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Was macht eigentlich ..?: Regina Halmich über Nacktfotos, Stefan Raab und ihre Leidenschaft

Als Boxweltmeisterin war sie von 1995 bis 2007 ungeschlagen – und brach in einem Showkampf Stefan Raab die Nase.

Regina Halmich auf Mallorca

Regina Halmich, 41, kürzlich in Palma de Mallorca

Der Showkampf mit Stefan Raab und die Nacktfotos im "Playboy“ sind vielen besser in Erinnerung als Ihre 54 Profisiege. Hätten Sie sich die Aktionen sparen sollen?

Ich bereue nichts. Das gehört zum Gesamtpaket meiner Karriere, und die Erfolge sprechen für sich. Damit konnte ich den Kritikern den Zahn ziehen. Da die Leistung im Boxring stimmte, durfte ich mir auch den Klamauk mit Stefan erlauben.

Wollten Sie Raab die Nase brechen?

Der Nasenbeinbruch war kein Versehen. Stefan hat im Vorfeld viel provoziert, und es war für mich eine Genugtuung. Mitleid musste ich mit ihm nicht haben. Er ist ein Meister der Inszenierung und hat die Verletzung in weiteren Sendungen ausgeschlachtet.

Wie hoch müsste die Gage sein, dass Sie nochmals gegen ihn antreten?

Ich bin nicht käuflich. Angebote, echte Kämpfe zu bestreiten, habe ich abgelehnt. Dann werde ich auch keinen Showkampf mehr machen.

In der Schule machten Sie Judo, später Karate und Kickboxen. Waren Sie schon als Kind ein bisschen anders als die anderen Mädchen?

In mir steckte mehr die Ronja Räubertochter als die Barbie. Mit Puppen spielen wurde mir schnell langweilig. Ich sehnte mich nach Abenteuer und Action.

Auf dem Pausenhof haben Sie sich aber nicht geprügelt?

Ich war kein aggressives Kind. Nur manchmal wusste ich nicht wohin mit meiner Energie. Der Kampfsport hat mir deshalb gutgetan. Danach wurde ich viel ruhiger.

Als Sie 1994 mit dem Frauenboxen begannen, war der Verdienst sehr überschaubar. Warum haben Sie trotzdem angefangen?

Boxen war schon immer meine Leidenschaft, und meine Überzeugung hat mich motiviert. Dass ich in den Anfangsjahren fast nichts verdient habe, hat meinen Ehrgeiz noch mehr geweckt. Später wurde ich dann nicht mehr nach Geschlecht bezahlt, sondern nach Einschaltquoten.

Boxen ist eine Männerdomäne, Frauen passten damals kaum ins Weltbild.

Ich hatte immer zwei Zweikämpfe: einen im Ring und einen außerhalb. Fast täglich musste ich mir dumme Kommentare anhören, wie unweiblich ich bin. Einige Jungs folgten mir sogar in die Dusche und zogen den Vorhang weg. Einen Klaps auf den Po habe ich auch ein paar Mal erhalten.

Haben Sie deshalb Ihre Fäuste einsetzen müssen?

So weit ist es nie gekommen. Da ich immer sehr selbstsicher war, strahlte ich das auch in meiner Körpersprache aus. Die Männer wussten genau, wo die Grenzen sind.

Heute entwickeln Sie Trainingsprogramme. Spielt Boxen bei Ihren Übungen noch eine Rolle – oder haben Sie die Handschuhe an den Nagel gehängt?

Die Boxhandschuhe aus meinem letzten Kampf baumeln tatsächlich an der Wand. Wenn ich heute ein Training mache oder gebe, gehört Boxen dazu. Dann schlage ich aber meistens auf den Sandsack. Beim Sparring ist die Gefahr zu groß, dass ich in den Wettkampfmodus wechsle und wieder zu große Lust auf einen Kampf bekomme.

Ist Ihre Karriere einem Kinderwunsch übergeordnet?

Der Wunsch nach Kindern war nie so ausgeprägt wie der Drang nach sportlichen Erlebnissen. Ich finde den Spagat zwischen Karriere und Kind sehr schwierig, denn eines leidet immer. Deshalb habe ich mich gegen eigene Kinder entschieden. Da ich nichts Da ich nichts vermisse, ist es schön, so wie es ist.

Interview: Tobias Ott
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