar-Preisträgerin arbeitet derzeit an ihrem ersten Film, der 2011 in die Kinos kommen soll. Das Thema, das sich Jolie ausgesucht hat, ist heikel. Der Streifen mit dem sperrigen Titel "Untitled Bosnian War Love Story" spielt während des Bürgerkrieges in Bosnien-Herzegowina und erzählt die Liebesgeschichte zwischen einer jungen muslimischen Frau aus Bosnien, die sich in ihren Vergewaltiger, einen serbischen Soldaten, verliebt. "Das ist eine irreführende Geschichte", sagt Bakira Hasecic, Sprecherin der bosnischen Vereinigung "Women victims of war". "Unter tausenden Aussagen von Zeuginnen gab es nicht eine einzige Frau, die von einer Liebesgeschichte zwischen einem Opfer und einem Vergewaltiger berichtet hätte."

Bosniens Kulturminister Gavrilo Grahovac unterstützt den Protest der Vereinigung und entzog Jolie die Drehgenehmigung für die bosnische Hauptstadt Sarajevo. Dort wollte die Amerkanerin eigentlich im November die Schlussszenen des Kriegsdramas drehen. Wenn er das Projekt schon nicht stoppen könne, so Grahovac, dann wolle er durch Entzug der Drehgenehmigung wenigstens seine Missachtung für den Film ausdrücken, der "nicht die Wahrheit schildert und viele Opfer verletzt". In Budapest, wo Jolie die ersten Szenen für "Untitled Bosnian War Love Story" aufnahm, gab es dagegen keinerlei Proteste.

Die Idee für den Streifen kam Jolie im August, nachdem sie mehrfach in ihrer Funktion als Sonderbotschafterin des Kinderhilfswerks UNHCR nach Bosnien gereist war und dort Flüchlingslager besucht hatte. Vor allem für Frauen und Kinder hatte sich Jolie immer wieder eingesetzt. "Nachdem ich die Menschen erlebt und ihre Geschichten gehört habe, kann ich gar nicht genug betonen, wie sehr wir uns um ihr Wohl kümmern müssen", sagte die Schauspielerin damals. Für die Besetzung ihres Filmes wählte die Oscar-Preisträgerin ausschließlich Schauspieler aus der Region. Die weibliche Hauptrolle ging an die junge, bosnische Darstellerin Zana Marjanovic, die das Drehbuch als "fabelhaft" und Jolie als eine "große Schauspielerin und Menschrechtlerin" lobte.

Dass nun ausgrechnet Jolie, der "Mutter Teresa Hollywoods", vorgeworfen wird, die Gefühle von Frauen und Bürgerkriegsopfern zu verletzten, ist eine neue Erfahrung für die Schauspielerin. Bisher war sie stets diejenige, die sich für die Armen und Schwachen stark machte, die in die Krisengebiete dieser Welt reiste und keine Berührungsängste kannte. Bosniens Kulturminister Grahovac bleibt indes hart. Er werde Jolie erst wieder eine Drehgenehmigung erteilen, wenn sie die Geschichte ihres Filmes überarbeite. Die Oscar-Preisträgerin selbst hat sich bislang zu den Vorwürfen nicht geäußert.

jum